Jeder ist betroffen

Teilnehmer sollen durch Planspiel Lösungsansätze zur Gülleproblematik erarbeiten

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Vertreter vom Landvolk, der Landwirtschaftskammer, des Wasserversorgungsverbandes (WVV) Rotenburg-Land und der BBS Rotenburg sowie Landrat Hermann Luttmann (CDU) unterstützen Gerlinde Wiese (2.v.r.) von der Universität Göttingen beim Planspiel.

Rotenburg - Von Joris Ujen. Dass die hohe Nitratbelastung deutscher Gewässer und der damit einhergehenden Düngeverordnung (DüV) nicht nur Landwirte vor große Herausforderungen stellt, sondern auch Lohnunternehmen, Landhändler, Wasserverbände, Lebensmittelhändler, die Bevölkerung im ländlichen Raum und jeden Verbraucher betrifft, soll durch ein Planspiel mehr Transparenz erfahren. Und vor allem Lösungsansätze hervorbringen.

Initiiert und getestet von der Universität Göttingen, startet eine solche Simulation unter dem Namen „Planspiel zum Nährstoffüberschuss in der Landwirtschaft“ am 25. Mai in den Berufsbildenden Schulen (BBS) Rotenburg. Dass das Pilotprojekt gerade hier seinen Startschuss erfährt, ist kein Zufall: In der hiesigen Region wird mehr Gülle und Mist ausgebracht, als es die Äcker verkraften können.

Das Interesse an dem Planspiel ist groß. Vertreter vom Landvolk, der Landwirtschaftskammer, des Wasserversorgungsverbandes (WVV) Rotenburg-Land und der BBS Rotenburg sowie Landrat Hermann Luttmann (CDU) haben sich am Montagmittag zum Pressegespräch versammelt. Das Planspiel beinhalte das Ziel, verschiedene Sichtweisen der betroffenen Akteure bezüglich der Nährstoffproblematik und der neuen Düngeverordnung kennenzulernen, erläutert Projektleiterin und Diplom-Sozialwirtin Gerlinde Wiese von der Universität Göttingen. Dabei schlüpfen die Teilnehmer in die Rollen unterschiedlicher Interessensgruppen, um Lösungsansätze zu konzipieren. Per Losverfahren werden die Planspieler als viehhaltender Landwirt, Ackerbauer, Wasserversorger, Umwelt- oder Landwirtschaftsminister, Düngebehörde, Lohnunternehmer, Umweltschützer, Lebensmittelhändler, Verbraucher oder Pressevertreter agieren. Eine Simulation, die einen realitätsnahen Bezug haben soll. Sie arbeiten in einer Gruppe von drei bis fünf Personen. Jedes Team erhält dann seine spezielle Ausgangslage. Das sei mitunter spannend, wenn beispielsweise ein Vertreter vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) plötzlich einen Ackerbauer im Planspiel repräsentieren muss.

Direkte Bezüge zur Thematik werden aber nicht für eine Teilnahme vorausgesetzt, weil es ja schließlich alle, auch den Verbraucher, betrifft. Gerade Interessierte ohne Vorkenntnisse können so sensibilisiert werden. „Es müssen mentale Voraussetzungen geschaffen werden“, so Rudolf Rantzau, „um zu erkennen, dass es so nicht mehr weitergehen kann.“ Dafür sei das Planspiel begrüßenswert. Rantzau, der noch vor zwei Wochen im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium tätig war, wird trotz Ruhestands das Projekt begleiten. „Nicht nur für die Region Rotenburg ist die Nährstoffsituation ein Problem, sondern für ganz Niedersachsen.“ Das Bundesland stehe besonders im Fokus, da es in vielen Regionen die Stickstoffobergrenze von 170 Kilogramm pro Hektar überschreitet – Rotenburg hat laut Nährstoffbericht 2016/2017 einen Wert von 173, Spitzenreiter ist Cloppenburg mit 219 Kilogramm pro Hektar.

Und das hat Folgen für die Umwelt. Die Pflanzen können bei einer Überdüngung den Überschuss an Stickstoff und Phosphaten nicht mehr aufnehmen, die letztendlich ins Grundwasser gelangen. Der WVV bemüht sich wiederum und ist dazu verpflichtet, die Nitratwerte regelmäßig zu prüfen. Laut seinem Geschäftsführer Volker Meyer arbeitet der WVV gut mit der Landwirtschaft bezüglich der Grundwasserschutzmaßnahmen zusammen. „Das ist aber sicherlich ausbaufähig. Die Mittel sind allerdings begrenzt“, so Meyer.

Karsten Lodders, Leiter der Landwirtschaftskammer Bremervörde, die als Düngebehörde agiert und beratend zur Seite steht, begrüßt ebenfalls das Planspiel in Rotenburg. „Nicht nur aufgrund der prekären Lage im Landkreis. Auch ein Gesamtkonsens in der gesamten Gesellschaft kann durch das Projekt gefördert werden“, hofft Lodders. Das Thema „Düngerrecht“ betreffe schließlich alle.

„Der Druck ist groß, auch von der Europäischen Union und der Bundesregierung“, sagt Rantzau. „Es gibt noch eine Menge Handlungsbedarf. Durch das Planspiel erhoffen wir uns mehr Klarheit in der Bevölkerung.“

Infos zum Planspiel

Das „Planspiel zum Nährstoffüberschuss in der Landwirtschaft“ findet von Freitag bis Sonntag, 25. bis 27. Mai, in den BBS Rotenburg statt. Dafür stellt die Schule 16 bis 19 Räume zur Verfügung. Interessierte, die keine Fachkenntnisse benötigen, können sich bis zum 15. Mai per E-Mail an gwiese@uni-goettingen.de anmelden. Mitzubringen, falls vorhanden, ist ein Laptop. Die Teilnahme ist kostenlos, Essen und Trinken ebenfalls. Nähere Informationen und die genauen Uhrzeiten gibt es im Internet unter www.uni-goettingen.de/planspiel.

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