MVZ-Gesellschaft nicht wirtschaftlich / Zentren in Zeven und Verden sollen bleiben

Insolvenz trotz Auslastung

Die MVZ Diako Rotenburg, Tochtergesellschaft des Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg, hat in der vergangenen Woche Insolvenz beantragt. Hintergrund sei der Ärztemangel. - Foto: Menker

Rotenburg - Die MVZ Diako Rotenburg gGmbH hat Insolvenz beantragt – das teilte die Muttergesellschaft Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg in einem Schreiben an die Presse mit. Demnach sei eine Sanierung aller Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) in Sittensen, Zeven, Hoya und Verden nicht möglich. Bereits im Februar beziehungsweise März wurde bekannt, dass die Zentren in Sittensen und Hoya zum 31. Mai geschlossen werden.

Schon am 24. März sei die Insolvenz beim zuständigen Amtsgericht Walsrode beantragt worden. „Vorausgegangen waren diesem Schritt umfangreiche Bemühungen, die Medizinischen Versorgungszentren personell und wirtschaftlich tragfähig zu betreiben“, heißt es in der Mitteilung. Eine Weiterführung der 100-prozentigen Tochtergesellschaft des Diako Rotenburg sei jedoch in bisheriger Form nicht möglich. Schon mit der angekündigten Schließung der MVZ in Sittensen und Hoya habe sich das angedeutet, so Rainer W. Werther, Geschäftsführer der MVZ Diako Rotenburg und des Diako.

Trotzdem habe man im Vorfeld mit verschiedenen Gläubigern Kontakt aufgenommen, aber festgestellt: „Eine so umfassende Sanierung ist nicht möglich“, so Werther. Deshalb hätten sich die Verantwortlichen in der vergangenen Woche zu dem Schritt der Insolvenz entschieden. Von der Insolvenz sind etwa 40 Mitarbeiter betroffen, die an den vier Standorten tätig sind.

Die eigenständig arbeitende Gesellschaft sei nicht wirtschaftlich, heißt es in der Mitteilung weiter. Grund für die wirtschaftliche Schieflage sei vor allem der Ärztemangel im ländlichen Raum. „Dadurch konnten über längere Zeiträume die freien Arztstellen in den Praxen nicht besetzt werden“, begründete die Gesellschaft. Jan Ockelmann, der vorläufige Insolvenzverwalter, leite die Geschäfte ab sofort.

Zielsetzung sei es, die Gesellschaft zu sanieren und so eine wirtschaftliche Weiterführung für die beiden verbliebenen Standorte zu realisieren. „Das halte ich auch für realistisch“, betonte Werther. In Verden gebe es bereits ein tragfähiges Konzept, „das MVZ ist ausgelastet“. Auch für den Standort Zeven rechnet der Diako-Geschäftsführer mit stärkerem Zulauf – bedingt durch die Schließung des Zentrums in Sittensen.

Die Defizite der Gesellschaft habe zuvor das Diako aufgefangen. „Die wirtschaftliche Situation lässt Krankenhäusern keinen Spielraum, sodass unser Klinikum die Subventionierung des MVZ-Geschäfts nicht länger leisten kann“, so Werther. „Wir wollen den stetig zunehmenden Anforderungen an unser Klinikum gerecht werden – und dazu müssen wir investieren.“ Zum einen sei man dazu gegenüber den Patienten verpflichtet, zum anderen gegenüber den Mitarbeitern.

Die Patientenzahlen hätten in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen, die Patienten im Klinikum würden durchschnittlich immer älter. „Wir wollen altersgerechte Medizin und Pflege für unsere Patienten anbieten. Die dafür notwendigen Investitionen müssen wir selbst erwirtschaften, anders als andere, insbesondere öffentliche Krankenhäuser, erhalten wir keine finanziellen Hilfen“, so Werther. Die Investitionszuschüsse vom Land Niedersachsen seien bei weitem nicht ausreichend.

Das „strukturelle Problem, insbesondere des Hausärztemangels auf dem Land“ könnten die MVZ nicht alleine lösen, führte Rainer W. Werther weiter aus. Doch die Verantwortlichen wollen nach einer Lösung suchen. Um Ideen und Maßnahmen gegen den Mangel zu entwickeln, veranstaltet das Diako im April einen Runden Tisch, zu dem auch Beteiligte aus Stadt, Politik und Verbänden geladen seien, kündigte der Geschäftsführer an. Als Vorbild sollen andere Regionen dienen, „dort funktioniert es doch auch“. - iq

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