Japanische Nachwuchs-Reiterin bei Boris Kapp / Vierjährige Ausbildung geplant

Auf dem Sprung

+
Boris Kapp und Risako mit ihrem sechsjährigen Wallach Nuriano Z.

Höperhöfen - Von Lars Kattner. Dass sie mehr als 9000 Kilometer von zu Hause entfernt ist? Geschenkt. Dass sie kein Wort deutsch versteht? Sei’s drum. Kulturschock? Von wegen. Risako liebt Pferde, kann den ganzen Tag im Stall sein und ist deswegen vor allem eines: glücklich. Das Glück der 14-jährigen Japanerin ist allerdings zunächst auf vier Wochen beschränkt.

So lange dauert ihr Schnupperkurs in Höperhöfen bei Boris Kapp, Geschäftsführer der MVB Sporthorses GmbH. Doch aus der Stippvisite soll mehr werden. Im kommenden Jahr wird Risako für vier Jahre nach Deutschland kommen – und wenn alles nach Plan läuft, zu einer Springreiterin auf internationalem Niveau ausgebildet werden.

Noch fünf Jahre, dann gehen die Olympischen Sommerspiele in Tokio über die Bühne. Risako wird dann 19 Jahre alt sein. Und in ihrer Heimatstadt zur Olympionikin avancieren, als Teil der japanischen Springreiter-Equipe? „Es wäre natürlich ein Traum“, sagt Boris Kapp. „Aber dieser Traum“, bleibt der 37-Jährige auf dem Boden der Tatsachen, „ist sehr unrealistisch. Sehr, sehr unrealistisch“. Vielmehr solle Risako langsam an den Turniersport herangeführt werden. Im ersten Jahr, also 2016, stehen die ländlichen Turniere in der Umgebung auf dem Programm. Dass keine exakten sportlichen Ziele definiert werden, ist nicht zuletzt der japanischen Kultur geschuldet. Vorgaben, weiß Kapp, müssen erfüllt werden. Daher wolle er Risako Schritt für Schritt aufbauen, keinen Druck erzeugen und gleichzeitig keine Erwartungen enttäuschen.

Als Grenzgänger zwischen den Kulturen kennt sich Kapp bestens aus mit den verschiedenen Mentalitäten in Japan und Deutschland. Allein im vergangenen Jahr ist er sieben Mal nach Tokio geflogen. In der Nähe der Millionenmetropole betreibt die Familie seiner Lebensgefährtin Mariko eine große Reitschule. Seit sechs Jahren ist Kapp als Betreuer und Trainer der jungen Pferde samt ihrer Reiter fast nur in Japan gewesen – als elementarer Bestandteil des Familienunternehmens. Vor Ort leistet er vor allem: Entwicklungsarbeit. „Die Reitschüler fangen bei Null an“, so Kapp. Zwar bestehe in Japan durchaus Interesse am Pferdesport, aber: „99 Prozent der Aktivitäten beziehen sich auf die Rennpferdezucht. Dressur- und Springpferde gibt es fast gar nicht.“

Da verwundert es wenig, dass sich der Turniersport auf einem ganz anderem, einem viel geringeren, Level abspielt. Dazu kommt, dass Reiten in Japan noch teurer als in Deutschland ist und der Nachwuchs wegen der Schule nur am Wochenende Reiten kann. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, um japanische Reiter in der Weltelite zu etablieren. Ob Risako diesen Schritt in Höperhöfen schafft?

„Sie hat auf jeden Fall Talent“, sagt Mentor Kapp. Für das richtige Umfeld und, ganz wichtig, die notwendige Routine, will er ab dem kommenden Jahr persönlich sorgen. Beste Voraussetzungen also für die junge Japanerin, die nebenbei ihr Abitur an der internationalen Schule in Bremen machen soll. Schließlich hat Kapp unter anderem etwa zwei Jahre für den großen Jos Lansink als Trainer und Manager gearbeitet, während seine Lebenspartnerin Teil der japanischen Olympiamannschaft von 2004 in Athen war.

Und an der nötigen Motivation mangelt es Risako sowieso nicht. Nach dem strapaziösen Flug von Tokio über Frankfurt nach Bremen hat sie sich direkt auf dem Reitplatz begeben, um im Anschluss noch einen Blick in ihre Schulbücher zu werfen. Risakos japanische Disziplin gepaart mit dem Knowhow von Boris Kapp – vielleicht klappt es ja wirklich irgendwann mit dem Traum von Olympia. Es muss ja nicht gleich in fünf Jahren vor der eigenen Haustür in Tokio sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Diepholzer Feuerwehren helfen im Hochwasser-Krisengebiet

Diepholzer Feuerwehren helfen im Hochwasser-Krisengebiet

Der Werder-Donnerstag

Der Werder-Donnerstag

Ursachenforschung nach tödlichem Hubschrauberabsturz in Mali

Ursachenforschung nach tödlichem Hubschrauberabsturz in Mali

Heidekreis-Feuerwehr hilft in Hochwasser-Region

Heidekreis-Feuerwehr hilft in Hochwasser-Region

Meistgelesene Artikel

Kreisbereitschaft Rotenburg Süd auf dem Weg nach Goslar

Kreisbereitschaft Rotenburg Süd auf dem Weg nach Goslar

Fünfköpfige Familie übersteht schlimmen Unfall leicht verletzt

Fünfköpfige Familie übersteht schlimmen Unfall leicht verletzt

Landwirt hätte gerne vorher über Ausgrabungen Bescheid gewusst

Landwirt hätte gerne vorher über Ausgrabungen Bescheid gewusst

Auto prallt frontal gegen Baum - Fahrerin schwer verletzt

Auto prallt frontal gegen Baum - Fahrerin schwer verletzt

Kommentare