Kartoffelkönigin für Rotenburg

Ein Jahr im Rampenlicht

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Kartoffelkönigin Vanessa I. freut sich schon auf „ihren“ Kartoffelmarkt.

Als Kartoffelkönigin für die Stadt Rotenburg auf Werbetour zu gehen, ist eine ganz besondere Herausforderung. Genau das hat Vanessa Martin in den vergangenen gut sechs Monaten erfahren. Und sie ist sehr froh darüber. „Man lernt viel über sich selbst“, sagt sie.

Rotenburg – Die Uhr tickt. Spätestens Ende September muss sich Vanessa Martin so langsam mit dem Abschied anfreunden. Zwar bleibt sie als Rotenburger Kartoffelkönigin noch bis Ende des Jahres im Amt, aber beim Kartoffelmarkt am 29. September wird ihre Nachfolgerin die Blicke auf sich ziehen. „Ich freue mich sehr auf ,meinen’ Kartoffelmarkt – aber nicht so sehr auf meine Abschiedsrede.“ Die 20-Jährige ist nah am Wasser gebaut, und sie ist sich sicher, dass es ohne Tränen nicht gehen wird. Das macht deutlich, wie sehr die junge Frau die vergangenen Monate genossen hat. „Ich war sehr viel unterwegs und habe eine Menge Leute kennengelernt“, sagt sie in einem Gespräch mit der Kreiszeitung. Aus diesen Kontakten haben sich mehrere Freundschaften entwickelt.

Mit dem Sprung ins kalte Wasser hatte es Vanessa I. gleich zu Beginn dieses Jahres in Berlin zu tun. „Bei der Grünen Woche stand ich zum ersten Mal im Rampenlicht und musste vor vielen Menschen eine Rede halten – ich hatte Lampenfieber. Das war für mich ein komplett neues Terrain.“ Doch sie hat es geschafft, weil sie über ihren Schatten gesprungen ist. Das ist eine der Erfahrungen, die sie bislang schon gemacht hat. Die Bereitschaft dazu sei unbedingt nötig, um diesen „Job“ überhaupt machen zu können. Es gehe immer wieder darum, auf andere Menschen zuzugehen. Als Kartoffelkönigin müsse sie nicht nur Interviews geben und Fotowünsche erfüllen, sondern auch Autogramme schreiben. Beim Hyazinthenfest in Boizenburg, beim Kräutertag in Horstedt, beim Spargelfest in Fredenbeck, beim Erntefest in Bardowick und auch beim Dorffest in Adendorf. Und so wird es auch beim Heideblütenfest in Schneverdingen sein. Die Kartoffelkönigin ist gefragt. Damit wird eine zweite Voraussetzung deutlich, die eine potenzielle Nachfolgerin erfüllen sollte: „Sie muss Zeit haben – vor allem an den Wochenenden, weil dann meistens die Feste mit den vielen Königinnen stattfinden.“

Für Vanessa war das bislang kein Problem. Nach dem Abitur am Rotenburger Ratsgymnasium hat sie einen Bundesfreiwilligendienst im Kindergarten Tabaluga absolviert. Jetzt genießt sie ihren Urlaub, ehe sie am 1. August ihre Ausbildung als Rechtsanwalt- und Notar-Fachangestellte beginnt. Ausbildung statt Studium. Sie hinterlässt im Gespräch mit unserer Redaktion den Eindruck einer Suchenden, einer jungen Frau, die Erfahrungen sammeln möchte, um für sich selbst möglichst viel herauszuziehen. So interpretiert sie auch ihr Ehrenamt im Namen der Stadt Rotenburg.

„Ja, es gibt eine kleine Aufwandsentschädigung, aber deswegen mache ich es nicht“, versichert die 20-Jährige. Vielmehr halte sie den Blick hinter die Kulissen für spannend. Belächelt worden sei sie bislang nur von einigen Jungs, aber „die Mädels finden es eigentlich ganz cool“. Und auch die Familie steht dahinter, ihre Mutter habe sie sogar ermutigt, die Bewerbung abzuschicken. Auf die Idee gekommen ist sie durch einen Zufall. Sie habe im „Aloha“ im Ronolulu gejobbt und dort Heinz Gehnke, den früheren Leiter des Rotenburger Info-Büros kennengelernt. Der habe sie und ihre Kolleginnen mehrmals auf die Suche nach einer neuen Kartoffelkönigin aufmerksam gemacht. Am Ende bekam sie den Zuschlag.

Neue Einblicke, neue Kontakte – und außerdem kommt die Kartoffelkönigin viel herum. „Man schlüpft immer wieder in diese Rolle, das ist wie eine Maske, die man sich aufsetzt“, versucht Vanessa zu erklären. Und wenn sie dann ihr Kleid trägt, die Krone aufsetzt und die Schärpe über die Schulter legt, werde sie auch entsprechend hofiert. „Klar, das genieße ich dann auch.“ Ohne „Maske“ wird sie in Rotenburg nur ganz selten auf ihre Nebenrolle angesprochen.

„Man wächst in diese Aufgabe hinein“, weiß die Majestät zu berichten. Hilfe bekomme sie jetzt von Gehnkes Nachfolger Benjamin Roolfs, der sie bei ihren Terminen begleitet. Und alles das, was sie über die Kartoffel und die hiesige Anbauregion wissen muss, lasse sich lernen. Kartoffeln schälen muss sie bei den Auftritten übrigens nicht. „Nur zu Hause“, sagt sie mit einem Schmunzeln im Gesicht. Das allerdings könnte sich am 29. September ändern.

Der Rotenburger Kartoffelmarkt

Die 34. Auflage des Rotenburger Kartoffelmarktes findet am 29. September auf dem Neuen Markt statt. Vor der offiziellen Eröffnung gibt es um 10 Uhr einen Ernte-Dank-Gottesdienst auf der Aktionsbühne. Im Anschluss beginnt das Bühnenprogramm mit Tanzvorführungen, Kartoffelschälwettbewerben und viel Musik sowie Interviews zum Thema Kartoffeln und Landwirtschaft. Bis dahin wird allerdings noch eine neue Kartoffelkönigin gesucht. Wer aus Rotenburg kommt, idealerweise mindestens 18 Jahre alt ist und Lust darauf hat, wendet sich an die Mitarbeiter im Info-Büro der Stadt Rotenburg.

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