Architekt Jörg-Henner Gresbrand engagiert sich als ehrenamtlicher Helfer

International im Einsatz

Das ist die Planung, die Jörg-Henner Gresbrand in Moldawien angefertigt hat.

Rotenburg - Von Guido Menker. Er war schon immer ein Weltenbummler. Viele Länder in nahezu allen Teilen der Welt hat Jörg-Henner Gresbrand in seinem bisherigen Leben besucht. Auch heute geht der Architekt und Stadtplaner, der bis 2015 insgesamt 25 Jahre im Bauamt der Stadt Rotenburg beschäftigt war, gerne auf Reisen. Allerdings nicht, um sich zu vergnügen. Er will helfen und lässt sich ehrenamtlich von der Organisation Senior Expert Service (SES) in Bonn als Stadtplaner buchen. Zwei Mal schon war er auf deren Vermittlung hin in China, außerdem absolvierte er Einsätze in Ägypten und Rumänien. Im vergangenen Monat kam eine dreiwöchige Hilfeleistung in Moldawien hinzu.

Vor fünf Jahren hat sich Gresbrand in den Experten-Pool beim SES aufnehmen lassen. Trudelt eine auf ihn zugeschnittene Anfrage aus Ländern vornehmlich in Afrika und Südamerika sowie in Osteuropa ein, erreicht sie ihn. Dann kann er in Ruhe entscheiden, ob es zeitlich und inhaltlich passt. Ist das der Fall, macht er sich auf den Weg. Die Gastgeber – es geht im Wesentlichen um Projekte in sogenannten Schwellenländern – zahlen den Flug, die Unterkunft und Verpflegung sowie ein kleines Taschengeld.

Moldawien, sagt Jörg-Henner Gresbrand, ist ein armes Land. Ehemals zur Sowjetunion gehörend, sei es heute zwiegespalten zwischen Ost und West. Es wisse nicht richtig, wo es hingehört und wohin es will. Eingeklemmt zwischen Rumänien und der Ukraine, lebe das Land mit seinen etwa 3,2 Millionen Einwohnern hauptsächlich vom Weinanbau und von der Landwirtschaft. „Die Menschen sind freundlich-distanziert“, erzählt Gresbrand in einem Gespräch mit der Rotenburger Kreiszeitung über seine neuen Aufgaben. 

Jörg-Henner Gresbrand engagiert sich ehrenamtlich unter dem Dach des Senior Expert Service (SES) als Architekt und Stadtplaner in vielen verschiedenen Schwellenländern. - Foto: Menker

Die Kinder seien immer fein herausgeputzt, die Erwachsenen hätten den Chic und den Charme des „Ostblocks“ noch nicht abgelegt. „Mit sozialen Einrichtungen sieht es in diesem Land eher mau aus.“ Viele Menschen verlassen es, um in Westeuropa oder auch in den USA Fuß zu fassen. In der Stadt Orhei habe sich vor etlichen Jahren eine kleine Non Government Organisation (NGO) gebildet – die Filantropia Cristina. Sie stehe den Schwächsten und Geschlagenen mit Rat und Tat zur Seite und hat den SES um Unterstützung gebeten. Es geht um eine Landschafts- und Hochbauplanung für ihr Gelände, auf dem sie – attraktiv und ökologisch gestaltet – verschiedene Einrichtungen zusammenführen will. Bislang steht dort nur eine katholisch-orthodoxe Kirche, ein Sozialzentrum befinde sich im Bau, und ein Gästehaus, eine Kantine mit Küche sowie ein Glockenturm, Spielbereiche für Kinder sowie ein zu integrierender Flusslauf mit Brücke sollen hinzukommen.

Das kleine Team der NGO sei außerordentlich dankbar und zugewandt. „Überhaupt“, so Gresbrand, „erfahre ich bei derartigen Einsätzen im Ausland eine Würdigung und Wertschätzung meiner Tätigkeiten, wie ich sie in 25 Jahren bei der Stadtverwaltung Rotenburg nicht erfahren habe.“ So mache Arbeit richtig Spaß. Denn vor Ort lerne er Menschen kennen, und das sei völlig anders als aus der touristischen Perspektive. Sprachliche Barrieren ließen sich meistens mit Englisch oder Dolmetschern überwinden. Gresbrand spricht von einer Win-Win-Situation für beide Seiten. Der 65-Jährige kann von sich behaupten, einen schönen Ruhestand zu genießen.

Die Arbeit der SES werde im Übrigen nicht nur vom Wirtschafts- sowie vom Entwicklungshilfe-Ministerium, sondern auch aus der deutschen Wirtschaft heraus unterstützt. Die Vermittlung der ehrenamtlichen Experten erfolgt also nicht nur aus rein barmherzigen Gründen. „Die Wirtschaft hofft, auf diesem Wege Kontakte in diese Länder zu bekommen und am Ende auch davon profitieren zu können.“ Vor allem dann, wenn es um Projekte geht, wie sie Gresbrand in China erlebt hat.

Dort, in der Stadt Quingdao, hatten die Behörden vor, einen komplett neuen Stadtteil für rund 600 000 Menschen aus dem Boden zu stampfen. Shopping, Wohnen und Gewerbe sollen dort verträglich nebeneinander platziert werden. Dazu gehöre auch ein Bereich für den Sport – verknüpft mit dem Wunsch, dass sich die örtlichen Fußballer für die erste Liga in China qualifizieren. Ein Ausbildungs- und Trainingszentrum großen Ausmaßes ist somit ein Teil der Planung. Zwei Mal zwei Monate war Gresbrand vor Ort – noch während seiner Zeit im Rathaus. „Ich habe dafür unbezahlten Urlaub genommen.“

Spannend sei auch sein Einsatz in Ägypten gewesen. Auf der Sinai-Halbinsel soll eine komplett neue Stadt für 300 000 Menschen entstehen. „Ein Riesen-Projekt“, erinnert sich Gresbrand an seine Reise dorthin vor zwei Jahren. Er sei dort in die Qualitätskontrolle eingebunden worden, sollte sich die Pläne vornehmen und Stellungnahmen dazu abgeben. Sind die Pläne so in Ordnung? Was müsste man anders machen? Geht das technisch so? Wie würden Sie es machen? Das waren die Fragen, auf die er Antworten zu finden hatte. In Rumänien ging es derweil um eine ruinöse Industriebrache einer Kleinstadt, die wieder auf Vordermann gebracht werden sollte. Eine Neuordnung war zu planen.

Langweilig wird dem Pensionär also nicht. Schließlich hat er auch zu Hause noch reichlich zu tun – unter anderem durch seinen Lehrauftrag an der Hochschule in Bremen. „Mir geht es gut“, sagt der Rotenburger Jörg-Henner Gresbrand, der nun darauf hofft, unter dem Dach des SES vielleicht auch mal einen Auftrag in Südamerika zu erhalten.

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