Philipp Holtermann über sein fünftägiges Festhängen auf einem Schiff

Die Inventur als Zeitvertreib

Das Fahrrad ist bei Landgängen stets der Gefährte von Phillip Holtermann.

Rotenburg - Von Vincent Wuttke. Das normale Büroleben ist Phillip Holtermann zu langweilig. Er liebt das Reisen und Radfahren. Da hat er den perfekten Job gefunden, um beides zu vereinen. Als Routenplaner für Radfans auf dem Schiff „MS Europa 2“ war er seit Januar auf Kreuzfahrt. Eigentlich wollte der Rotenburger erst Ende April wieder zu Hause sein. Doch das Coronavirus hat auch seine Pläne durcheinander gebracht. Seit einer Woche ist er wieder in der Heimat.

Das Ende der Kreuzfahrt war abrupt. In die spanischen Häfen ging es vor zwei Wochen schon nicht mehr, weil das Land die Häfen bereits zugemacht hatte. Also musste das Schiff einen Umweg nehmen, ladete im Hafen von Mallorca alle Passagiere ab, die dann per Charterflug nach Deutschland gebracht wurden. Holtermann hätte einsteigen können in ein Flugzeug, machte er aber nicht.

„Ich habe es mir überlegt, wie es wohl ist, wenn man lange Zeit nicht vom Schiff darf. Uns war klar, dass das passieren kann. Aber ich war dort wohl an einem der coronasichersten Orte der Welt. Und zu Hause war ja damals auch schon nichts mehr los“, begründet der 28-Jährige sein Bleiben. Das Schiff fuhr mit ihm weiter und landete schließlich in Marseille in Frankreich. Von dort ging es dann nicht mehr weiter – Endstation. Bedrückend für alle: Es durfte keiner das Schiff verlassen. Fünf Tage lang ging das so. Wie lange die Situation so bleibt, war für die Betroffenen zunächst unklar. „Es gab fast täglich neue Informationen, und es war alles ziemlich unübersichtlich“, berichtet der gebürtige Unterstedter.

Trotz der Isolation hatten die Verbliebenen während der Zeit ihren Spaß. Die rund 500 Gäste waren bereits alle von Bord, und so hatten die rund 380 Mitarbeiter des Schiffs ihre Freiräume. „Wir hatten ein buntes Programm“, so der ehemalige Handballer des TuS Rotenburg und Spielertrainer der 3. Herren der SG Unterstedt beim Fußball. Whirlpools, Fitnessraum, Bücherei, Konsolen, Kino und sogar die Band sorgten für viel Abwechslung. Und die Versorgung war auch kein Problem. Essensvorräte waren aufgrund der eingeplanten 500 Gäste genug an Bord, und die Köche lieferten den Angestellten ein gutes Mahl nach dem anderen. Es ging aber während der Zeit nicht nur um Entertainment. „Wir haben auch vieles gemacht, wozu wir sonst nicht kommen, wie aufräumen“, sagt Holtermann. Für ihn hieß das: Inventur der Fahhradabteilung. 15 Räder sind immer an Bord – eins für Holtermann und 14 für die Gäste. Wenn das Schiff in einem Hafen angelegt hat, bietet „Holti“ Touren auf zwei Rädern an. Das hat er bereits auf einem anderen Schiff von 2015 bis 2018 gemacht bei Kreuzfahrten. „Ich habe nun eine große Bestellung abgegeben mit vielen neuen Teilen“, sagt er.

Es ist aber auch kein Wunder, dass die Räder abgenutzt sind. Seit Januar und dem Start in Panama waren sie in Dauerbetrieb. Die Schiffsroute führte über Ecuador, Peru, Chile, Argentinien, Uruguay, Brasilien, die Kapverden, die Kanaren, Madeira und Lissabon. „Es war fantastisch. Wir waren mit dem Kap Horn unter anderem am südlichsten Ort der Welt und hatten das Glück, dass auch Städte wie Rio de Janeiro oder Buenos Aires sehr viele und gute Radwege hatten“, lobt der Experte. Eine Pause musste er lediglich in Recife und Salvador einlegen. Der Karneval machte Touren unmöglich.

Corona spielte auf der Reise lange keine Rolle. Da die Mitfahrer kaum Kontakt zur Außenwelt hatten, gab es auch keine besonderen Vorkehrungen gegen das Virus. „In der Südamerika-Zeit haben wir es nur mal in den Nachrichten gesehen. Das erste Mal haben wir auf Teneriffa gemerkt, dass die Lage brenzliger wird. Aber bis nach Lissabon lief für uns noch alles nach Plan“, so Holtermann. Es folgte aber das abrupte Ende der dreimonatigen Reise. Über die Flughäfen Marseille, München und Bremen ging es heim. Holtermann wartet nun auf die nächste Kreuzfahrt.

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