Flüchtlingskoordinator Manfred Kröger sieht positive Ansätze, macht aber auch kritische Anmerkungen

Integration braucht sehr viel Zeit

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Manfred Kröger ist Flüchtlingskoordinator in Rotenburg. 

Rotenburg - Hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel Recht mit ihrem Satz „Wir schaffen das“? Manfred Kröger, seit mehreren Monaten schon Flüchtlingskoordinator in Rotenburg, will sich da noch nicht festlegen. „Wir sind immer noch in einer Situation, in der wir zu gucken haben, wie wir das überhaupt schaffen“, sagt er.

Bislang wisse man zum Beispiel kaum etwas über die beruflichen Perspektiven der Flüchtlinge. Dabei gehe es um ganz einfache Fragen: „Wo sind die Arbeitsplätze? Wie sind die Wege dahin? Allerdings sind wir schon damit beschäftigt, die Arbeitsbiografien zu erfragen und zu erforschen sowie bestenfalls auch zu belegen.“

Aber es gibt auch Aspekte, die Kröger zurzeit gar nicht gefallen: Mit den vorgesehenen verpflichtenden Integrationskursen werde ein unnötiger „Popanz“ aufgebaut. Er fragt: „Wo bleiben denn dann die Integrationskurse?“ Und wo drückt sonst noch der Schuh? „Es sind vielfach scheinbar kleinere Aspekte. Beispielsweise die gesundheitliche Versorgung. Diese hat sich zwar im Verfahren mit dem Landkreis gebessert. Aber was ist mit Menschen, die noch keine Anerkennung haben und die geistig behindert sind?“ Als sträflich bezeichnet es Kröger, wenn psychisch kranke Flüchtlinge nach der Akutphase aus der Klinik entlassen werden und man im Prinzip auf die nächste Attacke warte.

Aber es gebe auch positive Aspekte: Die Kollegen, die auf dem Campus Unterstedt und am Glummweg die Flüchtlinge betreuen, machten einen „Top-Job“, so Kröger – und das „unter schweren Bedingungen“. Mit der Stadt sei man zudem ständig im Kontakt – „das finde ich gut“, fügt er hinzu. Die Kooperation sei konstruktiv.

„Wir schaffen das!“ – Kröger relativiert diesen Satz. „Ich weiß nicht, ob darüber nachgedacht worden ist, was das eigentlich alles bedeutet. Mit dem, was alles daran hängt, ist nie ehrlich umgegangen worden. Integration braucht mindestens fünf Jahre Zeit.“ Kröger meint, es sei eben nicht gesagt worden „Wir schaffen das, aber...“ Wir könnten nicht denken, dass die eine Million Menschen nach einem Jahr ein nettes, deutsches Leben führen. Der Flüchtlingskoordinator: „Ich denke, da wäre mehr Ehrlichkeit und vielleicht auch mehr Engagement nötig gewesen.“ Einen Wunsch äußert er zum Abschluss auch: „Die Verwaltungswege müssten einfacher sein. Das ist nach wie vor ein Problem.“ 

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