Merwel Otto-Link lobt das große Engagement der Retter

Jungen retten Igel aus Rattenfalle

Wiedersehen von Igeldame Happy mit ihren Lebensrettern: Mutter Nicole Michael (l.) und Merwel Otto-Link sind stolz auf Marlin (v. l.), Cem und Miko.
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Wiedersehen von Igeldame Happy mit ihren Lebensrettern: Mutter Nicole Michael (l.) und Merwel Otto-Link sind stolz auf Marlin (v. l.), Cem und Miko.

Mit ihrem beherzten Einsatz bewahren Marlin Michael und Cem Tahtali aus Rotenburg einen verletzten Igel vor dem sicheren Tod. Das Tier ist in eine Rattenfalle geraten. Die beiden zwölfjährigen Jungen sprechen mehrere Passanten an, doch keiner will ihnen helfen. Merwel Otto-Link von der Igelpflege Rotenburg lobt das große Engagement der Lebensretter.

Rotenburg – „Dafür gibt es für mich nur ein Wort: Mega! Mit eurem Einsatz habt ihr dem Igelmädchen Happy das Leben gerettet, Jungs. Sie war dem sicheren Tod geweiht“, lobt Merwel Otto-Link von der Igelpflege Rotenburg, während sie den Brüdern Miko (10 Jahre) und Marlin Michael (12) sowie Kumpel Cem Tahtali (12) aus Rotenburg Wissenswertes über Igel und über die Arbeit des Vereins erzählt.

Miko und Cem waren auf dem Rückweg einer Fahrradtour und sprachen gerade über eine tote Maus, die auf dem Fahrradweg lag, als sie bemerkten, dass sich etwas unter einem Zaun an der Soltauer Straße regte. Sie blieben stehen und entdeckten nach kurzer Suche einen Igel, der verzweifelt versuchte, eine XXL-Ratten-Schnappfalle abzustreifen, die ihn im Bereich des Nackens erwischt hatte. „Er quälte sich damit herum. Die Falle war genauso groß wie der Igel. Wir wussten sofort, dass das arme Tier unsere Hilfe braucht“, erinnert sich Miko.

Die beiden Freunde nahmen ihren ganzen Mut zusammen, klingelten an verschiedenen Haustüren und sprachen dann, weil ihnen niemand helfen wollte, einen Fahrradfahrer an. Doch statt der erhofften Unterstützung bekamen die beiden Jungen eine rüde Abfuhr. „Dem Igel kann man nicht helfen, der stirbt sowieso“, sagte der Mann und radelte einfach weiter.

Damit wollten sich die beiden aber nicht abfinden. Sie riefen bei Mikos Mutter Nicole Michael an, die sich sofort mit dem Fahrrad auf den Weg machte. Bruder Marlin begleitete sie und packte geistesgegenwärtig Handschuhe ein, weil der Zehnjährige wusste, dass man wild lebende Igel nicht mit bloßen Händen anfassen sollte.

Er war sehr aktiv und versuchte alles, um sich aus der Situation zu befreien, aber ohne Erfolg.

Nicole Michael

Zu diesem Zeitpunkt war der Igel mitsamt Rattenfalle hinter dem Zaun verschwunden, wo ihn die Retter nicht erreichen konnten. „Er war sehr aktiv und versuchte alles, um sich aus der Situation zu befreien, aber ohne Erfolg. Zum Glück kam er dann wieder etwas näher, sodass wir ihn packen konnten“, erinnert sich Nicole Michael.

Die Rettungsaktion auf dem viel befahrenen Fahrradweg sorgte für Aufsehen – und für wenig Verständnis. „Die Vorbeifahrenden fühlten sich gestört. Wir hörten Sätze wie ,Gehen Sie da weg.‘ und ,Machen Sie doch Platz.‘“, erinnert sich Nicole Michael, die sich über das rücksichtslose Verhalten ärgert. „Wir sind ein tierliebes Haus und es ist mir wichtig, dass meine Kinder den verantwortungsvollen Umgang mit Lebewesen lernen.“ Sie meldete sich bei der Igelpflege Rotenburg und erreichte Merwel Otto-Link.

Der Zustand des Igels war ernst, aber er hatte Glück im Unglück, berichtet die Igel-Expertin: „Er muss die Gefahr im letzten Moment wahrgenommen haben und hatte offenbar noch versucht, sich einzurollen – deshalb hatte die Falle ,nur‘ in eine Hautwulst geschnappt. Sonst hätte sie ihn im Gesicht erwischt oder im Nacken, was in den meisten Fällen zu einem Genickbruch führt.“

Genauso groß wie Igelmädchen Happy ist die Rattenfalle, die das Tier tagelang mit sich herumgeschleppt hat.

Im Igelkrankenhaus an der Bremer Straße angekommen, startete sie mit der Behandlung. „Wir haben die Falle entfernt und die Fliegeneier abgesammelt. Diese sind für Igel eine große Gefahr, weil die Maden später in alle Körperöffnungen kriechen, auch in die Augen. Igelmädchen Happy bekam Schmerzmittel und Antibiotika. Zum Glück hat sie gefressen, wenn auch nur spärlich.“

Die Hoffnung, dass die erste Hilfe ausreichen würde, um das Leben des Igels zu retten, erfüllte sich nicht. „In Absprache mit unserer Tierärztin war schnell klar, dass das verletzte Tier operiert werden muss. Viel Gewebe war abgestorben und musste deshalb entfernt werden. Die Operation war am Montagabend, und die Überlebenschancen stehen gut“, so Otto-Link. Sie ärgert sich darüber, dass Fallen dieser Art frei verkäuflich sind: „Viele Menschen wissen nicht, dass sie nur von Sachkundigen aufgestellt werden dürfen. Damit soll sichergestellt werden, dass sie keine Gefahr für andere Tiere und Kinder darstellen. Außerdem müssen die Fallen regelmäßig kontrolliert werden, auch das war hier nicht der Fall. Der junge Igel wog 584 Gramm, die Falle mehr als 200 Gramm – damit ist er tagelang herumgeirrt und konnte vermutlich nicht fressen.“ Umso dankbarer ist sie für den Einsatz der Jungs, die nicht aufgegeben hatten, obwohl ihnen mehrere Erwachsene die Hilfe verweigerten. Miko, Marlin und Cem freuten sich beim Besuch der Igelpflege, Happy wiederzusehen. Sie soll ausgewildert werden, sobald sie wieder gesund ist.

Die Igelpflege Rotenburg ist unter der Telefonnummer 01522/2846488 erreichbar

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