Jagdhornbläserinnen „Les Amazones“ begeistern mit breitem Repertoire

Denkwürdiger Auftritt

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Musikalischer Anspruch und Humor: Wo passend, bemühte Ensemble-Gründer Wilhelm Bruns auch gern mal Accessoires wie Weihnachtsmütze oder Regenschirm.

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Musiker, die ihrem Publikum während des Konzerts den Rücken kehren, Halbtöne, die keine Rolle spielen und ein Repertoire zwischen Hubertus-Messe und gemeinsamen Weihnachtsliedern: Das Konzert der „Les Amazones“ am Freitagabend in der Stadtkirche war in vieler Hinsicht denkwürdig.

Nicht nur die Besetzung nahm sich mit zwölf Damen und einem Herrn eher ungewöhnlich aus, sondern ebenso die Instrumentierung: Eine reine Besetzung aus Parforcehörnern, noch dazu französischen D- anstelle der gängigeren Es-Instrumente mit weicherem Klang, ist selten zu hören, noch dazu in dieser Qualität. Optisch zunächst ungewohnt: Damit der Schalltrichter optimal zum Publikum gerichtet ist, spielen die „Amazonen“ mit dem Rücken zum Publikum. Bereits zum zweiten Mal hatten die ambitionierten Hobbymusikerinnen, vom Leiter der Naturhornakademie Wilhelm Bruns handverlesen. Viele sind selbst Leiterinnen von Ensembles und zum zweiten Mal aus allen Teilen Deutschlands auf Einladung der Jägerschaft Rotenburg und der Stadtkirche Rotenburg zusammengekommen. Die enge Verbundenheit dieser Art von Musik mit der Jagd, aus deren Umfeld das Instrument entstammt, spiegelte sich auch in der Auswahl der Stücke wider: So bestand der erste Programmpunkt des knapp eineinhalbstündigen Konzerts aus Teilen der Hubertusmesse.

Aus seiner Verbundenheit sowohl zur Jagd als auch zur Musik machte Bruns keinen Hehl: Aus seinen kundigen Einführungen und erklärenden Worten sprach die Leidenschaft für diese sehr spezielle Musik.

„Das bis vor 150 Jahren ausschließlich als Soloinstrument eingesetzte Horn war früher im Ensemble überhaupt nicht denkbar“, erfuhr das Publikum. Erstaunlich auch die Varianz der Klangfarben, wie Gruyers „L‘Amazone“ , der inoffiziellen „Hymne“ des Orchesters, verdeutlichte. Sie trösteten über so manchen gewöhnungsbedürftigen Halbton hinweg – die sind mangels Ventilen nämlich nicht darstellbar, wenn sie nicht in der Naturtonreihe vorkommen.

So gehörte auch die Eigenkomposition „Regen“, in der das Unwetter zunächst durch Windhauch, später durch Prasseln, Blitz und kakophonischem Donner in Szene gesetzt wurde, zu den Höhepunkten; zeigte sie doch auch den Einsatzmöglichkeiten für moderne Werke. Der zum Schluss aufgespannte Schirm zeigte ebenso wie die rechtzeitig zum ersten Weihnachtslied aufgesetzte Mütze: Hier stand nicht nur ein verdammt guter Musiker auf der Bühne, sondern auch einer, für den sich die Leidenschaft für Musik höchster Qualität nicht mit einem Schuss Humor ausschließen. Abgerundet wurde das Konzert von einer Reihe Weihnachtslieder, bei denen das Publikum stimmkräftig mitwirkte.

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