CDU-Mann will in den Bundestag

Kandidat Carsten Büttinghaus: „Zu 100 Prozent auf Sieg gepolt“

Carsten Büttinghaus genießt die Ruhe beim Spaziergang mit seinen beiden Rauhaardackeln.
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Carsten Büttinghaus genießt die Ruhe beim Spaziergang mit seinen beiden Rauhaardackeln.

Carsten Büttinghaus ist 2013 mit dem Ziel in die CDU eingetreten, für den Bundestag zu kandidieren. 2017 ließ er noch Kathrin Rösel den Vortritt: Nun möchte er per Direktmandat ins Parlament in Berlin einziehen.

Bispingen – „Zur Vorbereitung auf den Wahlkampf habe ich mir alle Staffeln der Serie House of Cards angeguckt“, sagt Carsten Büttinghaus (CDU) und lacht. Der 38-Jährige tritt im Wahlkreis 35 Rotenburg I und den Heidekreis für den Bundestag an – und er will das Direktmandat Lars Klingbeil (SPD) zurückgewinnen.

Beim Spaziergang am frühen Morgen um sechs Uhr den Wilseder Berg hinauf, auf dem ihn seine beiden Rauhaardackel begleiten, zeigt sich Büttinghaus selbstbewusst und siegessicher – dabei ist es eigentlich nicht seine Zeit: „Ich mag den Sonnenuntergang lieber als den Aufgang – ich bin eher eine Eule als eine Lerche.“

Mit seinem Wahlkampf ist er zufrieden: „In den vergangenen Monaten habe ich mehr als 400 Termine im Wahlkreis besucht. Für mein hauptberufliches Mandat gebe ich 100 Prozent“, so Büttinghaus, der auf einem Forsthof in Südthüringen aufgewachsen ist. „Ich bin mit Wald, Forst und Land groß geworden – nun lebe ich mit meiner Frau und meiner siebenjährigen Tochter im Herzen des Naturschutzgebiets Lüneburger Heide.“ Wer seine Internetseite www.carsten-buettinghaus.de oder die Facebook-Seite des Kandidaten besucht, findet dort viele Bilder aus dem Wahlkampf – jedoch keines seiner Familie, obwohl Büttinghaus weiß, dass dies eine verpasste Chance ist: „Das wäre natürlich ein schönes Bild – der Vater als Hüter der Familie. Und tatsächlich liebe ich die beiden über alles, meine Tochter ist so etwas wie meine beste Freundin – und genau deshalb halte ich sie ganz strikt aus der Öffentlichkeit. Auf diese Stimmen verzichte ich gerne.“ Politik sei eben viel mehr, als nur in die Kamera zu grinsen: „Es müssen Dinge entschieden werden, die nicht schön sind und nicht überall gut ankommen.“

Büttinghaus ist Politik-Quereinsteiger und erst 2013 der CDU beigetreten – schon damals mit dem ambitionierten Ziel, für den Bundestag zu kandidieren. „Ich setze mir immer große Ziele. Ich mache mir lieber Gedanken über die große strategische Ausrichtung als über die Höhe eines Bordsteins.“

Schon vor vier Jahren fühlte er sich bereit für die Kandidatur – ließ nach Gesprächen aber 2017 Katrin Rösel innerhalb der Partei den Vortritt. Diese sollte Nachfolgerin von Reinhard Grindel werden, scheiterte aber an Klingbeil. Büttinghaus fühlt sich an das Wolfratshauser Frühstück im Januar 2002 erinnert: Damals überließ Angela Merkel (CDU) dem CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber die Kanzlerkandidatur – und siegte selbst eine Wahlperiode später, nachdem Stoiber dem Amtsinhaber Gerhard Schröder (SPD) unterlag.

Büttinghaus, der sich auf dem Weg zur Kandidatur zuvor gegen Marsha Weseloh aus Scheeßel behaupten musste, hofft nun auf einen ähnlichen Verlauf wie bei Merkel und sagt: „Ich habe offenbar das Potenzial, die Leute mitzunehmen. Das möchte ich nutzen.“

Nachdem Büttinghaus ein Studium für anthropologische Geografie in Jena begonnen hatte („meine zweite Wahl“), bekam er doch noch die erhoffte Zusage bei der Polizei („Mein Traumjob“), wo er seit 18 Jahren beschäftigt ist und sich von Beginn an in der Gewerkschaft engagiert hat. Doch das reichte ihm bald nicht mehr: „In den vergangenen Jahren wuchs in mit der der Wunsch, selbst zu gestalten“, betont Büttinghaus.

