Rotenburger Schüler begleiten das Knollengewächs von Anfang an

Kartoffeln wie aus alten Zeiten

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Beim Einsetzten der Kartoffeln ließen die Schüler größte Sorgfalt walten.

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Der dritte Jahrgang der Schule am Grafel hat eine neue Mitschülerin. Belinda heißt sie und lebt hinter der Gärtnerei am Kalandshof in Rotenburg. Unter der Erde – denn Belinda ist eine Kartoffel, und Teil eines Langzeitprojekts der Biologischen Schutzgemeinschaft Wümmeniederung (BSW) und der Grundschule.

Doch nicht nur die dritten Klassen haben Zuwachs bekommen. Desiree, Ditta und auch Granola gehören in diesem Jahr fest zum Schulleben dazu. „Die Schüler sollen die Entwicklung einer Kartoffel mitkriegen“, erklärt Eckart Fründ, Projektleiter beim BSW, den Hintergrund dieser Aktion. Die Kinder sollen nicht nur sehen, wie das Gemüse am Ende auf den Teller kommt, sondern auch, wie Kartoffeln gepflanzt, gepflegt und gerodet werden – und das aus erster Hand. Wo kommen die Kartoffeln her? Dieser Frage gehen die Schüler nach. Beginn war gestern, als es für alle aufs Feld ging, wo sie im Klassenverband ihre Kartoffeln pflanzten – jeder Jahrgang mit individueller Sorte.

Das meiste geschieht in Handarbeit

Mit einem alten Trecker und einem ebenso alten Pflanzstern zog Fründ zunächst jeweils zwei Reihen kleiner Löcher auf den Acker. Danach waren die Schüler dran. Begierig nahmen sie die einzelnen Knollen aus den Körben – immer so viele wie sie tragen konnten – und begannen, sie sorgfältig in die dafür vorgesehenen Mulden zu legen. Zum Schluss fuhr Fründ noch einmal mit dem Trecker vor, um die Kartoffeln mit einem Häufelpflug zuzudecken und die typischen kleinen Wälle aufzuschichten.

Auf Wunsch der Eltern werden die Kartoffeln von Anfang biologisch angebaut und bearbeitet, meint Fründ. „Dafür müssen sie aber auch einmal anrücken und Unkraut pflücken“, sagt er und lacht. Sollten Kartoffelkäfer die Ernte bedrohen, sind die Schüler gefragt. Dann werden sie noch einmal auf das Feld kommen, um sie – wie in alten Zeiten – mit der Hand einzusammeln.

Selbstverständlich sind die Schüler auch beim Roden dabei. Auch hier, kündigt Fründ an, kommt mit einem Schleuderroder altes Gerät zum Einsatz. Die Kinder müssen dann, wie beim Pflanzen, mit der Hand ran und die Kartoffeln aufsammeln. „Etwa drei bis fünf Tonnen“, schätzt Lehrer Andreas Meyer, „werden wir wohl im Herbst ernten können.“

Da stellt sich die Frage: Wohin mit all den Kartoffeln? In einer Projektwoche werden die Schüler sie auf verschiedene Weise verwenden. Sie backen Reibekuchen, stellen Kartoffeldruck-Bilder her und testen, wozu die Knolle außerdem gut ist. Den Höhepunkt bildet ein Schulfest, bei dem die Erdäpfel an die Eltern verkauft werden. Was dann noch übrig ist, verkauft die Schule zugunsten ihres Fördervereins auf dem Rotenburger Kartoffelmarkt.

Fründ ist gespannt auf den Herbst und wie das Projekt dann abschließt. Denn es ist das erste Mal, dass der BSW dieses Projekt anbietet. Laut Fründ ist eine Weiterführung bei einer guten Entwicklung nicht ausgeschlossen. Verschiedene Schulen aus dem gesamten Südkreis hätten bereits Interesse angemeldet.

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