Mit frischem Wind in die Zukunft

Jens Bartsch will Ortsbürgermeister von Mulmshorn werden

Direkt am Haus der Zukunft, vor dem Backhaus, mitten im Ort: Da fühlt sich Jens Bartsch, designierter Bürgermeister von Mulmshorn, wohl.
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Direkt am Haus der Zukunft, vor dem Backhaus, mitten im Ort: Da fühlt sich Jens Bartsch, designierter Bürgermeister von Mulmshorn, wohl.

Sein Vater war 25 Jahre lang Bürgermeister von Mulmshorn, nun wird Jens Bartsch aller Voraussicht nach in seine Fußstapfen treten. Doch versteht er dieses Amt nicht als One-Man-Show. Lieber spricht er über den Ortsrat als Ganzes, und der hat viele neue Gesichter.

Mulmshorn – 170 Stimmen gab es bei der Kommunalwahl für den Mulmshorner Jens Bartsch – ein großes Lob für seinen politischen Einsatz in den vergangenen Jahren. Damit wird er sehr wahrscheinlich am 11. November zum neuen Ortsbürgermeister gewählt. Doch er selbst möchte gar nicht so sehr im Mittelpunkt stehen, und er kommt schon zu Beginn des Gesprächs auf den künftigen Ortsrat im Ganzen zu sprechen:

Fünf neue Gesichter sind unter den neun Mitgliedern, darunter auch Zugezogene und vor allem junge Leute. Das wird frischen Wind bringen. „Das ist eine gute Mischung. Und es gibt viele Punkte, an denen auch mal was verändert werden muss. Neue Ideen sind immer gut“, meint Bartsch.

Er ist selbst erst seit fünf Jahren im Ortsrat, „eigentlich bin ich noch Neuling“, sagt er und lächelt. Im Dorf selbst engagiert sich der gebürtige Mulmshorner aber schon wesentlich länger. Er ist in vielen Vereinen aktiv, Vorsitzender vom Sportverein, trainiert die Kindertanzgruppe „Popkörner“ mit Laura Meyer. Vor fünf Jahren hat er sich dann entschlossen, auch politisch aktiv zu werden – und wurde direkt zum Stellvertreter von Ortsbürgermeisterin Mattina Berg. Für Berg war klar, dass es ihre letzte Amtszeit ist. „Ich hatte schon vor der Wahl gesagt, dass ich das gerne machen möchte“, so Bartsch – und damit gab es den schleichenden Übergang.

Es sei einfacher, wenn man schon Vorstandsarbeit gemacht hat und sich dafür interessiert, diesen Schritt zu gehen. Dass die Partnerin, wie im Fall von Bartsch, oder auch die Familie mitziehen müssen, weiß er aus eigener Erfahrung: Sein Vater Bruno war allein 25 Jahre lang Ortsbürgermeister. „Damals war das aber noch ein bisschen abschreckend“, gibt Bartsch zu. „Er war auch im Stadtrat und dadurch viel unterwegs, er war sehr engagiert, überall dabei. Ich habe wohl was von meinem Vater geerbt.“ Doch es hat ein Wandel eingesetzt, ähnlich wie in Waffensen auch gilt Arbeitsteilung. So muss nicht einer alleine ehrenamtlich alles wuppen.

Angetreten ist Bartsch für die Wählergruppe „Wir für Mulmshorn“ (WfM) – ebenso wie alle anderen Ortsratsmitglieder. „Parteigeklüngel“ gibt es hier schon lange nicht mehr. „Wir diskutieren ganz normal, man ist sich nicht immer einig. Aber wir wollen doch alle dasselbe – und sonst hätten wir vielleicht nicht so viele Kandidaten für die Wahl gehabt“, sagt Bartsch – nämlich deutlich mehr als die neun Gewählten.

Für den Posten fühlt er sich gut vorbereitet, hat mit Berg „sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet“. Bei Fragen steht sie auch weiterhin zur Verfügung. Und Bartsch sieht noch einen Vorteil darin, dass er seit 54 Jahren Mulmshorner ist: „Man weiß, was im Dorf passiert, man kennt die Leute.“ Und sie kennen ihn. Das merkt der Kraftfahrer schon, wenn er regelmäßig nach der Arbeit noch seine Runde durch Mulmshorn dreht.

