Ingrid Liedtke vom Gesundheitsamt des Landkreises Rotenburg über die Wasserqualität der Freibäder

„Der Gast kann sich sicher fühlen“

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Die Wasserqualität der Freibäder in der Region wird ständig im Auge behalten.

Rotenburg - Von Inken Quebe. Es ist Sommer, es sind Ferien, und wenn das Wetter stimmt, heißt es: Ab ins kühle Nass! Aber wie steht es eigentlich um die Wasserqualität in den hiesigen Freibädern? Wie oft untersucht das Gesundheitsamt das Wasser dort? Was bedeutet es für die Gesundheit von Besuchern, wenn die Qualität nicht stimmt? Darüber haben wir zum Auftakt unserer sommerlichen Freibadtest-Serie, die in der kommenden Woche beginnt, mit Ingrid Liedtke gesprochen. Sie ist Gesundheitsaufseherin des Landkreises Rotenburg.

Wie oft untersucht das Gesundheitsamt die Freibäder?

Ingrid Liedtke: Die Freibäder im Landkreis Rotenburg werden routinemäßig einmal im Monat chemisch-physikalisch und mikrobiologisch untersucht.

Und wie läuft das genau ab?

Liedtke: Aus jedem Becken werden Wasserproben entnommen und auf verschiedene Parameter untersucht. Mit einem mitgeführten Chlormessgerät werden vor Ort das freie und das gebundene Chlor sowie der pH-Wert bestimmt. Mit einer sterilen Flasche wird eine weitere Wasserprobe gezogen, die dann im kreiseigenen Wasserlabor auf mikrobiologische Parameter untersucht wird.

Untersuchen Sie auch etwas anderes abgesehen vom Wasser?

Liedtke: Einmal jährlich erfolgt eine sogenannte Schwimmbadbegehung durch das Gesundheitsamt. Dabei werden die hygienischen Gegebenheiten – unter anderem die sanitären Anlagen und Duschen – überprüft. Im Rahmen der Betreiberpflichten müssen die Betreiber der Schwimmbäder zum Beispiel täglich Chlor- und pH-Wert-Messungen durchführen und dokumentieren. Es müssen Filter-Rückspülungen, Besucheranzahlen, Frischwasserzugaben, Reinigungen und jede auftretende Besonderheit schriftlich festgehalten werden. Diese Dokumentation wird bei der Schwimmbadbegehung überprüft. Es wird auf die Sauberkeit der Becken und die Klarheit des Wassers geachtet. Im Erste-Hilfe-Raum wird die nötige Ausstattung kontrolliert. Es dürfen zum Beispiel keine überlagerten Verbandsmittel oder gar Medikamente im Falle einer Erstversorgung eingesetzt werden.

Welche Werte spielen eine Rolle? Und ab wann sind sie gefährlich?

Liedtke: Die Untersuchungsparameter sind in der DIN 19643 geregelt, dort sind auch die Grenzwerte festgehalten. Im Wesentlichen geht es dabei um den Chlor- und Keimgehalt. Da es sich nicht um steriles Wasser handelt, ist eine gewisse Zahl von Keimen im Beckenwasser vorhanden. Es darf sich dabei jedoch nicht um krank machende Keime handeln, für diese liegt der Grenzwert bei null. Sofern sich bei den festgestellten Ergebnissen Grenzwertüberschreitungen zeigen, werden die Betreiber sofort informiert, sodass das Fachpersonal in den Bädern entsprechend handeln kann. Bei einer mikrobiellen Belastung wird das Becken gesperrt und eine Reinigung und Hochchlorung durchgeführt, bei Nichteinhaltung der chemischen Werte müssen Einstellungen an der Mess- und Regeltechnik durchgeführt werden. Nach Grenzwertüberschreitungen werden außerdem Kontrollproben untersucht. Der Badegast kann sich insgesamt bezüglich der Wasserqualität schon sicher fühlen.

Gibt es Möglichkeiten für Laien, „unnormale“ Werte zu erkennen?

Liedtke: Für den Badegast ist es sehr schwierig, „unnormale“ Werte zu erkennen. Eine mikrobielle Belastung ist visuell nicht wahrnehmbar. Sollte das Beckenwasser jedoch trübe sein, deutet das auf Störungen der Wasserchemie hin. In einem solchen Fall empfehle ich, den Schwimmmeister direkt darauf anzusprechen, damit er entsprechende Schritte einleiten kann. Der typische „Schwimmbadgeruch“, der starke Geruch nach Chlor, bedeutet nicht, dass das Wasser besonders gut gechlort ist, sondern zeigt, dass der gebundene Chlorwert zu hoch ist.

