Diskussion um aktiveres Wolfsmanagement auch im Landkreis

Jäger sind sich noch uneins

Eine Gefahr für Mensch und Haustier sieht der hiesige Wolfsberater Jürgen Cassier nbicht – wohl anders als diese Grundstücksbesitzer in Brandenburg.
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Eine Gefahr für Mensch und Haustier sieht der hiesige Wolfsberater Jürgen Cassier nbicht – wohl anders als diese Grundstücksbesitzer in Brandenburg.

Rotenburg – Die Rückkehr des Wolfs bleibt in politischen Kreisen ein ebenso emotionales wie auch umstrittenes Thema. Niedersachsens Landesregierung will den Umgang mit Wölfen in einer neuen Verordnung neu regeln, um die Rückkehr der geschützten Tiere besser in den Griff zu bekommen. Auch im Landkreis Rotenburg ist Isegrim seit Jahren wieder anzutreffen. „Wir werden auf Zukunft hier mit dem Wolf leben müssen“, sagt Landrat Hermann Luttmann (CDU). Aus diesem Satz, den er in der vergangenen Woche im Umweltausschuss des Kreistags geäußert hat, schwingt allerdings auch die bekannte Skepsis mit: Luttmann gilt nicht als größter Anhänger des Wolfs.

Luttmann ist mit den Regierungsfraktionen von SPD und CDU in Hannover eins, die fordern, dass der Wolf ins Jagdgesetz aufgenommen wird. „Das ist nicht gleichbedeutend mit einer festen Jagdzeit auf Wölfe“, betont der Landrat. Wohl aber könne in Problemfällen dann schneller und unbürokratisch gehandelt werden. Der Wolf sei nicht mehr vom Aussterben bedroht und genieße durch EU-Recht „erheblichen Schutz“. Der werde durch die Aufnahme ins Jagdrecht nicht ausgehebelt, auch wenn er zum Teil „überholt“ sei. Ähnlich argumentiert die Landesregierung. Seit 2011/12 sei die Anzahl der nachgewiesenen Territorien um durchschnittlich 60 Prozent pro Jahr gestiegen. Aktuell lebten 35 Wolfsrudel und zwei Wolfspaare zwischen Harz und Nordsee, rund 350 Tiere, und die Übergriffe auf Nutztiere nähmen zu, heißt es. Im Landkreis gibt es Luttmanns Angaben nach vier bestätigte Wolfsrudel in Gnarrenburg, Heeslingen, Rotenburg und Visselhövede. Ein weiteres soll sich im Rum Scheeßel aufhalten. Jedes Rudel zähle drei bis elf Tiere. Auch der Landrat spricht von einem „erheblichen Anstieg der Nutztierrisse“. Gerade Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) müsse sich in der Sache deutlicher positionieren, damit man einheitlich vorgehen kann. „Sie wäre gut beraten, mit allen Interessengruppen einen Konsens zu finden. Bislang habe er aber den Eindruck, dass ihre Meinung „sehr in eine Richtung gesteuert ist“ – in die der Wolfsfreunde.

Als Naturschützer versteht sich natürlich auch Jürgen Cassier als ehemaliger Leiter der Kreis-Naturschutzbehörde. Er ist auch Wolfsberater und bestätigt Luttmanns Angaben zur Ausbreitung des Wolfes in der Region. Anders als sein Jagd-Partner, der im Kreishaus noch das Sagen hat, sieht er aber keine Notwendigkeit, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Die Regelungen seien beim Naturschutz weiter gut aufgehoben. Natürlich müsse man dabei aber auch auf die Hilfe der Jäger zurückgreifen. Er selbst habe auch gemeinsam mit Luttmann schon öfter Wölfe in ihrem Revier im Großen und Weißen Moor am Bullensee gesichtet. „Wir haben hier aber keine Probleme mit ihm“, betont Cassier. Zwar gebe es „vereinzelt Nutztierrisse“ vor allem von Rindern und Schafen, aber die Beute des Wolfes setze sich ganz überwiegend aus Rehen, Damwild und Wildschweinen zusammen. Da müsse man nicht eingreifen.

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