Dass er vier Jahre auf seine Chance warten musste, sieht er heute als Vorteil: „Ich bin noch fokussierter als damals. Ich bin zwar ein Fairplayer, aber wer mich kennt, der weiß auch, dass ich mich an einem Ziel festbeißen kann.“

Bis zur Deutschen Einheit 1990 wuchs Büttinghaus in der DDR auf: „Damals habe ich zum ersten Mal bewusst wahrgenommen, dass die diese zwei Welten gibt – heute bin ich dankbar über diese Erfahrung“, betont Büttinghaus, den die Frage umtreibt, ob er in 20 Jahren genauso als Zeitzeuge gefragt sein wird wie heute die Überlebendenden des Zweiten Weltkriegs.

Erst seit acht Jahren gehört Büttinghaus der CDU an, die Leidenschaft für die Politik hat er aber schon lange vorher gespürt: „Ich war bis zu meinem Eintritt 2013 überparteilich und lege heute großen Wert darauf, kein Parteisoldat zu sein. Ich bin nicht verhaftet in einem bestimmten Denkmuster.“ Die Entscheidung pro CDU sei ihm damals aber leicht gefallen: „Die Partei hat in meinen Augen das größte Spektrum sachlich pragmatischer Politik.“ Er habe Verständnis für zahlreiche grüne Ideen, hege Sympathie für den ein oder anderen Plan von SPD und FDP, jedoch: „Es gibt im grünen, roten und blauen Lager eine aufgeheizte ideologische Stimmung bis in die Mitte hinein. Dafür bin ich nicht zu haben.“ Als Polizist habe er selbst schon häufiger im Stein- und Flaschenhagel gestanden. Er halte deshalb nichts davon, politische Ideen mit Gewalt umzusetzen. „Ich ziehe eine scharfe Trennlinie nach links und rechts. Meine Leitplanke ist die bürgerliche Mitte.“

Büttinghaus bezeichnet sich selbst als „Kohlkind“. „Ich bin ihm dankbar. Es gibt für mich keinen Ossi und keinen Wessi, keinen Nordi und keinen Südi – es gibt für mich nur ein Land.“ An Angela Merkel schätze er die „sachlich, pragmatische, analytische Ruhe“. An der einen oder anderen Stelle hätte er zwar anders gehandelt – „aber insgesamt ist es eine gute Bilanz“. Kritik äußert Carsten Büttinghaus an der Corona-Politik, die er in einigen Punkten nicht verstanden habe: „Das Schließen der Schulen fand ich für völlig überzogen. Die nächtliche Ausgangssperre in einem Dorf mit 120 Einwohnern kann man niemanden vermitteln. Als Polizist bin ich mit viel Fingerspitzengefühl daran gegangen.“

Nun ziehe es ihn vom Land in die Stadt, von der Idylle der Lüneburger Heide nach Berlin. „Mein Ziel ist es, meine wunderschöne Heimat dort zu vertreten. Wir leben hier in einer politisch sehr interessanten Region zwischen den umliegenden Großstädten – der ländliche Raum wird in Zukunft eine große Bedeutung einnehmen“, ist Büttinghaus überzeugt. Einen Teil seiner Zeit mit der Familie dafür aufzugeben, sei für ihn der größte Preis: „Das macht mich traurig – aber ich gehe diesen Schritt ja auch für sie.“

Denn er habe das Gefühl, dass den Bürgern ein Stück ihres Sicherheitsgefühls verloren gegangen ist. „Selbst auf dem Land dreht man sich häufiger um, wenn man nachts unterwegs ist. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass wir auch morgen noch in einem sicheren Land leben können.“

Er interessiert sich für verschiedene Bundestags-Ausschüsse: „Die Themen Recht, Landwirtschaft, Bildung und Forschung, dazu Wirtschaft liegen mir – dagegen bin ich kein klassicher Gesundheitspolitiker, aber ich muss ja auch nicht alles können.“

