Konten für Flüchtlinge: Bei Banken und Sparkassen hat sich alles eingespielt

Wie jeder andere Kunde auch

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Die Banken und Sparkassen haben für die Flüchtlinge Informationen zur Eröffnung und Handhabung von Konten in mehreren Sprachen zusammengefasst. Auch auf Arabisch. Ein Konto zu eröffnen, stellt eigentlich kein Problem für sie dar.

Rotenburg - Von Guido Menker und Lars Warnecke. Im Landkreis Rotenburg scheint es inzwischen für Flüchtlinge kein Problem mehr zu sein, sich ein Konto bei den Banken und Sparkassen einzurichten. Allein die Sparkasse Rotenburg-Bremervörde führt bereits 125 Konten, deren Inhaber Flüchtlinge sind. Auch bei der Volksbank Wümme-Wieste sei schon eine geringe Anzahl an Konten für Flüchtlinge und Asylsuchende eingerichtet worden.

„Die Flüchtlinge werden genauso behandelt wie alle unsere Kunden“, sagt Matthias Schröder, Abteilungsdirektor Vorstandsreferat bei der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde. Darüber hinaus habe man Flyer in drei Sprachen als Unterstützung zur Verfügung gestellt. Darin werde die Funktionsweise eines Girokontos beschrieben – auf Englisch, Französisch und Hocharabisch. Schröder berichtet außerdem von einem Gespräch mit Vertretern der Ausländerbehörde und des Sozialamtes beim Landkreis Rotenburg. „Diese haben unsere Vorgehensweise als sehr lösungsorientiert und praktikabel erachtet und diese Vorgehensweise in den einzelnen Gemeinden kommuniziert, so Schröder. Es hätten bisher aber vereinzelt auch schon Konto-Eröffnungen abgelehnt werden müssen – und zwar dann, wenn die laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zulässige Legitimation abgelaufen ist oder erforderliche Daten fehlen. Das sei in den vergangenen Monaten bei zwei oder drei Fällen vorgekommen. Um bei der Konto-Eröffnung einen möglichst effizienten Ablauf für alle Beteiligten zu realisieren, habe die Sparkasse darum gebeten, dass zu jeder Konto-Eröffnung eine Terminvereinbarung erfolgt und gegebenenfalls vorab die notwendigen Unterlagen eingereicht werden. Wünschenswert sei es außerdem, wenn die Asylbewerber beziehungsweise Flüchtlinge von einem Asylbegleiter oder einem Integrationslotsen begleitet werden – vor allem dann, wenn es Sprachbarrieren gibt.

„Es gibt für uns nur einen Grund, den Wunsch nach einem Konto ablehnen zu müssen: fehlende Ausweispapiere, sagt Annika Wilkens von der Volksbank Wümme-Wieste . Als lokale Genossenschaftsbank habe sich die Volksbank Wümme-Wieste  sehr intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, „denn wir tragen eine Verantwortung, diesen Menschen das Ankommen in der neuen Umgebung so einfach, wie möglich zu gestalten.“

Als Problem hat sich in der Vergangenheit vielerorts der fehlende Identitätsnachweis erwiesen. „Mit den Kreditinstituten besteht seit etwa einem halben Jahr Einigkeit hinsichtlich der Vorgehensweise beim Thema Konten für Flüchtlinge. Dies geht auf eine Mitteilung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zurück, wonach Flüchtlinge unter erleichterten Bedingungen ein Basiskonto eröffnen können“, so Christine Huchzermeier, Sprecherin des Landkreises Rotenburg. Seither komme es nur noch in sehr wenigen Einzelfällen zu Schwierigkeiten. Richtig sei zwar, dass Flüchtlinge häufig ohne Ausweispapiere hier ankommen, allerdings würden die „auf eigenen Angaben beruhenden“ Dokumente der Ausländerbehörde als gleichwertig eingestuft und bei der Konteneröffnung regelmäßig akzeptiert. es hat sich offensichtlich alles gut eingespielt.

Laufendes, inzwischen etabliertes Verfahren

„Allerdings besteht auch bei einem Bürgerkonto für uns keine Verpflichtung, das Konto zu eröffnen oder weiterzuführen, wenn dies unzumutbar ist“, so Schröder. Das sei grundsätzlich der Fall, wenn der Kunde nicht in unserem Geschäftsgebiet wohnt, er die Leistungen des Kreditinstitutes missbraucht, insbesondere für gesetzwidrige Transaktionen, er Falschangaben macht, Mitarbeiter oder Kunden grob belästigt oder gefährdet, die vereinbarten Regelungen der „Sondervereinbarung Guthabenkonto“ und/oder sonstige Vereinbarungen nicht einhält oder trotz Aufforderung nicht für ein erforderliches Guthaben sorgt, so Schröder. Und er ergänzt: „Diese Regelungen wenden wir allgemein an. Sie beziehen sich nicht ausschließlich auf Flüchtlinge.“

Während die Sparkasse Rotenburg-Bremervörde bei der Öffentlichkeitsarbeit auf einen Flyer setzt, hat die Volksbank Wümme-Wieste entsprechende Hinweise auf ihrer Homepage platziert. Annika Wilkens: „Auf unserer Internetseite haben wir unter www.volksbank-wuemme-wieste.de alle notwendigen Informationen für Flüchtlinge in vier Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch und Arabisch – zusammengestellt.“

Mehr als 250 Girokonton für Flüchtlinge hat übrigens schon die Sparkasse Scheeßel bisher eingerichtet, Dutzende weitere Anträge aus ihrem Geschäftsgebiet liegen bereits vor, sagt Bastian Kuschkewitz, zuständig für die Koordinierung. Bei den Beratungsgesprächen mit den Antragsstellern würden die Mitarbeiter häufig sehr viel erklären müssen. „Die Menschen wissen teilweise ja gar nicht, was ein Konto überhaupt ist oder wie ein Geldautomat bedient wird“, so Kuschkewitz. Viele von ihnen hielten zum ersten Mal eine Geldkarte in der Hand. In der Regel würden sich die Flüchtlinge allerdings sehr schnell an die neuen Anforderungen anpassen.

Dabei seien die Konten durchaus langlebig, betont Kuschkewitz – „weil es in unserem Geschäftsgebiet nicht die klassische Erstaufnahmeeinrichtung gibt, wie beispielsweise in Visselhövede“. Vielmehr würde es sich um eine Klientel handeln, die schon eine gewisse Perspektive habe. Hinsichtlich der Abwicklung spricht der Sparkassenmitarbeiter von einem „inzwischen laufenden und im weitesten Sinne auch etablierten Verfahren“.

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