Theater „Rollentausch“ probt Tragikomödie „Top Dogs“ unter neuer Regie

Jetzt mal modern

Mit „Top Dogs“ gibt die neue Spielleiterin Gaby Reetz aus Zeven beim „Rollentausch“ ihr Regiedebüt.

Rotenburg – Samstagvormittag in der Rotenburger IGS an der Gerberstraße: Vier Männer und drei Frauen, alle im Business-Look, mit einheitlich roten Krawatten und Einstecktüchern, tagen. Bereits seit mehr als einer Stunde ergießen sich Worttiraden in den Raum, das ein oder andere Geständnis und auch einige Tränen – die Krisensitzung einer Vorstandsriege? Top Dogs, also Spitzenführungskräfte aus den Managementetagen sind alle hier, allerdings nur auf der Bühne.

Die „Top Dogs“ des Theaterensembles Rollentausch haben sich Urs Widmers gleichnamiges Stück vorgenommen. Noch müssen die Manuskripte herhalten, bei auswendigen Passagen geben die Hobbyschauspieler allerdings schon Gas: „Ich hab es so satt, würde einfach gern mal raus, was anderes machen…“ Es geht um ein Seminar für Aussortierte, um die Träume derer, die auf dem Arbeitsmarkt überflüssig geworden sind. Und das trifft beileibe nicht nur Arbeiter und Fußvolk unter den „Humanressourcen“, wie Jürgen Cassier als einer der Manager mit Fantasienamen wie „Herr Sommerkorn“ oder „Herr Bredorn“ im Jargon der menschenverachtenden Maschinerie skandiert, sondern eben auch die „ganz oben“.

Das Stück sei bei dem Ensemble schon seit einigen Jahren angedacht gewesen, verraten die Schauspieler in einer Probenpause. „ Wir hatten es schon häufiger auf dem Zettel, es aber immer wieder verworfen“, meint Cassier. Dieses Mal passte alles – nicht nur in puncto Anzahl der Akteure. Sondern auch, weil die Akteure nach dem Klassiker „Der zerbrochene Krug“ von Kleist etwas Modernes spielen wollten. Zunächst sei man skeptisch gewesen: zu textlastig, zu viel Sprechtheater? „Bei den Anspielproben haben wir gemerkt, wie viele tolle Monologe, Platz für Fantasie und Ausgestaltungmöglichkeiten es bietet“, meint Akteur Günther Köhnke begeistert. Sicherlich habe man sich auch die Frage gestellt, ob das was für das Rotenburger Publikum sei, „klar spielen diese Gedanken bei 1 000 Zuschauern wie beim ‚Eingebildeten Kranken‘ im Hintergrund auch eine Rolle“, so Cassier, eine Schere im Kopf bedeute dies jedoch nicht. „Das A und O ist, dass wir uns mit dem Stück identifizieren können.“

„Die Globalisierung frisst ihre Kinder“ – dieses Zitat des Schweizer Autoren Widmer hat es auch Gaby Reetz angetan. Es ist die erste Regiearbeit der Theaterpädagogin für „Rollentausch“ – eine glückliche Fügung, nachdem der langjährige Spielleiter Heribert Eiden gesundheitsbedingt ausgeschieden war und die ehemalige Lehrerin am Zevener St. Viti-Gymnasium nach ihrer Pensionierung im Sommer frei für neue Herausforderungen war. „Ein ganz anderes Arbeiten als mit Kindern und Jugendlichen ist das“, meint sie. Aber augenscheinlich eines, das ihr Spaß macht. Auch die Wahl des Stückes kommt ihr zupass; ihr Anliegen ist es nämlich nicht, die Stücke möglichst textgetreu umzusetzen, sondern sie gestalterisch auszuformen und mit Leben zu füllen, gern auch mit modernen stilistischen Mitteln wie etwa dem chorischen Sprechen. Dabei ist die Zevenerin nicht nur offen für Vorschläge der Akteure, sondern fordert diese geradezu ein und lässt das Ensemble demokratisch Umsetzungsformen finden.

„Sollen sich die Gorillas bewegen oder in den Freeze gehen?“, ist die Frage der Stunde. Auch wenn die Gorillamasken erst bestellt und in der Post sind, werden beide Varianten durchgespielt. Dabei spart die neue Regisseurin nicht mit Lob: „Schön, wie du die Arme hängen lässt, richtig wie ein Affe!“

Die Schlüsselszene mit den fiktiven Gorillas verspricht Lacher. Ob sich das bei einem Stück mit so ernstem Hintergrund nicht verbietet? „Top Dogs ist als Tragikomödie angelegt, als Satire mit komischen Elementen“, erklärt Bettina Renken, „dann lässt sich die Tragik besser aushalten.“

Seit September probt „Rollentausch“ konkret am Stück, Premiere ist am 13. März kommenden Jahres. Der Vorverkauf startet Anfang Dezember.  hey

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