70 Jahre CDU – 25 Jahre Deutsche Einheit / Großer Bahnhof beim Kreisverband

Christliche Werte als politische Lebensversicherung

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Mechthild Ross-Luttmann im Gespräch mit (v.l.) Marko Prietz, Heiko Strohmann und Günter-Helge Strickstrak.

Bockel - Von Jens Wieters. Selbst die Eiche spendete Beifall und ließ unentwegt ihre reifen Früchte auf das Dach der Scheune der Familie von Hammerstein prasseln. Unter dem feierte der CDU-Kreisverband Rotenburg am Samstagmorgen mit rund 100 Gästen und einigen prominenten Rednern den 70. Geburtstag der Partei, 25 Jahre Deutsche Einheit, Helmut Kohl und ein bisschen auch sich selbst.

Mittendrin der Celler Günter-Helge Strickstrak, der mit seinen damals gerade mal 24 Lenzen zu den 386 Gründungsvätern der Union gehörte und von Konrad Adenauer persönlich über die Feinheiten der großen Politik während eines Spaziergangs aufgeklärt wurde. „Dabei wäre ich nach dem Krieg um ein Haar bei der SPD gelandet, weil mich Kurt Schumacher so faszinierte. Aber als ein weiterer Redner uns Soldaten als Kriegsverbrecher darstellte, hatte sich das erledigt“, verriet der 94-Jährige der Moderatorin Mechthild Ross-Luttmann. Die interviewte neben Strickstrak auch den gebürtigen Rostocker und heutigen Bremer Heiko Strohmann, der sich mit 21 Jahren über die deutsche Botschaft in Prag auf den Weg in den Westen gemacht hatte. „Weil ich als junger Mensch im Staatsbürgerkundeunterricht häufiger kritisch nachgefragt hatte, galt ich als unbequem, durfte nicht studieren und wurde sogar von meiner Familie verstoßen“, ließ Strohmann die staunenden Besucher wissen.

„Als ich die legendären Worte Hans-Dietrich Genschers auf dem Balkon der Botschaft hörte, sagt ich mir: Was einmal geht, geht auch zweimal“, berichtete Strohmann, der heute für die CDU in der Bremischen Bürgerschaft sitzt. So reiste der junge Strohmann in die Bundesrepublik, „quasi ohne Identität, denn die Papiere hatte uns die Stasi noch vor der Grenze abgenommen.“

Ähnlich würden sich jetzt auch die vielen Flüchtlinge fühlen, die nach Deutschland strömten, spannte der CDU-Bundestagsabgeordnete Oliver Grundmann einen Bogen von den Ereignissen von vor 25 Jahren auf die heutige Situation.

„Damals hatte Deutschland über Nacht 17 Millionen Bürger mehr und auch heute kommen Hunderttausende in unser Land“, so der Unionspolitiker aus Stade. „Wir stehen vor einer immensen Bewährungsprobe und der größten Herausforderung seit der Wiedervereinigung.“ Grundsätzlich halte er es bei der Beurteilung der Flüchtlingssituation mit der Kanzlerin Angela Merkel, betonte aber auch, dass die Aufnahmebereitschaft und Willkommenskultur nicht überstrapaziert werden dürfe. „Wir müssen die Menschen aufnehmen, die Schutz brauchen. Wir müssen aber auch die Menschen, die nur aus wirtschaftlichen Gründen hier sind, schnell in ihre Heimatländer zurückführen.“ Dabei sei insbesondere die Niedersächsische Landesregierung gefordert, denn von den „19000 Ausreisepflichtigen wurden gerademal 500 ausgewiesen“, so Grundmann, der betonte, dass „die Rechtsstaatlichkeit nicht gefährdet werden darf“. Eine erfolgreiche Integration anerkannter Flüchtlinge funktioniere nur bei gegenseitigem Respekt voreinander. „Aber eines muss diesen Menschen klar sein: Bei uns gilt das Grundgesetz und nicht die Scharia!“

Solche Überlegungen lagen den 386 Personen sicher fern, die vor 70 Jahren die CDU gründeten. „Ihnen ging es um die christlichen Werte als politische Lebensversicherung“, betonte MdB Reinhard Grindel, der einen kurzweiligen und mit vielen Filmsequenzen bereicherten Rückblick auf die vergangenen sieben Jahrzehnte der Union hielt. Bewusst habe man damals das Wort Partei vermieden, um deutlich vom Sprachgebrauch der Nazi-Herrschaft abzurücken. „Leider gibt es heute kaum noch diese Politiker der Nachkriegszeit mit all ihren Ecken und Kanten. Wohl auch der Medienpräsenz geschuldet, weil für ein Statement mal gerade zehn Sekunden bleiben, mit Ausnahme der Kanzlerin“, so Grindel.

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