Internationaler Tag der Ersten Hilfe / Rotenburger Ausbilder fordert Pflicht

„Ruft den Rettungswagen!“

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Sascha Kray weiß, wie es geht – und möchte, dass das auch vielen anderen so geht.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Angst, sagt Sascha Kray, gehöre immer dazu. Auch die Angst, etwas falsch zu machen. Aber die sei unbegründet. „Du kannst nichts falsch machen“, sagt der hauptberuflicher Erste-Hilfe-Ausbilder, „außer du tust nichts.“ Am Internationalen Tag der Ersten Hilfe, der 2000 von der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Halbmondgesellschaften für den 12. September initiiert wurde, ruft Kray dazu auf, hinzusehen und aktiv zu werden – und fordert die gesetzliche Verpflichtung für Schulungen.

Es ist ein etwas seltsamer Appell am Ende der Unterrichtseinheit an diesem Freitagmittag, aber so schließt Kray jeden seiner Kurse, die er seit 2013 als erster hauptamtlicher Ausbilder für den DRK-Kreisverband Rotenburg gibt: „Ich hoffe, ihr müsst das Gelernte nie anwenden.“ Man merkt es dem 38-Jährigen aus Zeven sofort an, dass er eine Mission hat. Er möchte helfen, damit Hilfe geleistet wird. Seit 25 Jahren ist er Rotkreuzler, war viele Jahre ehrenamtlich in verschiedenen Kreisverbänden tätig, als er wegen einer Diabetes-Erkrankung seinen Beruf im Tiefbau aufgeben muss, wird das Hobby zum Beruf.

Dabei ist Helfen so einfach, beteuert er immer wieder. Das Wichtigste? Es gehe gar nicht darum, im Notfall selbst den Arzt zu spielen oder sich sogar in Gefahr zu bringen. Erste Hilfe sei vielmehr eine ganz menschliche Leistung: da sein, zuhören, trösten. Sich um den Verletzten kümmern, beruhigen: „Das ist die beste Medizin.“ Und natürlich aktiv werden, den Notruf wählen. Kray: „Es sterben jedes Jahr tausende Menschen, weil zu spät angerufen wird.“

Nur denjenigen, die nicht helfen, gaffen oder Handyfotos schießen, könne nicht mehr geholfen werden, sagt Kray. Sie müssten durchaus hart bestraft werden – was ja auch im Strafgesetzbuch entsprechend verankert ist. Kray sieht den Gesetzgeber aber noch mehr gefordert. Im Fünf-Jahres-Rhythmus sollte ein Basiskurs verpflichtend wiederholt werden, insbesondere bei Autofahrern. Im April seien die Bestimmungen geändert und damit vereinfacht worden, es seien nur noch neun Unterrichtseinheiten in einem Tageskurs notwendig, um eine entsprechende Bescheinigung zu erhalten. Der Ausbilder konzentriert sich dabei auf das Wesentliche des Helfens und nimmt so auch die Angst vor zu komplizierten Anleitungen. Wenn es hart auf hart komme, glaubt Kray übrigens an den Instinkt. Selbst wenn nicht mehr jeder Handgriff bei der stabilen Seitenlage passt: „Im Endeffekt weiß doch jeder, wie es geht.“

Kindergärten, Schulen, Berufsgenossenschaften, Fahrschüler und Firmen – der Terminkalender von Kray, der die ersten Kurse vor 15 Jahren als Freiwilliger gegeben hat, ist voll. Dabei könne man nie zu früh anfangen, betont er. In den USA seien Kurse in Kindergärten die Regel, hier die Ausnahme. Er habe festgestellt, dass schon Fünfjährige eine erstaunliche Fähigkeit besitzen, zu helfen – vom Mitgefühl für Betroffene ganz zu schweigen.

„Wem geholfen wurde, der hilft auch selbst“, sagt Kray und glaubt an seinen Job und seine Mission. Bestärkt werde er dabei durch Rückmeldungen wie zuletzt aus der Lauenbrücker Fintauschule, wo eine Sekretärin, die beim DRK einen Kurs belegt hatte, einer Schülerin, die sich im Chemie-Unterricht verletzt hatte, schnell helfen konnte. „So wird meine Arbeit belohnt.“

Infos zu Erste-Hilfe-Kursen beim DRK-Kreisverband Rotenburg unter 04261/97 410 oder

www.drk-row.de

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