Waffensen feiert seltenes Jubiläum / „Wichtig für die Dorfgemeinschaft“

300 Jahre Dorfschule

Der Schulchor mit Schülerinnen und Schülern aus Waffensen und Rotenburg gestaltete unter Leitung von Rektorin Catrin Cramme das Programm der Jubiläumsfeier. - Fotos: Bonath

Waffensen - Von Wieland Bonath. Das hatten die Schüler, die Eltern und Gäste wirklich nicht verdient: Als sich zum 300-jährigen Bestehen der Grundschule Waffensen – eine Außenstelle der Rotenburger Kantor-Helmke-Schule – die Teilnehmer der Jubiläumsfeier am Sonntagvormittag auf dem Rasen des Schulhofs versammelten, öffnete der Himmel seine Schleusen.

Aber dennoch blickten alle auf 300 Jahre Pädagogik in einer kleinen Grundschule zurück, in der aktuell 29 Schüler in vier Klassen von den beiden Lehrerinnen Susanne Bittermann und Inka Lange unterrichtet werden. Die Eltern der sechs- bis zehnjährigen Mädchen und Jungen, die mit viel Liebe und Mühe den Schulgeburtstag vorbereitet hatten, sind davon überzeugt: Die kleine Grundschule der 822 Einwohner zählenden Gemeinde muss unbedingt erhalten bleiben. Sieben Jahre, von 1978 bis 1985, musste die Schule bereits schließen, bis Lehrer Ulf Achelis das Ja zur Wiederaufnahme des Unterrichts als Außenstelle der Kantor-Helmke-Schule vom Niedersächsischen Kultusministerium bekam.

Die Jubiläumsfeier, zu der der Rotenburger Bürgermeister Andreas Weber die Grüße des Stadtrats überbrachte, war ein Rückblick von 300 Jahren Schulunterricht in einer kleinen Gemeinde, deren Einwohner von den Vorteilen der Wissensvermittlung vor Ort überzeugt sind. Das Jubiläum umfasste ein kleines Programm, das Waffensener Kinder, unterstützt von Schülern der Kantor-Helmke-Schule und ihrer Rektorin Catrin Cramme, vorbereitet hatten und zu der eine Ausstellung in die 300-jährige Waffensener Schulgeschichte gehörte. Alte Schulmöbel, Tafeln und Kreide und viele Infos waren zu entdecken. Dazu eine neun Meter lange Schulbank, auf deren Rückenlehne kleine Metallschilder informierten. Zum Beispiel: „1718: Erste namentliche Erwähnung eines Lehrers, der Schneider Jürgen Ficke.“ „1785: Ein Schulhaus wird gebaut auf dem Grundstück Köss.“ „1849: Das Schulhaus wird versetzt auf das Grundstück gegenüber.“ „1878: Die Gemeindeversammlung beschließt den Neubau des Schulgebäudes.“ „1910: die Ära der Lehrerfamilien Ficke/Lüdemann geht nach 200 Jahren in fünf Generationen zu Ende.“

Ortsbürgermeister Hartmut Leefers, selbst einst Schüler in Waffensen: „Eine Dorfschule ist Garant für ein soziales und kulturelles Miteinander in der Dorfgemeinschaft. Ohne eigene Schule, diese Erfahrung haben wir während der Schließung gemacht, entwickelt sich das Dorfleben zurück.“ Leefers ist davon überzeugt, dass der Kontakt der dörflichen Jugend mit Schülern in städtischen Bereichen positive Seiten habe, aber das ursprüngliche kulturelle Leben, das die Dorfgemeinschaft präge, „bleibt aber auf der Strecke“.

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