Premierenlesung in Rotenburg

Schonungsloses Buchdebüt: Jenny Elvers über Leben und Alkoholsucht

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Auch Gastgeber Heiko Kehrstephan (vorne) lauschte der offenen Lebensbeichte von Reality-TV-Star Jenny Elvers.

Jenny Elvers hat ein Buch geschrieben über ihr Leben und ihre Alkoholsucht. Bei der Lesung in Rotenburg gewährt der ehemalige TV-Star tiefe Einblicke.

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Nur so viele Gäste wie Bücher auf dem Verkaufstisch seien eingelassen worden, witzelte Wachtelhof-Chef Heiko Kehrstephan am Freitag bei der Lesung am Freitagabend. Indes erwies sich der kleine, intime Rahmen passend für eine Frau, die ein großes Publikum und große Auftritte gewohnt ist. Mit ihrer Autobiografie „Wackeljahre“ legte Jenny Elvers ihr literarisches Debüt vor. 

Ein Debüt ist auch die Lesung des TV-Stars: „Es ist meine erste überhaupt“, verriet die 48-Jährige, deren Werdegang von der „Heidekönigin von Amelinghausen“ über die Otto-Shows bis zum unfreiwilligen Outing als Alkoholikerin genauso von der Boulevardpresse begleitet worden war wie ihre diversen Lebenspartner.

Lebensbeichte auf dem roten Sofa

„Die lasse ich mal aus, darüber haben Sie wahrscheinlich schon gelesen“, meint die Autorin, die sich ihre Lesestellen mit Haarspangen markiert hat. Ausgangs - und Endpunkt ihres Lebensberichts ist das NDR-Interview bei Bettina Tietjen auf dem roten Sofa. Er soll traurige Berühmtheit erlangen, offenbart sich ihre Krankheit doch dort öffentlich. So lautet später eine der Nachfragen aus dem Publikum auch: „Warum hat Sie niemand vom NDR geschützt und das Interview abgebrochen, haben Sie darüber später mal mit Bettina Tietjen gesprochen?“ Diese Frage hat sich Tina Busch, damals selbst NDR-Hörfunk-Redakteurin, öfter gestellt. „Mir war es ein Bedürfnis, heute zu kommen - mir hat sie damals sehr leid getan.“

Eine, „die funktioniert“

Optimistin, Frohnatur, eine, „die funktioniert“ - das hat der Schauspielerin fast das Leben gekostet. Schonungslos ehrlich berichtet sie von der Spirale aus Perfektionismus, Selbstzweifeln, Angst, Schlafstörungen und den toxischen Gegenmitteln: Prosecco gegen Lampenfieber und später Zittern, Rotwein und Schlaftabletten gegen die nächtliche Unrast; über die Hölle des Entzugs. „Zwei Wochen später wären Sie tot gewesen“ - die Implikationen dieser ärztlichen Diagnose sollen erst später in der Therapie zu ihr durchdringen. Die Wertschätzung, um die sie all die Jahre gerungen hat: In der Therapie findet sie sie.

Lesen Sie auch: 13 Anzeichen für Alkoholsucht

Beeindruckend ist die Konsequenz, mit der Elvers auch ihr Scheitern öffentlich macht, allemal - auch wenn sie retrospektiv zugibt, dass die „RTL-Alkoholbeichte“ zu früh war. Dem zollen die Zuhörer Respekt, darunter Sohn Paul, dem sie „das letzte Mal vorgelesen hat, als ich sechs war.“ Sein Fazit: „Das hat sie richtig gut gemacht“. Recht hat er.

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