Besonders der Ausschuss für Inneres und Heimat reize ihn: „Dort kann ich meine berufliche Erfahrung als Polizist voll einbringen. Ich habe das gesamte Portfolio der Gesellschaft kennengelernt und einen Blick hinter die Kulissen geworfen – oft erscheint es mir wie ein Theater. Probleme wie häusliche Gewalt gibt es in allen Schichten.“

Für den Wahlkampf hat er sich freistellen lassen. „Ich will gestalten, kreativ und strategisch. Dafür eignet sich der Job als Polizist nicht – selbst der Polizeipräsident muss sich an die Vorgaben des Ministeriums halten.“

Die Politik in Berlin habe unmittelbare Auswirkungen auch auf den Wahlkreis, den er vertreten will: „Viele große Infrastrukturprojekte und Themen betreffen die Region: beispielsweise Alpha-E, und die Suche nach einem Atommüllendlager.“ Dazu Entscheidungen im „Klima- und Umweltschutz“: „Wir brauchen für das große Ganze den ländlichen Raum.“ Man dürfe von den Landwirten nicht abverlangen, dass sie Blühflächen anlegen, anstatt Mais zu pflanzen, wenn sie sich damit in die Insolvenz hinein wirtschaften. „Das ist eine Dienstleitung zum Wohle der Umwelt und der Gesellschaft, das müssen wir ihnen auch bezahlen.“

Büttinghaus hat die Migration als vorrangiges Thema in seinem Wahlprogramm aufgenommen – und möchte auch dort seine Erfahrungen als Polizist einfließen lassen. „Es gibt Dinge, die nicht funktionieren – die Abschiebezahlen sind sehr gering. Es gibt mehr als 200 000 Menschen, die hier kein Aufenthaltsrecht haben und ausreisepflichtig sind. Sie müssen zum Teil in Containern leben – das schürt Unzufriedenheit, der ein oder andere driftet deshalb in kriminelle Strukturen ab.“ Dies gehe dann zu Lasten derer, die wirklich Hilfe brauchen. Büttinghaus nimmt sich vor, diese Probleme in Berlin anzusprechen: „Die Welt ist nicht kunterbunt und rosarot. Wir können uns nicht alle im Arm liegen. Das Leben ist knallhart.“ Er sei im Dienst jeden Tag mit den Problemen konfrontiert worden. „Es gibt Asylsuchende mit vielen Alias, da frage ich mich: Bekommen wir mit dem Fast-ID-Verfahren nicht besser hin? Deutschland ist ein Zielland – und das leider auch für islamistische Gefährder. Vor diesem Thema scheuen sich aber viele Politiker. Nur weil man keinen Applaus von der falschen Seite bekommen will, darf man sich nicht vor Problem wegducken.“ Der Rechtsstaat sei in seinen Augen zu weich: „Und wenn wir nicht aufpassen, dann lassen wir es mit einer falschen romantischen Vorstellung zu, dass radikale Kräfte in diesem Land groß werden.“

Büttinghaus beschreibt sich als verlässlich, loyal und stets an der Seite der Menschen, die hier leben. „Ich will kein Politiker werden, der das Licht Berlins im Wahlkreis verkündet und durch den Wahlkreis schwebt. Der Bundestag ist die Herzkammer der Demokratie – ich will Teil davon sein.“ Und dafür habe er zum Teil 36 Stunden am Stück gearbeitet. Zwischen 60 000 und 100 000 Euro koste sein Wahlkampf. „Einen guten Teil davon muss ich selbst leisten. Als Polizist fiel es mir zu Beginn sehr schwer, Spender zu werben.“

Er sei zu „100 Prozent auf Sieg gepolt“, betont Carsten Büttinghaus, und wünscht sich Unterstützung ausgerechnet von seinem Konkurrenten Lars Klingbeil: „Er ist über seinen guten Listenplatz abgesichert. Wenn ich gewinne, wäre das höchstens ein kleiner Knacks in seinem Ego. Wenn er das Beste für den Wahlkreis will, müsste er also Werbung für Büttinghaus machen. Dann könnten wir Schulter an Schulter für den Wahlkreis kämpfen – jeder in seinem Netzwerk.“

Auch wenn es im Bundestag sicher die ein oder andere Intrige gebe, „House of Cards“ habe mit der Realität zum Glück wenig gemein, weiß Büttinghaus: „Mir gefällt der freundliche Umgang in der Serie ,Downton Abbey‘ ohnehin viel besser.“

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