Große Hilfsbereitschaft

Der Kampf gegen die Flammen in Waffensen

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Ein Feuerwehrmann auf einem Zwischendach des Hauses, das am Samstag in Brand geraten ist. Die Rauchentwicklung ist extrem. Viele Helfer mussten mit Atemschutz an und ins Haus. Ein E insatz, der mehr als sechs Stunden dauerte. 

Waffensen - Von Guido Menker. Der Morgen danach offenbart das ganze Ausmaß: Das schmucke, große Einfamilienhaus steht in Schutt und Asche. „Dann sieht man erst die Dimension dieses Einsatzes“, sagt Thorsten Reinsch, der Rotenburger Stadtbrandmeister. Der Einsatz am Samstagabend an der Straße Auf den Spitzen in Waffensen hat auch ihm zugesetzt. Stundenlang hatten mehr als 120 Feuerwehrleute alles versucht, um den Brand zu löschen – doch erst mit dem Einsatz eines großen Baggers ist es ihnen nach mehr als vier Stunden gelungen, den Flammen Herr zu werden.

„Uns war irgendwann einfach klar, dass wir mit händischem Werkzeug das Feuer nicht in den Griff kriegen“, sagt der Stadtbrandmeister. Um die Blechfassaden am Obergeschoss beseitigen zu können, hinter denen der Brand saß, hätte ein Akkuschrauber nicht mehr gereicht. Die Bleche waren viel zu heiß. Schweres Gerät musste her. 

Ein Bagger half, den oberen Gebäudeteil zu öffnen und Stück für Stück abzutragen. Jetzt kamen die Feuerwehrkräfte an die Brandherde heran – auch, weil zwei Drehleitern und ein Gelenkmast ausgerückt waren. „Das ist die schwerste Entscheidung überhaupt. Eigentlich geht es darum, Werte zu erhalten. Aber wir standen auf verlorenem Posten“, fügt Reinsch hinzu. Die Polizei vermutet, dass ein technischer Defekt das Feuer ausgelöst hat. Für Klarheit soll ein Gutachter sorgen, der am Dienstag das ausgebrannte Haus unter die Lupe nimmt.

Erst als ein Bagger zur Hilfe kommt, gelingt es, die Flammen in den Griff zu bekommen. Das Obergeschoss des Hauses ist zerstört. Am Dienstag nimmt ein Gutachter den Brandort unter die Lupe.

Als gegen 19 Uhr der Alarm ausgelöst wird, sitzen viele Feuerwehrleute zu Hause. Sie grillen, weil das Wetter dazu einlädt, oder sie gucken die Sportschau mit den Berichten vom letzten Spieltag in der Fußball-Bundesliga. Ein Samstagabend, der später die Übertragung des ESC aus Lissabon bereithält. Doch von einer Sekunde auf die andere ist es mit der frühsommerlichen Idylle vorbei. „Einige Kameraden waren mehrfach mit Atemschutz im oder am Gebäude – sie haben körperliche Höchstleistungen vollbracht“, schildert Thorsten Reinsch, was sich da in Waffensen abgespielt hat. Anstrengend sei der Einsatz aber für alle gewesen. 

Es geht um Konzentration, um klare Abläufe. Beobachter am Rande des Einsatzortes fühlen sich an einen Ameisenhaufen erinnert, Reinsch spricht von der „dynamischen Chaosphase“. Zunächst gehe es darum, sich ein Bild zu verschaffen, Einsatzabschnitte zu bilden und die Kommunikation so professionell wie möglich zu gestalten. Reinsch zieht Bilanz: „Wir haben keine groben Fehler gemacht, alle haben Hand in Hand gearbeitet, die Hierarchien haben funktioniert, das Vorgehen war sehr gut strukturiert“, sagt er.

120 Hamburger und jede Menge Getränke

Gegen 21 Uhr klingelt am Samstagabend auch beim Rotenburger Ordnungsamtsleiter Frank Rütter das Telefon. Sinngemäßer Inhalt des Gespräches: Die Feuerwehrleute haben Hunger! Rütter steuert ein Schnellrestaurant in Rotenburg an, ordert 120 Hamburger. „Das ging wirklich schnell – nach 20 Minuten war alles fertig“, so Rütter. Die anderen Kunden im Lokal übten sich in Geduld und Ruhe. 

Ganz so, wie auch die Menschen vor Ort in Waffensen. Da waren die Nachbarn, die einen Geburtstag feierten, noch Getränke übrig hatten und diese zur Verfügung stellten, da war Eichenhof-Wirt Christian Müller, der noch in der Nacht Frikadellen und Würstchen brachte, damit sich die Einsatzkräfte stärken konnten. Wasser, Cola und Limonaden kamen kistenweise an. Thorsten Reinsch lobt die große Hilfsbereitschaft und zugleich die Arbeit der vielen Kollegen unter der Regie von Einsatzleiter Martin Volkmann.

Auch Hartmut Leefers kann am Samstag nur zuschauen.

Während die Freiwilligen am frühen Samstagabend noch glauben, den Brand mit herkömmlichen Mitteln in den Griff zu bekommen, sitzt Ortsbürgermeister Hartmut Leefers vor dem Haus gegenüber auf einer Grenzmauer und beobachtet das Geschehen: „Mehr kann man ja auch nicht machen“, sagt er. „Aber das sieht für mich alles schon sehr besonnen aus.“ Leefers spricht von „höchster Professionalität“, mit der die Feuerwehr vorgegangen sei. 

Gesehen hat er aber auch „völlig erschöpfte junge Männer“, die um Leib und Leben gekämpft hätten. „Es muss deprimierend sein, das Feuer einfach nicht löschen zu können“, schildert Leefers die zwischenzeitliche Verzweiflung einiger Feuerwehrleute, die er auch am Sonntag noch feststellt, als er den Waffensener Feuerwehrleuten einen Besuch abstattet. „Ich wollte ihnen einfach für ihren Einsatz danken und ihnen sagen, dass sie Außerordentliches geleistet haben.“ Und er habe den jungen Brandbekämpfern auch gesagt, dass sie keineswegs deprimiert sein müssen, wenn sie das Feuer eben nicht mit ihren Möglichkeiten allein besiegt haben. Vielmehr betont er, dass sie beherzt und eben professionell zu Werke gegangen sind.

Die Flammen schlagen aus dem Dach heraus. Bleche verhindern, sie zu löschen. Auf herkömmlichem Weg ist da kein Durchkommen.

Die betroffene Familie zieht sich zurzeit zurück, muss den Schock, ihr Zuhause erst einmal verloren zu haben, verarbeiten. Das Ehepaar und der Säugling sind bei Verwandten untergekommen. Die Nachbarn, die stark vom Rauch betroffen waren, werden schon früher wieder in ihr Haus zurückkehren können. Thorsten Reinsch: „Natürlich macht auch uns das Schicksal der Menschen betroffen.“ So sehr, dass er nach sieben Stunden im Einsatz noch zwei Stunden brauchte, um überhaupt schlafen zu können. Immerhin, sagt er, ist niemand verletzt worden.

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