Jazz-Tempel in der Schulaula

Martin Fabricius Group sorgt in der IGS für den „Wow“-Effekt

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Zu viel „Gedöns“ oder eine wunderbar hergerichtete Aula? Bühnenbild wie Musik: beeindruckend.

Rotenburg - Von Henrik Pr–hl. „Ich bin richtig gut aufgedreht“, sagt ein Mann am Eingang der Rotenburger IGS am Sonnabend. Was Michael Behr, den neuen Vorsitzenden des Just-Jazz-Clubs Rotenburg so aufwühlt, ist offensichtlich. Die Hütte ist voll, es müssen noch Stühle herangekarrt werden für dieses erste Konzert im Jahr 2019.

Etwa 130 Gäste, ein bunt gemischtes Publikum, haben sich sehr rechtzeitig ihren Platz gesucht und warten gespannt auf die Martin Fabricius Group, eine Jazz-Band aus Dänemark. „Klasse, wir haben das Haus voll bekommen“, begrüßt Behr sein Publikum und dankt allen Helfern, die zum Gelingen des Abends beigetragen haben. Vor allem aber lobt er Philipp Göttert, dem es gelungen ist, aus der Aula der IGS mit inspirierender Bühnenkulisse und raffinierten Licht-Installationen einen Jazz-Tempel zu zaubern.

Es kann losgehen, die „netten Jungs“ betreten die Bühne. Zur Kern-Besetzung des Martin Fabricius Trios mit Vibrafon (Martin Fabricius), Schlagzeug (Jacob Hatholt) und Kontrabass (Andreas Markus) haben sich Mundharmonika (Matthias Heise) und E-Gitarre (Neff Irizarry) gesellt. Nach zartem Glissando auf dem Röhren-Xylofon passiert das, was bereits der Werbetext verheißen hat: „Kombiniert mit eindringlichen Rhythmen und viel Improvisation ist die Musik von Martin Fabricius gleichzeitig subtil, großartig, energisch und raffiniert.“ Das kommt beim Publikum gut an.

„We are happy to be here“, begrüßt Martin Fabricius die Jazz-Freunde im Saal, plaudert so im Laufe des Abends vor sich hin und erzählt Geschichten zur Entstehung seiner Musik. Wie üblich bei Jazz-Konzerten, bekommt jeder Solist seinen berechtigten Szenenapplaus, denn jeder der Musiker versteht etwas vom Fach. Mal kommt dieser „Winter-Jazz“ gesanglich und melodiös, mal so flippig daher, dass kein Mensch mitsingen könnte. An diesem Abend ist alles - Licht, Musik, Sound, Atmosphäre - bestens aufeinander abgestimmt. Das ist auch Cornelius Vogel zu verdanken, der seinen Platz am Mischpult am hinteren Ende des Saales gefunden hat. Wie sagt er über sich? „Ich bin der Schall-Ereignis-Sortierer.“ Wer Englisch kann, mag einmal wortwörtlich übersetzen. Und Vogel sagt noch mehr in der Pause: „Der E-Gitarrist ist ein toller Musiker.“ Sind das nicht alle fünf auf der Bühne? Cornelius Vogel differenziert: „Es gibt Instrumentalisten und Musiker. Die einen beherrschen ihr Instrument, sind technisch gut. Die anderen fühlen sich ein und zeigen Begeisterung.“

Was sagt die Dame aus der letzten Reihe? „Ich finde das ganz toll und ganz schön.“ Aber? „Es ist mir zu viel Gedöns. Weniger ist mehr.“ Die Frau meint die Bühnen-Technik. Mag sein, auf die schönen Blumen-Gestecke hätte man verzichten können, man sieht sie bei den Lichteffekten sowieso nicht. „Ich fühl mich total klasse!“ Das äußert Michael Behr, der allen Grund hat, froh über den Abend zu sein. Und was sagt Göttert, der Licht-Künstler auf der Empore zu diesem Jazz? „Ganz ehrlich, ich geh gern in den Wald, um Stille zu haben.“ Schön, das muss man den Musikern da unten ja nicht sagen, die gerade wieder loslegen. Manchem Zuschauer mag schleierhaft sein, wie man mit vier Schlägeln so virtuos und richtig spielen kann, wo es mit Fingern auf Klavier-Tasten doch schon schwierig genug ist.

Worum es in den einzelnen Stücken geht, erklärt zwar Fabricius charmant, aber Inhalte sind eigentlich nicht so wichtig, wer hört schon Johannisbeeren im Schnee oder Sternenhimmel in Kopenhagen heraus? Nur bei einer gemütlichen Eisenbahnfahrt durch Norwegen mit Blick aus dem Fenster, wo die Sonne nicht untergeht, ist die Lokomotive nicht zu überhören. Zum Ende des Abends gibt es einen stillen Augenblick: Das Trio bleibt als Kern-Besetzung auf der Bühne, Mundharmonika und Gitarre haben sich einmal zurückgezogen. Ein weich und intim in sich geschlossener Sound macht sich breit. Das Vibrafon lässt Töne schwingen und glänzen.

„So, all good things must end“, sagt schließlich Fabricius. „Oooooh“, seufzt das Publikum. Doch rhythmisches Klatschen begeisterter Zuhörer hilft, zwei Zugaben heraus zu kitzeln. Zuvor ein Schlusswort von Michael Behr: „Ganz, ganz klasse, echt. Vielen Dank! Wow!“ Schöner kann man es nicht auf den Punkt bringen.

Die nächsten Termine bei Just Jazz

 Jon Hammond und Band, am 9. April um 19 Uhr im Heimathaus;

Jazzfrühschoppen mit Ragtime Bandits, am 11. August um 11 Uhr im MGH Waffensen;

Swing meets Gypsy mit Christine Tassan et les Imposteurs am 6. September um 19 Uhr im Heimathaus;

Young Masters mit Joe Robinson am 25. Oktober um 20 Uhr in der Sternpartner-Glasrotunde.

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