Kabarettist Hubert Burghardt zu Gast im Kantor-Helmke-Haus

Spät steigendes Niveau

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Paraderolle „Gandolf“: Hubert Burghardt.

Rotenburg - Von Bettina Diercks. Weshalb nur gleichen sich manche Darbietungen von Kabarettisten und Comedians? Diese Frage stellten sich einige Fans dieser Kleinkunstform am Sonnabend im Kantor-Helmke-Haus. Zu Gast war Hubert Burghardt mit seinem neuen Kabarettprogramm „Nachher will’s keiner gewesen sein!“

Der Start des Abends: Ein dickes Lob von Burghardt. „Nicht dass ich mich einschleimen will, damit sie mir Schwächen verzeihen“, sagte der Kabarettist. Er meine es ernst. „Sie haben Ihren müden Hintern tatsächlich aufgerafft und mit Kopf und dem restlichen Körper hierher bewegt. Vielleicht wollen sie niveauvoll unterhalten werden?!“, so Burghardt, der aber dann doch lieber erstmal mit Witzen das Niveau seines Publikums austarieren wollte. Ein Einstieg, der dem Rotenburger Publikum durchaus schon von Burghardts Vorgängern im Kantor-Helmke-Haus bekannt ist. Burghardt versprach „abfallendes Niveau“ in seiner Testphase. Nach einem Witz zum Mindestlohn gelang ihm das: „Was ist grün und blau und hat keine Lust auf Sex? Die Neue im Frauenhaus.“ Bittere Lacher aus dem Publikum.

Zeitweise war Burghardt bei seinen irrwitzigen und gesellschaftspolitisch gekräuselten Gedankengängen nur schwer zu folgen. Nicht des Inhalts wegen. Der Kabarettist legte oft einen Spurt bei seinen kreativen Wortspielen hin. Verwirrt hinterfragte er einige Begriffe, die doch irgendwie nur schwer zuzuordnen seien: „Ein Akademiker fragt sich bei Hypothalamus (Teil des Gehirns, Anm. d. Redaktion), wie er denn zur Mensa kommt.“ Bei Spekulatius würde er an Investmentbanker denken.

Während der erste Teil von Burghardts Programm recht wechselhaft vom Unterhaltungswert her war, wusste der Kabarettist nach der Pause als betrunkener Denker, als Kreuzfahrer im Stil „falsch angewandten Latein für Angeber“ und seinem Shakespeare-Prolog (Hamlet in drei Minuten) zu überzeugen. Irre komisch zeigte sich Burghardt auch mit dem eigenwilligen „Gandolf“ – Brille, roter Fahrradhelm, einzigartige Mimik und Körpersprache, die Hose bis zur Brust hochgezogen, ein Bein hochgekrempelt. Er stemmte sich gegen zu viel Toleranz: „Partnerfreie Grundschullehrerinnen mit esoterischem Hintergrund sind doch eine echte Herausforderung.“

Die sah Burghardt auch in weiteren Bereichen: „Die Rotary- und Lions-Tussen veranstalten ihre Charities doch nur, weil sie den Menschen helfen wollen, die von ihren Männer wegrationalisiert wurden.“ Supermärkte wie Rewe würden gegen Spendenquittung ihre Lebensmittel an „Die Tafel“ abgeben und jeder Bürger laufe achtlos am leeren Teller der Klofrau vorbei, obwohl er wisse, dass solche Leute auf Spendenbasis arbeiten würden. Sein Fazit: „Wenn man sich gegen die Mehrheit stellt, erntet man Argwohn, wenn man auch noch recht hat, Hass. Fragen Sie mal Lafontaine.“

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