500 Jahre danach

Rotenburg lässt Reformationsjubiläum feierlich ausklingen

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Auch das ist Luther im Jubiläumsjahr: Im Rudolf-Schäfer-Haus gibt es Plätzchen mit dem Konterfei des Reformators.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Gebannt lauscht die rappelvolle Stadtkirche der raumgreifenden Musik des Barockorchesters L’Arco aus Hannover, folgt den Solisten durch die Kämpfe der Bach-Kantate „Ein feste Burg ist unser Gott“ und nickt immer wieder zustimmend bei der pointiert-prägnanten Predigt von Superintendentin Susanne Briese. Mit einem Festgottesdienst ist in Rotenburg am Dienstagabend das Luther-Jahr ausgeklungen. Beendet ist es aber damit noch nicht.

Der 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Martin Luther an der der Schlosskirche von Wittenberg wird natürlich auch in der Kreisstadt gefeiert. Deutschlandweit gibt es Veranstaltungen an diesem besonderen Feiertag, und Rotenburg blendet sich nicht aus. Am Nachmittag zeigt das Rudolf-Schäfer-Haus mit einer Sonderöffnungszeit, wie der Reformator vermarktet wird. Die Ausstellung „Using Luther – Der benutzte Luther...“ läuft noch bis zum 18. November, an diesem Dienstag klingelt es unablässig an der Tür. Die erste selbst kuratierte Ausstellung des Trägervereins, in der vor allem „Marketingentwürfe der Jetzt-Zeit“ mit dem Namen und Konterfei Luthers zu sehen sind, wie es der Vorsitzende Ernst-Ulrich Pfeifer ausdrückt, lädt zwar zum Schmunzeln und Staunen sein, macht aber auch die mehr als 50 Gäste am Reformationstag nachdenklich: Muss das wirklich sein mit dieser Vermarktung? Bier, Spielfiguren und Socken mit Luthers Namen drauf? Oder Angebote für Luther-Städte-reisen, obwohl er dort niemals war?

„Gib nicht in deiner Seele dem Satan und den Lastern statt“, heißt es nur wenig später in dem einstündigen Festgottesdienst ein paar Meter weiter in der Stadtkirche. Die Kantorei kooperiert zum wiederholten Male mit dem Barockorchester aus der Landeshauptstadt, aber selten zuvor dürfte die Feierlichkeit das Anlasses so eindringlich gewesen sein. Während draußen als Monster und Zombies verkleidete Kinder durch die Fußgängerzone laufen und Halloween-Süßigkeiten fordern, geht es inhaltlich im Kirchenschiff um den „Krieg Satan gegen Gott“, wie es Briese nennt. Sie versucht, den „roten Faden“ aufzunehmen, der sich zwischen dem, was vor 500 Jahren passiert ist, und den heutigen Ereignissen spannt. 

„So können wir die Reformation weiter leben“

Aus der Bach-Kantate höre sie die Auseinandersetzung heraus, den Kampf mit der Dunkelheit. Die Menschen suchten nach Zuversicht, „nach Gnade in einer gnadenlos gewordenen Welt“. Selbst Gott frage sich doch, ob das alles so richtig sei, vieles könne er nicht gewollt haben. Doch als Christten müssten die Menschen zueinander stehen, füreinander da sein und im Sinne Luthers nicht loslassen, aufstehen für ein neues Leben. Briese: „So können wir die Reformation weiter leben.“ Das gelte im Übrigen über alle Konfessionen hinweg, betonte Briese. Denn „bei aller Vielfalt auf der Welt dürfen wir die Einheit der Menschen nicht vergessen.“

Vor der Reformation war das Singen und Musizieren im Gottesdienst verpönt. Die Lieder Luthers und die seiner Anhänger wurden schließlich ein Markenzeichen und eine der schärfsten Waffen der Reformation, denn seine Anhänger schmetterten ihre neuen Glaubenslieder sowohl in den Kirchen als auch auf den Straßen laut und selbstbewusst und entfalteten damit große Wirkung.

Ob die Worte der Superintendentin zum Abschluss des Luther-Jubiläumsjahres auch in Rotenburg gewirkt haben oder am Ende des Tages doch viele Ansätze wie in der Schäfer-Ausstellung oberflächlich und verramscht als Hülle nur Dekoration bleiben, wird sich zeigen. Immerhin: Nach einem ebenso freundlichen wie deutlichen Hinweis von Pastorin Sabine Krüger, der Kantorei doch Dank auszusprechen, endet der Festgottesdienst mit einer akustischen Kombination, wie sie nur in der Kirche nach Luther möglich ist – mit lang anhaltendem Applaus zum einsetzenden Kirchengeläut.

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