Dass er dann oft anhalten muss auf einen kurzen Schnack, „es gibt nichts Schöneres“, meint er zufrieden. Auf dem Dorf, da kennt man eben noch seine Nachbarn. Obwohl auch das bei aktuell gut 600 Mulmshornern immer schwieriger wird – manche der in den Neubaugebieten Zugezogenen bleiben auch lieber für sich. Umso mehr freut es Bartsch, dass ein paar von ihnen den künftigen Ortsrat verstärken.

Dass Mulmshorn viel Entwicklungspotenzial hat, betont Bartsch. Allein in den vergangenen 30 Jahren habe sich viel zum Positiven verändert, woran auch Bartsch Senior und zuletzt Berg ihren großen Anteil hatten. Der 54-Jährige erinnert an das Haus der Zukunft, den neuen Sportplatz oder den Kindergarten, an das kürzlich freigegebene zweite Gewerbegebiet und das zweite Neubaugebiet. Aber es gibt eben auch Baustellen. Und die möchte er ebenso angehen. Einiges, wie die Umgestaltung des Friedhofs, ist bereits in die Wege geleitet – viel in Eigenleistung, wie man das eben auf dem Dorf so macht. „Zusammenhalt wird bei uns großgeschrieben.“

Das habe sich auch in der Pandemiezeit gezeigt – große Veranstaltungen konnten nicht stattfinden, dafür haben viele Leute kleinere Sachen auf die Beine gestellt. Die Gemeinschaft – die ist Bartsch wichtig. Die zeigt sich auch in der „Aktuelles“-Gruppe über den Messengerdienst Whatsapp, die ursprünglich nur über Corona informieren sollte. Mittlerweile finden sich dort Hilfesuchende und Helfer in allen möglichen Bereichen zusammen, erzählt er und erinnert an den jüngsten Gewinn beim Kreisentscheid „Unser Dorf hat Zukunft“. Dabei hätten ihnen das viele gar nicht zugetraut. „Alle, die hier durchfahren, denken, das sind zwei Dörfer. Aber wir haben ein Dorf mit viel Potenzial, mit vielen schönen Ecken.“ Auf einer Bürgerversammlung wurde jüngst auch besprochen, den Wettbewerb weiterzuführen – jetzt muss nur noch der neue Ortsrat zustimmen. „Wir können nicht gegen unser Dorf stimmen, deswegen gehe ich davon aus, dass wir das machen.“

Die Lage Mulmshorns direkt an der Bundesstraße und nahe der Autobahn hat Vorteile. Aber sie birgt auch Nachteile. Schon lange setzt man sich im Ort dafür ein, dass zumindest an bestimmten Stellen das Tempolimit von 70 auf 50 Stundenkilometer heruntergesetzt wird. Gerade für Kinder, die den Schulbus erreichen müssen, sind einige Ecken sehr gefährlich – insbesondere in der dunklen Jahreszeit. Ampeln oder Zebrastreifen als Querung würde sich Bartsch wünschen. Das Thema ist noch lange nicht von der Tagesordnung.

Und dann kommt Bartsch auf ein weiteres Problem zu sprechen, was noch Diskussionen erfordern wird: die Haushaltslage der Rotenburger Ortschaften. Die Mittel reichen nicht aus, um alle Notwendigkeiten abzudecken – größere Anschaffungen oder Investitionen sind oft nicht möglich. „Das begrenzt Dörfer ungemein.“ Mulmshorn bräuchte unter anderem ein neues Feuerwehrauto – zahlt aber noch das Feuerwehrhaus ab. Eine Neuregelung der Finanzierung haben die drei Ortsbürgermeister der vergangenen Amtsperiode bereits angeschoben.

Einen Stellvertreter hat Bartsch übrigens auch schon im Auge – wer das Amt übernehmen wird, soll aber erst offiziell bei der Ortsratssitzung verkündet werden.

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