Was kommt typischerweise an Untersuchungsergebnissen vor, die nicht normal sind?

Liedtke: Der Grenzwert für gebundenes Chlor liegt sehr niedrig. Dieser Wert weist – einfach ausgedrückt – auf den Gehalt an Abbauprodukten im Beckenwasser hin. Diese bestehen vorwiegend aus menschlichen Eintragungen wie Haaren, Hautschuppen, Seifenresten und Sonnenmilch. Befinden sich viele Badegäste im Becken, kann es zu einer kurzfristigen Grenzwertüberschreitung kommen. Die Messungen, die das Gesundheitsamt durchführt, sind immer Momentaufnahmen. Die Werte können beispielsweise eine Stunde später – aufgrund der laufenden Filtration des Beckenwassers – schon ganz anders aussehen. Daher ist es wichtig für die Beurteilung einzelner Parameter, den Verlauf der gesamten Saison zu sehen.

Gibt es bei uns Auffälligkeiten? Man hat ja schon öfter von Legionellen im Wasser gehört.

Liedtke: Im Rahmen der Betreiberpflichten lassen die Träger der Schwimmbäder das Warmwasser, das auch für die Duschen benutzt wird, regelmäßig auf Legionellen untersuchen. Auch diese Ergebnisse werden vom Gesundheitsamt überprüft. In diesem Bereich gibt es selten Probleme. In der laufenden Saison sind bisher keine Auffälligkeiten bekannt.

Was passiert, wenn solche Auffälligkeiten auftauchen?

Liedtke: Auch dort gibt es einen genauen „Ablaufplan“. Es ist genau geregelt, wie zu verfahren ist. Diese Regelungen gelten für alle öffentlichen Einrichtungen, in denen Wasser an Dritte abgegeben wird und die Möglichkeit zum Duschen besteht. Beim Nachweis von Legionellen liegt die Ursache häufig in technischen Störungen wie zum Beispiel defekten Pumpen oder in einer zu niedrigen Ausgangstemperatur. Die Bakterien in den Leitungen vermehren sich vorwiegend im lauwarmen Wasser. Die Erhöhung der Ausgangstemperatur auf mindestens 60 Grad Celsius wirkt dem Legionellenwachstum entgegen. Durch technische Maßnahmen und thermische Desinfektion – Erhitzen auf mehr als 70 Grad Celsius – lässt sich eine Verkeimung sanieren. Nach einer solchen Auffälligkeit werden kurzfristige Kontrollen durchgeführt, die Ergebnisse müssen dem Gesundheitsamt vorgelegt werden.

Wenn es vorher nicht auffällt: Mit welchen Beschwerden müssen Badende zum Beispiel rechnen?

Liedtke: Wenn die Chlorwerte zu hoch sind, können gerötete und tränende Augen auftreten. Beim Verschlucken von keimbelastetem Beckenwasser können Beschwerden im Magen-Darm-Bereich wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Bauchschmerzen auftreten. Das Baden mit offenen Wunden ist generell nicht empfohlen, ansonsten können Störungen bei der Wundheilung auftreten. Vor allem bei Kindern wird auch das Vorkommen von Mittelohrentzündungen beobachtet.

Im Sommer sind auch Badeseen eine Anlaufstelle. Wie verhält es sich mit den Badeseen im Landkreis, was die Überprüfung angeht?

Liedtke: Die Badeseen im Landkreis werden gemäß der Niedersächsischen Badegewässerverordnung seitens des Gesundheitsamtes des Landkreises Rotenburg überwacht. Die Badesaison liegt in der Zeit vom 15. Mai bis 15. September eines jeden Jahres. In dieser Zeit werden jeweils mindestens fünf Proben untersucht. Die Ergebnisse der Überprüfung sind im Niedersächsischen Badegewässeratlas und auf der Internetseite des Landkreises Rotenburg einsehbar.

Was sind die Unterschiede zum Freibad?

Liedtke: Die Badegewässer werden ausschließlich auf krankmachende Keime untersucht. Das sind Intestinale Enterokokken und Escherichia coli. Außerdem wird darauf geachtet, ob sich im Gewässer Auffälligkeiten zeigen wie zum Beispiel außergewöhnliche Schlieren- oder Geruchsbildung, die auf Algenbelastung hinweisen könnten.

An welchen Badeseen gibt es aktuell Probleme und welche?

Liedtke: Bei uns im Landkreis sind der Bullensee und der Weichelsee gemeldete Badegewässer, die nach EU-Richtlinien seitens des Gesundheitsamtes überwacht werden. Beide Badeseen zeigen sehr gute Werte und sind im Niedersächsischen Badegewässeratlas mit „ausgezeichneter Wasserqualität“ bewertet.

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