Internet soll flächendeckend schneller werden / Landkreis hat schon ausgebaut

Damit es nicht mehr ruckelt

+
Schnelles Internet überall? Besonders auf dem Land gibt es noch viele Baustellen.

Rotenburg - Von Ulf Buschmann. Ruckelfreie Videos schauen, online spielen, sich stundenlang in sozialen Netzwerken bewegen oder E-Mails mit großem Anhang versenden gehört zum Alltag. Privatleute und Betriebe und Unternehmen nutzen das Internet ganz selbstverständlich. Es macht die Kommunikation einfacher – scheinbar. Denn in vielen Regionen gibt es keinen Internetanschluss. Oder er ist so langsam, dass sich Betriebe benachteiligt sehen und Privatleute genervt sind.

Dies betrifft vor allem dünn besiedelte Landstriche. Die Menschen und Betriebe dort haben das Problem, dass sie in der Regel weitab vom nächsten Kabelverteiler sind – so weit, dass sich die Geschwindigkeit der Internetverbindung auf dem Stand von vor zehn oder sogar zwölf Jahren bewegt: bei teilweise zwei oder sogar nur 1,5 Megabit pro Sekunde, kurz MBit/s. Das ist die Einheit, mit der die Geschwindigkeit gemessen wird.

Wo es langsame Breitband- beziehungsweise Internetanschlüsse gibt, lässt sich nach Auskunft von Landkreis-Sprecherin Christine Huchzermeier nicht sagen: „Hier kann man keine bestimmten Regionen identifizieren.“ Der Landkreis habe bereits 2009/2010 begonnen, aus der eigenen Kasse den Ausbau schneller Verbindungen voranzutreiben. „Rund 85 Prozent der Hausanschlüsse können 30 MBit/s und mehr erhalten. Dementsprechend haben wir rund 15 Prozent unter 30 MBit/s und rund 46 Prozent der Hausanschlüsse unter 50 MBit/s“, ergänzt Huchzermeier.

Damit sind die Rotenburger zumindest auf dem Weg, das in der „Digitalen Agenda“ der Bundesregierung beschriebene Ziel eines republikweiten schnellen Internetzugangs von 50 MBit/s zu erreichen. Dies soll bis 2018 geschehen sein. Seit Ende Oktober steht auch der finanzielle Rahmen fest: Das Bundeswirtschaftsministerium fördert den Ausbau von schnellem Internet mit rund zwei Milliarden Euro. Weitere knapp 700 Millionen aus fünf Fördertöpfen legt das Land Niedersachsen drauf. „So viel Förderung gab es noch nie“, sagt Peer Beyersdorff, Geschäftsführer des Breitband Kompetenz Zentrums Niedersachsen. Es koordiniert die landesweiten Aktivitäten im Bereich der Förderung, die nach Beyersdorffs Worten „sehr komplex“ sind. Deshalb beraten die Fachleute des Breitband Kompetenz Zentrums derzeit Vertreter von Landkreisen und Gemeinden am laufenden Band. Außerdem können sich interessierte Vertreter der Gebietskörperschaften beim niedersächsischen Breitbandgipfel am Freitag in Osterholz-Scharmbeck informieren.

Der Schwerpunkt beim Ausbau liegt auf den ländlichen Gebieten. Sie sind seit vielen Jahren die Problemkinder. Hintergrund: Im Jahr 1998 hat die Europäische Union den freien Wettbewerb für den Telekommunikationsmarkt ausgerufen. Dies hat zwar dazu geführt, dass die Kosten für die Internetnutzung und das Telefonieren für die Kunden nach unten gegangen sind. Gleichzeitig hat sich die Marge für die Anbieter verringert. Seitdem heißt es bei Investitionswünschen in abgelegenen Landstrichen immer wieder: „Das lohnt sich nicht!“.

Zwar liegt Deutschland bei der Anzahl der stationären Breitband-Anschlüsse mit 29,57 Millionen – Stand Dezember 2014 – weltweit hinter den USA und Japan auf Platz drei. Doch der Anteil schneller Glasfaserleitungen liegt laut einer OECD-Studie von 2012 bei nur 0,75 Prozent. Von 32 untersuchten Ländern liegt die Bundesrepublik auf Platz 28. Dies schade nicht nur dem Ruf, sondern könne sich langfristig auch nachteilig für eine der größten Volkswirtschaften der Welt auswirken.

Deshalb wird in vielen Kommunen Niedersachsens derzeit richtig Gas gegeben. Denn die Anträge auf Förderung müssen bis zum 31. Januar gestellt werden. Grundlage für Geld aus dem richtigen Topf ist das sogenannte Markterkundungsverfahren. In diesem Rahmen wird festgestellt, wo es an schnellen Anschlüssen fehlt. Im Landkreis ist das laut Sprecherin Huchzermeier kein Thema. Dies sei bereits „vor dem eigenen Ausbauprojekt 2009/2010 geschehen“. Entsprechend entspannt lehnen sich die hiesigen Verantwortlichen zurück, denn einen konkreten Zeitplan für den weiteren Ausbau mit schnellen Anschlüssen gibt es derzeit nicht. „Die Aufrüstung auf flächendeckend 50 MBit/s ist extrem teuer, auch die maximale Fördersumme des Bundes reicht nicht aus, um diese Bandbreite zu gewährleisten“, erläutert Huchzermeier. Um das Geld effizient einzusetzen, würden sich Landkreis und Gemeinden nach aktuellem Stand auf die Bereiche konzentrieren, die nach dem eigenen Ausbauprojekt noch weniger als 30 MBit/s erhalten und nicht darauf, Anschlüsse mit heute 35 MBit/s auf 50 MBit/s hochzustufen, heißt es aus dem Kreishaus: „Dazu erfolgt derzeit eine Kostenberechnung für einen Ausbau auf flächendeckend 30 MBit/s, der auch fördermittelkonform ist. Auf dieser Basis wird dann gemeinsam mit den Gemeinden weiter entschieden, ob der Ausbau finanzierbar ist und ob gegebenenfalls Fördermittel beantragt werden sollen.“

Mehr zum Thema:

Germanwings-Absturz: Gutachten verärgert Hinterbliebene

Germanwings-Absturz: Gutachten verärgert Hinterbliebene

Ermittler rätseln über Motiv des London-Attentäters

Ermittler rätseln über Motiv des London-Attentäters

Trotz Tragödien im Mittelmeer wächst Kritik an den Rettern

Trotz Tragödien im Mittelmeer wächst Kritik an den Rettern

Riesige Open-Air-Ausstellung: València ist Feuer und Flamme

Riesige Open-Air-Ausstellung: València ist Feuer und Flamme

Meistgelesene Artikel

Westervesede: Noch jede Menge Müll vom Hurricane-Festival 2016 

Westervesede: Noch jede Menge Müll vom Hurricane-Festival 2016 

Hartmut Leefers: „Das ist ein schwieriger Prozess“

Hartmut Leefers: „Das ist ein schwieriger Prozess“

„Nicht akzeptabel“

„Nicht akzeptabel“

Kommentare