In dieser Woche startet eine Maßnahme für Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund

Das „Karo“ stellt sich ganz neu auf

Björn Harms (v.l.), Tanja von Dombrowski und Harald Glüsing freuen sich, dass das „Karo“ eine Zukunft hat. Sie haben gleich zwei neue Maßnahmen entwickelt. Eine davon läuft bereits. - Foto: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Die dunklen Wolken über dem sozialen „Kaufhaus Rotenburg“ haben sich verzogen. Der Herbergsverein als Träger dieser Einrichtung am Neuen Markt kann aufatmen, denn dank einer Kooperation mit dem Rotenburger Jobcenter startet in dieser Woche ein neues Projekt, in dessen Mittelpunkt Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund stehen. Das „Karo“ stellt sich neu auf, das Mitarbeiter-Team blickt zuversichtlich in die Zukunft.

Das war im vergangenen Jahr anders, denn nachdem das „Karo“ lange Zeit am Tropf des Europäischen Sozialfonds (ESF) gehangen hatte, gibt es nun kein Geld mehr aus dieser Quelle. „Es war für uns ein sehr schwieriges Jahr“, blickt der neue „Karo“-Chef Björn Harms zurück. Es musste also eine Anschlussfinanzierung her, denn aus dem Umsatz im Kaufhaus allein lassen sich die Projekte nicht tragen. Letztendlich haben der Herbergsverein und das Jobcenter eine Alternative entwickelt und in die Tat umgesetzt. Seit Montag läuft die neue Maßnahme – und verschafft dem „Karo“ wieder eine soziale Perspektive.

„Uns geht es um ein arbeitsmarktnahes Angebot, aber auch darum, den klassischen Bereich des Kaufhauses zu erhalten“, sagt Harald Glüsing, Leiter des Jobcenters. Seine Kollegin, die Sachgebietsleiterin Tanja von Dombrowski, hat das neue Konzept entwickelt. Es richtet sich in einem ersten Teil an bis zu zehn Flüchtlinge sowie Menschen mit Migrationshintergrund, die schon länger in Deutschland leben, denen in einem ersten Schritt der Weg in den Arbeitsmarkt eröffnet werden soll. In einer zweiten Maßnahme geht es um Arbeitslose Jobcenter-Kunden, die bereits etwas näher am Arbeitsmarkt dran sind und einen handwerklichen Hintergrund mitbringen. Sie werden in Zusammenarbeit mit entsprechenden Betrieben alte Möbel aufarbeiten, die später im Kaufhaus an den Mann und an die Frau gebracht werden sollen.

Da die ESF-Förderung ausgelaufen ist, war es wichtig, im Jobcenter einen neuen, wesentlichen Eckpfeiler zu finden. „Die gesamte Finanzierung des ,Karo’ fußt auf vier Säulen“, erklärt Harms in einem Gespräch mit der Presse.

Da sei zunächst der Umsatz, den das soziale Kaufhaus nach wie vor erwirtschaftet, hinzu kommen die vom Jobcenter finanzierten Maßnahmen. Für das Flüchtlingsprojekt zahlt es 870 Euro monatlich pro Nase – jeder Teilnehmer kann bis zu sechs Monate bleiben, ehe andere Kandidaten nachrücken. Gestartet sind in dieser Woche fünf Teilnehmer. Weiteres Geld kommt von der Stadt Rotenburg sowie vom Landkreis.

Im „Karo“ sind zurzeit fünf Mitarbeiter beschäftigt, die das Geschäft hauptamtlich betreuen. Die Arbeitsfelder des sozialen Kaufhauses – Spendenabholung, Haushaltsauflösung und Verkauf – vermitteln den Maßnahmen-Teilnehmern Praxiserfahrungen. Hinzu kommen eine pädagogische Begleitung und – von zentraler Bedeutung – Sprachunterricht. Darüber hinaus sei vorgesehen, dass im Rahmen dieser Maßnahme die Ausstattung der Flüchtlingsunterkünfte mit Gebrauchtmöbeln unterstützt wird. Es gehe insgesamt um Qualifizierung sowie um Orientierung.

Die Teilnehmer der ersten Maßnahme kommen aus Syrien und Serbien, sagt Harms. Glüsing macht deutlich, dass es zurzeit noch relativ schwer sei, die zehn vorhandenen Plätze zu besetzen, aber er sei sich sicher, dass der Bedarf schon bald deutlich steigen werde. Die größte Hürde stellten zurzeit die sprachlichen Probleme dar. Wesentlich reibungsloser läuft es da hinsichtlich des Spendenaufkommens – immerhin Grundlage für die Arbeit und das Angebot des „Karo“. „Das Aufkommen würde ich zurzeit als stabil bezeichnen, aber da ist ganz bestimmt noch mehr Luft nach oben“, glaubt Björn Harms, der im „Karo“ eine Beratungs- und Begegnungsstätte für Menschen mit Migrationshintergrund plant.

Unverändert hat das „Kaufhaus Rotenburg“ von dienstags bis freitags in der Zeit von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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