60 MINUTEN Zu Besuch im Bilderbuchkino der Rotenburger Stadtbibliothek

Karierte Elefanten und Spaghetti

Leiterin Christine Braun hat das Bilderbuchkino mit nach Rotenburg gebracht. Foto: Menker

Rotenburg - Von Lutz Bergmann. „Da fließt Wasser aus dem Bild“, ruft ein Kind und zeigt auf ein Bild, das an die Wand eines Raumes in der Rotenburger Stadtbibliothek projiziert wird. Drei Patienten sind darauf zu sehen, die in einem Krankenhauszimmer liegen, einem Krankenhauszimmer der besonderen Art allerdings. Da ist zum Beispiel ein Röntgenbild von einem Fisch und bei dem einen Patienten ist ein Reißverschluss, wo sonst die Bauchdecke ist.

Es ist Mittwochnachmittag, kurz nach 16 Uhr. In der Stadtbibliothek sitzen rund 20 Kinder auf kleinen Holzstühlen vor einer Leinwand. Hinter den Kindern steht Christine Braun, die Leiterin der Stadtbibliothek, die den Kindern die Geschichte von Lisa vorliest, die Schwierigkeiten hat, den richtigen Beruf zu finden. In dem Bilderbuch von Ralf Butschkow schaut sich das Mädchen an, wie es zum Beispiel wäre als Feuerwehrfrau, Zoowärterin oder Stadionkommentatorin zu arbeiten. Jede Berufswelt wird mit unterschiedlichen Wimmelbildern dargestellt.

„Da ist ein Fisch“, ruft ein Kind bei einem der nächsten Bilder. „Genau, ein Fisch auf dem Land“, sagt Braun. Lisa ist mittlerweile im Zoo gelandet, wo sie sich als Tierwärterin probiert. Vor einem Gehege mit einem rosa-grau karierten Elefanten steht eine Schubkarre, in die Spaghetti mit Tomatensoße gefüllt sind. Durch die Gitterstäbe eines Käfigs glupscht ein Fisch, und ein Mann schlendert mit einer unverschämt riesigen Portion Eis durch die Gegend.

Schon seit 1993 gibt es das Bilderbuchkino in der Stadtbibliothek. Braun hat das Format bei einem Praktikum in der Stadtbücherei Achim kennengelernt und mit nach Rotenburg gebracht. Vorgelesen werden in der Regel Suchspiel- oder Wimmelbücher wie „Mamma Muh“, die Geschichte des Bären Doktor Brumm oder der Kuh Lieselotte. Gelegentlich tritt Braun auch in Schulen und Kindergärten auf. Das Vorlesen und der Austausch über die Geschichten fördert die sprachliche Entwicklung der Kinder. Eine wichtige Hilfe im Deutschunterricht – besonders auch für Kinder mit Migrationshintergrund.

Zum Schluss wird den Kindern die Geschichte „Der Ritter, der nicht kämpfen wollte“ von Helen und Thomas Docherty vorgelesen. Darin geht es um Leo, der in Rüstung auf einem kleinen weißen Pony von einem Ungeheuer zum nächsten reitet. Zunächst begegnet er einem Greif, dann einem Troll und am Ende einem roten Drachen. In allen drei Fällen wollen die Ungeheuer Leo, der gerade mal mit einem kleinen Holzschwert bewaffnet ist, angreifen. Eigentlich eine aussichtslose Angelegenheit – hätte Leo nicht für jeden seiner Kontrahenten eine passende Geschichte zum Vorlesen dabei. Statt eines Kampfes gibt es dann nämlich versöhnliche Lesestunden, die damit enden, dass Leo seinen Angreifern jeweils das vorgelesene Buch schenkt.

Die gereimte Geschichte liefert eine perfekte Überleitung für die Schlussworte der Bibliothekarin Christine Braun: „So wird man ein Held, indem man vorliest.“

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