Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und WFB ist abgewählt / AfD ist drin

Kreistag in Rotenburg: Die CDU kann sich eine Mehrheit suchen

Gebannt verfolgen CDU-Fraktionschef Heinz-Günter Bargfrede und CDU-Chef Hans-Heinrich Ehlen die einlaufenden Zahlen auf dem Rechner von Landrat Hermann Luttmann. Bis spät in die Nacht blieben einige Entscheidungen offen. - Foto: Krüger

Rotenburg - Von Michael Krüger. SPD, Grüne und WFB haben bei der Kommunalwahl ihre Mehrheit im Kreistag verloren. Nach fünf Jahren wird es eine neue Mehrheit geben – aller Voraussicht nach wieder mit der CDU. Die Christdemokraten haben zwar verloren, bleiben aber klar stärkste Kraft auf Kreisebene. Mit der AfD und den Freien Wählern gibt es zwei neue Parteien im Kreistag, die NPD spielt dagegen keine Rolle mehr.

Es ist, wie in so vielen Rathäusern der Region, ein zäher Abend im Foyer des Rotenburger Kreishauses. Um 18 Uhr gehen die großen Leinwände auf Sendung, aber außer ein paar Verwaltungsmitarbeitern ist niemand vor Ort. Erst kurz nach 18.30 Uhr trudeln die ersten Ergebnisse ein, um 1 Uhr nachts ist immer noch nicht alles ausgezählt – in Rotenburg und Bremervörde gibt es Probleme mit der Auszählung der Briefwahl.

Um 20.12 Uhr dann die erste Aufregung im Kreishaus – auf einem Fernseher läuft die Tagesschau, es wird das Werder-Spiel gezeigt. Zu diesem Zeitpunkt zeichnet sich nach und nach langsam ab, was den Wahlabend bestimmen wird: Die AfD liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der WfB, und die alte Mehrheitsgruppe wird sich nicht behaupten können. Einen kleinen Achtungserfolg kann die FDP verbuchen, die zwei statt einen Sitz ergattert, die Freien Wähler können erstmals wie Die Linke einen Kandidaten in den Kreistag senden. 

Alfa und NPD spielen bei den Wählern keine Rolle, dafür aber die AfD: Mit knapp 15.000 Stimmen liegen sie am Ende deutlich vor der etablierten WFB, bekommen wegen des Auszählungsmodus aber auch nur drei Sitze. Die CDU bleibt stärkste Fraktion, mit 23 Abgeordneten, die SPD holt 16 Mandate. So zumindest die Zahlen vor der Auszählung des letzten Wahlbezirks zu Redaktionsschluss. Zünglein an der Waage könnten die Grünen werden. Sie haben im neuen Kreistag fünf Sitze – mit der CDU zusammen und der Landrat-Stimme wäre es bei 54 Abgeordneten eine deutliche schwarz-grüne Mehrheit. Dass man gesprächsbereit ist, bestätigt die Grünen-Politikerin Elke Twesten: „Wir haben die Chance auf eine zeitgemäße Koalition.“

CDU-Kreischef Hans-Heinrich Ehlen klingt ähnlich. Für ihn ist es bereits die zehnte Kommunalwahl, dass kurz vor Mitternacht immer noch nicht alles ausgezählt ist, beunruhigt ihn nicht. Bevor er sich vom Kreishaus aus auf den Heimweg macht, sagt er kurz: „Wir reden mit allen.“ Die CDU sei froh, wieder die stärkste Fraktion zu bilden, nun schaue man sich um. Gesprochen werde mit allen, und Schwarz-Grün? „Das ginge.“ Es komme nun darauf an, wie die Grünen-Basis die Diskussion bewerte. Diesbezüglich seien schon vor fünf Jahren Gespräche recht schnell gescheitert, heißt es aus der CDU.

Landrat Hermann Luttmann (CDU) wird die Gespräche mit großem Interesse verfolgen. Er hält Schwarz-Grün auch für „eine Möglichkeit“ unter vielen in einem sehr bunten Kreistag. Klar sei, neben dem Auftrag an die CDU, eine Mehrheit zu suchen, dass die bisherige Mehrheit nicht mehr existiere. Und darüber empfinde er „eine gewisse Genugtuung“. Der nicht nur zahlenmäßig größte Verlierer auf Kreisebene ist die SPD. Deren Fraktionschef Bernd Wölbern schob das Ergebnis aber vor allem auf lokale Themen. Denn die Ergebnisse seien so unterschiedlich, dass die Kreispolitik wenigere Einfluss gehabt habe als örtliche Ereignisse. Bestes Beispiel sei Sittensen, wo die CDU bei der Kreiswahl massiv verloren habe nach einer umstrittenen Entscheidung zum Rathaus-Neubau. Mit dem Votum der Wähler müsse man sich nun arrangieren.

Der Rotenburger AfD-Kreisvorsitzende Wolf Schmidt-Omes sagte zum Wahlerfolg seiner Partei: „Das Ergebnis habe ich so erwartet.“ Künftig wollten sich die AfD-Neulinge im Kreistag vor allem mit den Finanzen des Kreises beschäftigen. Ausgaben sollen stärker unter die Lupe genommen werden.

Neben den Kleinen Überraschungen auf Parteiebene gab es aber auch größere beim Personal: Nach der Auszählung von 220 der 222 Wahlbezirke sah es in der Nacht nämlich so aus, als wäre der bisherige CDU-Fraktionschef Heinz-Günter Bargfrede nicht mehr im Kreistag. Der 74-Jährige zeigte sich aber nicht enttäuscht. Den Generationswechsel habe er ja mit eingeleitet: „Jetzt müssen Jüngere ran.“

+ Ergebnis Kreistag Rotenburg

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