An der Spitze der Tischler-Gesellen und bei „Die gute Form“

Innungsbester Jannik Cordes räumt alles ab

Stefan Kalt überreicht Pokal und Urkunde an Jannik Cordes (3. v.l.). Obermeister Heiko Siegmann (v.r.), Jean Carlos Eckstein und Ole von Piechowski sowie Olaf Achtabowski (Sparkasse Scheeßel) und Ingo Düker freuen sich mit den erfolgreichen Handwerksgesellen.
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Die Innungsbesten bei den Tischlern: Stefan Kalt überreicht Pokal und Urkunde an Jannik Cordes (3. v.l.). Obermeister Heiko Siegmann (v.r.), Jean Carlos Eckstein und Ole von Piechowski sowie Olaf Achtabowski (Sparkasse Scheeßel) und Ingo Düker freuen sich mit den erfolgreichen Handwerksgesellen.

Die Rotenburger Tischlergesellen präsentieren ihre praktischen Ergebnisse in der Sparkasse Rotenburg Osterholz am Pferdemarkt. Dabei hat sich der 24-jährige Jannik Cordes mit einem besonderen Stück an die Spitze gesetzt.

Rotenburg – Mit einem Barschrank in Eiche, geräuchert und geölt, hat sich der 24-jährige Jannik Cordes bei den Gesellenprüfungen der Rotenburger Tischlerinnung nicht nur als Innungsbester, sondern auch als Sieger im Wettbewerb „Die gute Form“ an die Spitze gesetzt. Obermeister Heiko Siegmann geriet regelrecht ins Schwärmen, als er am späten Montagnachmittag die Ausstellung der Gesellenstücke dieses Jahres in der Sparkasse Rotenburg Osterholz am Pferdemarkt eröffnete. „Tolle Ergebnisse“ seien das, „abwechslungsreich, pfiffig. Mal wieder Teak und Esche, aber auch strukturierte Furniere und gebürstetes Holz. Klasse!“ So gut seien die praktischen Ergebnisse, dass er den jungen Männern – elf waren diesmal zur Prüfung angetreten – eine positive Zukunft vorhersagt hat: „Ihr werdet in den Betrieben gebraucht. Die Türen stehen weit offen.“

Das gilt natürlich auch für Jannik Cordes. Schließlich steht für ihn unter dem Strich eine im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnete Ausbildung in der Tischlerei der Rotenburger Werke. Dass er dort nun auch ein Job-Angebot als Geselle erhalten hat, versteht sich fast von selbst. Doch der junge Mann hat andere Pläne: „Ich habe mich für einen Vertrag in einer deutlich kleineren Zwei-Mann-Tischlerei in Vahlde entschieden“, sagt er zum Abschluss seiner schon zweiten Berufsausbildung. Nach dem Abitur an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Rotenburg hat er eine Lehre als Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik hinter sich gebracht. „Aber ich habe dann doch lieber mit Holz zu tun“, erkärte der 24-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. In den kommenden Jahren wolle er mehr Erfahrungen in seinem Beruf sammeln – und zwar in allen Bereichen, die für Tischler so anfallen. Und dann werde er sich an die Meisterprüfung heranwagen – mit dem Ziel, irgendwann sein eigener Chef zu sein.

Es ist ein Tag, an dem die ganze Anspannung abfällt. Und die war hoch während der Prüfung. Im Betrieb hatte er 80 Stunden – also zwei Arbeitswochen – Zeit, um sein Gesellenstück anzufertigen. Er sei ordentlich ins Schwitzen geraten – und das vom ersten der zehn Tage an. Vor allem zu Beginn der Arbeit sei es wichtig, sich nicht zu verschneiden, im weiteren Verlauf dann könne ein Fehler die Arbeit von ein oder zwei Tagen zunichte machen. „In der zweiten Woche lief der Schweiß dann so richtig“, schilderte Cordes seine Erinnerungen an die praktische Prüfung. Doch jetzt ist es geschafft, stolz nahm er den Pokal und das Preisgeld entgegen; Jannik Cordes kann sich nun auf Landesebene mit den Besten messen. Zweitbester in der Gesellenprüfung wurde Ole von Piechowski, Dritter Jean Carlos Eckstein.

Der Innungsbeste am Barschrank: Jannik Cordes.

Auszeichnungen gab es darüber hinaus für die drei Besten im Wettbewerb „Die gute Form“. Hinter Jannik Cordes erreichte Janis Hansemann Platz zwei und Bastian Grube Rang drei. Auch sie erhielten Geldpreise und Urkunden. In dieser Kategorie bewerten die Experten nicht nur die Idee und die Gestaltung sowie die Funktionalität, sondern außerdem einen nicht weniger wichtigen Aspekt: Passt das Stück in die heutige Zeit?

Bastian Grube hat bei Köster Einrichtungen in Rotenburg gelernt und einen Badschrank gefertigt. Janis Hansemann als Auszubildender der Rotenburger Werke baute einen Schreibtisch aus Eiche. Bei „Die gute Form“ hat Johannes Henke den Hut auf. Stellvertretend für die drei Kreditinstitute – Sparkasse Rotenburg Osterholz, Sparkasse Scheeßel und Volksbank Wümme-Wieste – hatte Stefan Kalt als Hausherr die Gäste begrüßt und den Pokal samt Preisgeld an den Innungsbesten überreicht. Im kommenden Jahr wird die Volksbank in Sottrum Gastgeberin sein.

Sehr spannend war das, was bei dieser Ausstellungseröffnung Ingo Düker zu berichten hatte: Er ist Fachlehrer an den BBS und gehörte zum Prüfungsteam. Neun der elf Prüflinge haben am Ende bestanden. Neben dem Anfertigen des Gesellenstücks sowie der theoretischen Prüfung war auch noch eine sogenannte Arbeitsprobe nach vorgegebener Zeichnung und Maßen mit benoteter Maschinenarbeit nach sieben Stunden abzugeben. Bei der theoretischen Prüfung gab es fünf Prüfungsarbeiten an zwei Vormittagen in den BBS – zu den vier Bereichen Gestaltung und Konstruktion, Planung und Fertigung, Montage und Service sowie Wirtschafts- und Sozialkunde und Deutsch.

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Sehr umfangreich für die angehenden Tischler sind die Bewertungskriterien in der praktischen Prüfung: Da fallen nicht nur die Entwurfsmappe, der Arbeitsplan, die Material- und Beschlagsliste, sondern auch eine genaue Fertigungszeichnung ins Gewicht. Maß- und Formgenauigkeit – vor allem die Übereinstimmung mit der Zeichnung –, eine fachgerechte Auswahl der Konstruktion sowie der Werkstoffe, das Gestaltungskonzept, das Passen der Verbindungen, der Beschlageinbau und schließlich die Funktionalität der beweglichen Teile – Türen also oder auch Schubfächer – machten am Ende die Benotung aus.

Für Jannik Cordes ist das alles richtig gut gelaufen. Seinen Barschrank, das weiß er, wird er ein Leben lang in Ehren halten. „Das ist schon etwas ganz Besonderes.“ Ob er am Abend schon die als Deko dienende Whiskey-Flasche mit nach Hause genommen hat, ist allerdings nicht bekannt. Die Gesellenstücke bleiben auf jeden Fall bis zum 24. September ausgestellt, heißt es.

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