Im Fokus steht der Grindel-Brief vom Mai an Weber

Kunstrasenplatz-Diskussion: Jetzt soll der Stadtrat reagieren

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Reinhard Grindel

Rotenburg - Von Guido Menker. Ist DFB-Präsident Reinhard Grindel in seinem Brief, den er Mitte Mai an Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) geschickt hatte, zu weit gegangen?

Aus Sicht der Grünen im Stadtrat ist das der Fall. Sie sprechen von einer Verunglimpfung des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine (ARS), Rolf Ludwig, und wollen dies in Form einer Ratsresolution so auch nach außen tragen. Hintergrund ist die Diskussion in der Kreisstadt über den Bau eines Kunstrasenplatzes auf dem Sportgelände in der Ahe.

Der nach wie vor in Rotenburg wohnhafte DFB-Präsident hatte in seinem Brief an Weber Stellung bezogen und seine „Verwunderung“ über eine Sitzung der ARS wenige Tage zuvor zum Ausdruck gebracht. „Insofern finde ich es mehr als grenzwertig, dass Herr Ludwig als TuS-Vorsitzender und ARS-Chef seit Jahren zwar eine mehr als üppige Ausstattung der Stadt Rotenburg mit Sporthallen betreibt, aber dem Fußball einen Kunstrasenplatz verweigert“, hatte Grindel geschrieben. 

Es dränge sich der Eindruck auf, dass er mit der Verweigerung der Modernisierung der Sportanlagen im Fußball verhindern will, dass viele Kinder sich dieser Sportart anschließen, so Grindel. Zudem frage er sich ohnehin, ob die Stadt aus Compliance-Gründen weiterhin dulden kann, dass der ARS-Vorsitzende gleichzeitig der Vorsitzende des größten Sportvereins ist. Grindel: „Angesichts der beachtlichen Summen, die die ARS verteilt, würde man sich wohl eine eher unabhängige Person in dieser Funktion wünschen.“

Grüne reagieren

Genau diese Aussagen wollen die Grünen so nicht stehen lassen – obwohl Bürgermeister Weber bereits vor etlichen deutlich darauf reagiert und dem DFB-Präsidenten geantwortet hat. Grindel, so die Grünen, habe sich „unter Verletzung der Überparteilichkeit offiziell als DFB-Präsident in einem Brief für den Bau eines Kunstrasenplatzes gegenüber dem Bürgermeister der Stadt Rotenburg eingesetzt“. 

Zudem weisen die Grünen in ihrem Vorschlag für eine Resolution darauf hin, dass nicht Rolf Ludwig die „üppige“ Ausstattung der Stadt mit Schulsporthallen betrieben hat, sondern dies das Resultat eines verantwortungsbewussten, innerhalb des Stadtrates demokratisch und unabhängig herbeigeführten Entscheidungsprozesses gewesen ist. 

Zudem arbeite die Stadt seit Jahrzehnten erfolgreich und einvernehmlich mit der ARS als unabhängige Einrichtung der Sportvereine bei der Verteilung von Sportfördermitteln zusammen. Grünen-Sprecherin Elisabeth Dembowski: „Herr Grindels Brief klingt so, als wolle er sagen, er nehme das mal in die Hand.“ Die Grünen wollten nun dafür sorgen, dass das Thema wieder dort hinkommt, wo es hingehört: in den Stadtrat. Grindels Aussagen seien nicht gerechtfertigt.

Verdienste Ludwigs stehen außer Frage

Rolf Ludwig

Die Arbeitsgruppe von CDU und Freien Wählern im Stadtrat sieht das etwas anders: „Artikel 5 Grundgesetz verbürgt jedermann das Recht, seine Meinung frei zu äußern. Es ist nicht Aufgabe des Stadtrates, über Meinungsäußerungen zu richten. Der Antrag der Grünen wird zu überflüssigen Diskussionen führen und den Rat von seinen eigentlichen Aufgaben abhalten“, teilt deren Vorsitzender Klaus Rinck (CDU) mit. 

Der verdienstvolle, jahrzehntelange Einsatz von Rolf Ludwig als Vorsitzender der ARS stehe außer Frage. Es verwundere, dass die Grünen meinen, sich auf diese Weise gleichsam zu seinem „Schutzpatron“ aufschwingen zu müssen. In der Diskussion um einen Kunstrasenplatz sollte sich der Rat auf den Austausch von Sachargumenten konzentrieren, um die Sache voranzubringen.

Andreas Weber will sich inhaltlich nicht weiter äußern, verweist vielmehr auf sein Antwortschreiben an Grindel. Ansonsten erinnert er an den üblichen Gang eines Antrages: Der wird in der Ratssitzung Ende August in den zuständigen Fachausschuss verwiesen. Sein Vorschlag: der Verwaltungsausschuss. Dieser tagt übrigens hinter verschlossenen Türen. Eine öffentliche Debatte würde dann also erst in der September-Sitzung des Rates folgen.

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