Komponist und Klarinettist in der Stadtkirche

Jörg Widmann stellt Eigenes, Schumann und Weber vor

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Zu Höchstleistungen spornte Klarinettist Jörg Widmann (Mitte) mit perligen Läufen und flottem Tempo die Streicher der Jungen Deutschen Philharmonie an.

Rotenburg - Jörg Widmann ist ein Glücksfall – nicht nur für die Niedersächsische Sparkassenstiftung, die den Künstler für einige Konzerte im Rahmen der 31. Niedersächsischen Musiktage gewinnen konnte, sondern auch für Rotenburg. Mehr als 200 Zuhörer durften den Komponisten, Klarinettisten und Charismatiker am Montag im Rahmen eines außergewöhnlichen Konzerts gemeinsam mit Musikern der Jungen Deutschen Philharmonie in der Stadtkirche erleben.

Unter dem umspannenden Motto „Freiräume“ auf dem Programm: eine spannende Mischung aus eigenen Werken, Schumann und Weber – letzterer, weil er laut Widmann „bis heute sträflich unterschätzt“ sei. Das Quintett für Klarinette und Streichquartett bot am Ende dann auch die lang erwartete Gelegenheit, den Meister selbst an der Klarinette zu erleben. Schwelgerisch in der Fantasia, überzeugte der international renommierte Solist mit schönen Phrasierungen, einer Intonation zum Niederknien und gezielt und mit viel Gespür gesetzten Ritardandi. Nicht immer konnten die jungen Musiker ihm, gerade im Menuetto Capriccio Presto, beim anschließenden atemberaubenden A Tempo folgen – erstaunlich war aber schon, wie sehr der Inhaber einer Professur die jungen Talente, laut Intendantin Katrin Zagrosek die „Elite von morgen“ in einer Probenwoche mit Residenz im abgeschiedenen Groß Meckelsen in Ausdruck, Intonation und Unisono-Spiel zusammengeschweißt hatte.

Dem Blasinstrument verschiedenste Facetten abgerungen

Das kam ihnen besonders bei Widmanns Oktett für Klarinette, Horn, Fagott und Streicher zupass – hatte sich der Komponist bei einem seiner tonalsten Stücke doch den Traum eines einstimmigen Stücks erfüllt. Die Hommage an Schuberts Oktett – dem Referenzstück der „heiligen Besetzung“ schlechthin. Der Luxus fachkundiger Erklärungen des Komponisten selbst machte es dem Publikum einfach, sich auf das zeitgenössische Werk jenseits klassischer Klanggewohnheiten einzulassen. Das Horn, als Blechblasinstrument „ein Wegebener für symphonischen Klang“, verlieh dem Kernsatz, dem „Lied ohne Worte“, tatsächlich den angekündigten orchestralen Klang und schlug mit romantischen Fragmenten eine Brücke zu Meister Schubert.

Überhaupt, das Horn: Bereits im Eingangsstück, der „Air“ von Widmann, hatte Ivo Dudler seinem Instrument solistisch von der Empore aus eine schier unglaubliche Klangvarianz entlockt. „Wie macht der das bloß?“, fragten sich nicht nur Musiklehrerin Ute Henning und Ehemann Stefan angesichts der ausgefeilten Stopftechnik, die dem Blasinstrument in rasanter Abfolge immer wieder neue Facetten abrang. Das hätte so mancher auch gern gesehen. Das programmatische Ausloten von Klangräumen gelang, wie auch bei fabelhaften fünf aus 24 Duos für Violine und Cello. Intendantin Zagrosek, die dem „Location“-Tipp der örtlichen Sparkassenstiftung gefolgt war, zeigte sich zufrieden, auch über die überaus aufmerksame Rezipienz der modernen Stücke.

Abschluss mit James Bond

Nur Schumanns wahrlich märchenhaft interpretierten Märchenbilder für Viola und Klavier hätte ein anderer akustischer Rahmen gut getan; das konnten die Schüler des Zevener St.Viti-Gymnasiums bestätigen, die vorab bei einem Schulbesuch der Musiker in den Genuss von Schumanns Kabinettstückchen gekommen waren. Ein Schmankerl zu guter Letzt: Wer hätte gedacht, dass sich hinter Widmanns „Toccata“ eine erfrischende Interpretation des James-Bond-Themas verbarg?

Am Ende brachte Hobby-Klarinettistin Antje Meiborg-Bessim Saleh den frenetischen Applaus auf den Punkt: „Da passte alles!“

hey

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