Journalistin Elke Krüsmann appelliert im Wachtelhof dazu, Wünsche zu verwirklichen.

„Verfolgt Eure Träume!“

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Nicht beige: Elke Krüsmann im Wachtelhof.

Rotenburg - Von Bettina Diercks. In einer „kleinen, intimen“ Runde, wie es Hoteldirektor Heiko Kehrstephan nannte, lauschten am Donnerstagabend die Besucher im Rotenburger Landhaus Wachtelhof der Lesung „Endlich Lady!: Älter werden muss nicht beige sein“ mit Elke Krüsmann. Die Journalistin, früher bei der Bunten, schreibt heute für die Zeitschrift „Elle“.

Kehrstephan gestand, dass er vergebens nach so einem Buch für Männer suche. Und Krüsmann gab zu, dass es keine klassische Lesung wird. „Es ist eine Mischung aus Gespräch, Reflexion, Moderation und drei bis vier Lesestücken.“ Krüsmann plauderte aus ihrem Leben und ließ die Zuhörer teilhaben an ihren Beobachtungen und Schlüssen, die sie daraus zieht. „Mein Buch ist ein Reiseführer, der sich durch die Lebensabschnitte führen soll“, sagte Krüsmann, Jahrgang 1961. „Interessant ist, dass man das Altern selber gar nicht so mitkriegt“, so die 54-jährige Journalistin, die ein wenig schüchtern hinter Tisch und Blumenstrauß auf dem Podium im Auerhahn-Saal wirkte. Während man sich selbst für gut erhalten hält, komme auf einmal der Blick der anderen.

Krüsmanns Anekdote zu diesem Kapitel: „Vor ein paar Jahren besuchte uns die Nichte meines Mannes mit einigen ihrer Freundinnen. Wir haben eine Bücherwand aus Billy-Regalen. Eine der jungen Frauen blieb davor stehen und sagte: ,Ihr habt aber einer tolle Bibliothek. So eine will ich auch haben, wenn ich mal alt bin.' Jüngere sagen eben manchmal ziemlich unverblümt, wie sie einen sehen, meinen es aber nicht böse.“

Krüsman rät zu Humor und Selbstironie mit dem Älterwerden. „Mit Humor lässt sich Distanz herstellen zu dem, was einen kränken kann.“ Ein Bekannter von ihr prägte das Zitat: „Ich halte mich von Naturkost fern. Ich brauche alle Konservierungsstoffe, die es gibt.“ Krüsmann: „Mit dem Alter sind wir Experten unser selbst geworden. Wir wissen, was für Essen wir vertragen, welche Mode uns steht und welche Leuchte man gar nicht um sich haben will. Mode gewinnt mit 40 plus, 50 plus eine neue Bedeutung.“ Eindrucksvoll demonstrierte das eine reifere Frau unter den Zuhörern in einem tief pinken Kleid im A-Schnitt, knielang, dezent und doch auffällig geschminkt. „Ihr wollt elegant sein? Dann studiert Euch selbst, aber auch Eure Umgebung. Erst wenn man weiß, wie man ist, zieht man sich gut an. Wesentlich zu werden, dass ist das Geheimnis eines neuen Stils“, sagte Krüsmann.

Sie forderte auf, Träume, Wünsche, große oder kleine, zu verwirklichen. Egal, wie spinnert sie sind. „Auch, wenn sich das vielleicht als nicht so toll herausstellt, ich muss das jetzt machen“, sagte die Münchenerin, die ihre eigenen Wunscherfüllung erzählte.

Sie selbst habe sich, schon lange von diesem Traum geritten, eine kleine Wohnung in Berlin gekauft. Das Ersparte habe vor ein paar Jahren gerade dafür gereicht. „Mittlerweile sehe ich das differenzierter, vielleicht ist das doch ein Groschengrab“, sagte Krüsmann. „Ich war nicht aufzuhalten. Jetzt habe ich manchmal Angst, dass mich die Wohnung in die Insolvenz treibt.“ Dennoch hält sie es für unklug, unerledigte Träume ewig mit sich herum zu schleppen. Gerade vor dem Hintergrund, wenn im persönlichen Umfeld der eine oder andere Freund an Krebs gestorben ist. , forderte Krüsmann eindringlich.

„Es pocht eine Sehnsucht an die Welt, an der wir sterben müssen“, zitierte die Autorin die Zeile aus dem Gedicht „Weltende“ von Elisabeth Lasker-Schüler. Krüsmann hat sich viel und begeistert mit expressionistischer Literatur beschäftigt, wirkt beeindruckend vielfältig belesen und gebildet. Sie macht humorvoll Mut, sich als „Middle Ager“ nicht zu verstecken und des Lebens nicht müde zu werden, sondern sich immer weiter in Abenteuer zu stürzen – in Form von unerledigten Träumen und Wünschen.

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