Geburtstagsfeier der „F111er“ mit Jungtierschau in Dieckhoffs Scheune

80 Jahre Kaninchenzüchterverein

Urgestein des Vereins F111, Waldemar Materne, war 52 Jahre Vorsitzender der Rotenburger Kaninchenzüchter.

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. Der Rotenburger Rassekaninchenzüchterverein F111 feiert sein 80-jähriges Bestehen. Der Geburtstag soll am Samstag, 14. September, von 9 bis 17 Uhr und am Sonntag, 15. September, 9 bis 15 Uhr, anlässlich einer Kaninchen-Jungtierschau gefeiert werden. Dazu sind alle interessierten Bürger zur Scheune von Gerhard Diekhoff an der Brauerstraße 17 in Rotenburg eingeladen. Der erste Vorsitzende des Vereins, Jörg Patzenhauer, verspricht einen informativen Tag rund um die Rassekaninchenzucht mit Streichelzoo für die jüngeren Besucher.

Das Urgestein unter den Züchtern, Waldemar Materne, der den Verein mehr als 50 Jahre führte, wird mit den Gästen über alte Zeiten und große Erfolge plaudern. Er ist eines der wenigen Mitglieder, die einen langen Zeitraum persönlich miterlebt haben. Die Kreiszeitung hat sich mit Materne, der nach 58 Jahren Mitgliedschaft immer noch mit Leib und Seele dabei ist, unterhalten. Der Treffpunkt, sein Büro an der Lindenstraße, gleicht einer Schatzkammer – es funkelt und glänzt überall: Auf den Regalen stehen Pokale, Medaillen liegen daneben oder hängen an Wänden neben Ehrentellern, Urkunden, Wimpeln und Plaketten. „Das sind mehr als 500 Auszeichnungen“, sagt Materne nicht ohne Stolz.

Wie aber fing die Geschichte des Vereins 1939 an? Der über 80-Jährige hat sich gut vorbereitet und Info-Material dabei. Als Vorsitzender hatte er viele Dokumente und Schreiben des Vereinsbesitzes aus alten Zeiten übernommen und im „Trophäenzimmer“ aufbewahrt. „1939 waren zwölf Rotenburger an der Vereinsgründung beteiligt“, berichtet er. Die Sitzung habe im damaligen Gasthaus Franz Hellberg stattgefunden. Die Registriernummer des Vereins war 168. Den Posten des ersten Vorsitzenden übernahm Wilhelm Feldmann. „Geprägt wurde der Verein besonders durch Friedrich Menke, genannt Fidi. Der hat sich aufgeopfert und war mit Leib und Seele dabei“, erklärt Materne. Lange Jahre sei Menke Vorsitzender gewesen. Mit der Bezeichnung F168 war der Verein an die Reichsgruppe Kaninchenzüchter im Reichsbund Deutscher Kaninchenzüchter angegliedert und gehörte zum Kreisverband Lüneburg. In einem Schreiben des damaligen Bürgermeisters an Wilhelm Feldmann hatte er diesem zuvor nahe gelegt, einen Verein zu gründen – schließlich habe man bei Viehzählungen festgestellt, dass es in Rotenburg viele Kaninchenhalter gebe. Der Hintergedanke sei nach Meinung von Materne die Abgabe der Wolle der Angorakaninchen sowie deren Felle an staatliche Stellen gewesen. Hauptrassen seien damals Angoras, Blaue Wiener und Helle Großsilber gewesen. Auf dem Fliegerhorst (heute Lent-Kaserne) sei schließlich eine Zuchtanlage entstanden, um an Fleisch, Wolle und Felle zu kommen, erzählt Materne.

1947 umfasste der Club 180 Mitglieder. Bei der damals fünften Ortsschau wurden stattliche 473 Tiere präsentiert. „Aber wo viele Leute zusammen sind, gibt es oft Querelen“, berichtet Materne. So auch im F168. Ein zweiter Verein splittete sich ab. Ehemalige 168er gründeten den Verein F484 für Hassel und Umgebung. Viele Mitglieder des F168 traten in den neuen Club ein. Doch zwei Gruppen mit hoher Mitgliederzahl zu etablieren funktionierte nicht. „1958 gab es eine Besprechung im Hotel Domshof mit jeweils sieben Vertretern ein“, erklärt Materne. Nicht viele, doch kein Wunder: Beide Vereinigungen hatten Mitglieder verloren und zusammen nur noch 21 Züchter. Während des Treffens habe es eine lebhafte Diskussion über die Zukunft gegeben. Das Ergebnis: „Die Vereine waren allein nicht lebensfähig – züchterisch schon gar nicht.“ Einstimmig sei daher die Auflösung beider beschlossen worden, gleichzeitig der Zusammenschluss unter neuer Registriernummer: der F111 war gegründet.

Seither gab es zahlreiche Ausstellungen und viele wohlgesonnene Gäste. „Zum Beispiel den Landtagsabgeordneten Helmut Tietje, der sich für uns eingesetzt hat“, so Materne. Dessen Lieblinge seien die Deutschen Widder gewesen – „aufgrund der Ähnlichkeit zwischen den dickköpfigen Kaninchen und Politikern“, so Materne. 1972 wurde eine Frauengruppe gegründet. Zur Verwertung von Kaninchenerzeugnissen, hieß es damals. „Wir waren stolz auf die Damen“, erinnert sich Materne. Leider habe sich die Truppe 1999 aufgelöst – Nachwuchsprobleme.

Höhepunkte der Vereinsgeschichte waren die Wümmeschauen. „1976 haben wir die zum ersten Mal aufgezogen und konnten auf Anhieb 1 144 Tiere zeigen.“ Auch 1968 gab es eine besondere Schau im Lüneburger Hof – die erste mit den Rotenburger Geflügelzüchtern. „Seither herrscht gutes Einvernehmen zwischen den Vereinen“, so Materne. In den Anfangsjahren mussten die Züchter oft nach geeigneten Räumen für die Ausstellungen suchen. Die Lage besserte sich, als die Reithalle der Rotenburger Werke gebaut wurde und ihnen zur Verfügung stand. Nach dem Abriss des Gebäudes fanden die Schauen in Hemsbünde statt.

Zum F111 zählen derzeit 22 Mitglieder. Jugendliche sind nicht mehr dabei, der Verein würde sich über Nachwuchszüchter freuen, so Patzenhauer. Stolz ist der Vorstand auf den guten Ruf des Clubs. Zahlreiche Zuchterfolge hat er in den vergangenen Jahrzehnten errungen. Dessen bewusst war sich wohl auch der langjährige Bürgermeister Bodo Räke, denn er bezeichnete den F111 einst als „Aushängeschild für die Stadt“. Auch Bürgermeister Andreas Weber (SPD) ist von der Arbeit begeistert und jedes Jahr bei den Schauen als Schirmherr und Ehrengast dabei.

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