Am 1. Juni soll es im Ratssaal um alle Fragen zu einer IGS-Oberstufe gehen

Information statt Ideologie

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Gibt es in den kommenden Jahren unter dem Dach der IGS Rotenburg auch eine Oberstufe? Mit dieser Frage beschäftigen sich der Bürgermeister, die Schulen und die Eltern zurzeit in der Kreisstadt. Die Diskussionen sind mitunter hitzig.

Rotenburg - Von Guido Menker. Rotenburg beschäftigt sich zurzeit mit der Frage, ob es künftig auch an der Integrierten Gesamtschule (IGS) eine Oberstufe geben soll. Die Diskussionen darüber zeigen allerdings, dass es mit Blick auf eine Entscheidung dazu noch einen großen Informationsbedarf gibt. Das sagt Bürgermeister Andreas Weber (SPD) – und deshalb hat er für kommenden Donnerstag, 1. Juni, um 19.30 Uhr zu einer Informationsveranstaltung in den Ratssaal eingeladen.

Nachdem die SPD während der Verabschiedung des Rotenburger Haushaltes im Stadtrat erstmals öffentlich das Bestreben angesprochen hatte, sich für die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an der IGS einzusetzen, gibt es Stellungnahmen aus vielen Richtungen. Eltern und Elternvertreter, Schulen und auch die Parteien beziehen Position. Eine Reihe von Beiträgen zu diesem Thema sind erheblich von schulpolitischer Ideologie getragen. Weber bezeichnet diesen Umstand als „sehr enttäuschend“, schließlich bedeute eine weitere Oberstufe in Rotenburg mehr eine Chance denn eine Gefahr. Der Bürgermeister führt das Beispiel Osterholz-Scharmbeck an: Dort werde die für Rotenburg angestrebte Koexistenz dreier Oberstufen an einem herkömmlichen Gymnasium, einer IGS sowie einer Berufsbildenden Schule (BBS) bereits seit mehr als zehn Jahren erfolgreich mit Leben gefüllt. Es gehe um eine Kooperation, sagt Weber. Inge Kerlinski, Schulleiterin der Integrierten Gesamtschule Osterholz-Scharmbeck, werde daher am 1. Juni zur Info-Veranstaltung in Rotenburg erwartet. Weber: „Wir wollen den Ängsten mit Informationen begegnen.“

Potenzial-Einschätzung im September 2018

Dafür bleibt den Oberstufen-Befürwortern noch etwas mehr als ein Jahr Zeit. Denn: Etwa im September nächsten Jahres wird die IGS-Schulleitung eine Potenzial-Einschätzung vornehmen und auch vorlegen müssen. Die Frage dabei: Gibt es ausreichend Schüler für den Start einer IGS-Oberstufe? 54 müssten es mindestens sein, wie Andreas Weber berichtet. Liegt dieses Potenzial vor, kann der Antrag auf Einrichtung der Oberstufe gestellt werden. Vorausgesetzt, der Stadtrat spricht sich für genau diesen Weg aus.

Ein Jahr bleibt Zeit, und die will Weber nutzen, weil er selbst auch zu den Befürwortern gehört. Eine IGS, sagt er, funktioniere mit ihrer Ausrichtung vor allem dann richtig gut, wenn sie eine komplette Schule mit den Jahrgängen 5 bis 13 sei.

Dass die IGS in Rotenburg „eine tolle neue Schule“ ist, unterstreicht auch der FDP-Landtags- und Kreistagsabgeordnete Jan-Christoph Oetjen (FDP). Es müsse das Ziel sein, alle Schulen auf diesem Niveau auszustatten. Die umstrittene IGS-Oberstufe war das Thema bei einer Versammlung der Rotenburger Freidemokraten. Unter der Leitung des Ratsherrn Gunter Schwedesky diskutierten die Mitglieder mit dem Schulleiter der IGS, Sven Thiemer, der seine Schule mit ihrem besonderen pädagogischem Konzept vorstellte. Aber: „Aus Sicht der FDP kommt die Diskussion zur Unzeit. Wir haben bisher wenig Erfahrungen über die Ergebnisse der Arbeit der IGS sammeln können. Die Diskussion über die Ergänzung um eine Oberstufe komme zu einem zu frühen Zeitpunkt“, meint Schwedesky. Nach Ansicht des Rotenburger FDP-Chefs müsse vor der Entscheidung für eine IGS-Oberstufe zunächst geklärt sein, dass ausreichend Schüler für ein qualitativ hochwertiges Angebot vorhanden seien. „Vielleicht wäre es in den ersten Jahren sinnvoller, dass Ratsgymnasium, BBS und IGS bei der Oberstufe kooperieren, anstatt ein neues System aufzubauen.“

Nicht nur für die Lehrer und Eltern

Es tun sich ganz offensichtlich viele inhaltliche Fragen auf, aber zugleich gibt es schon jetzt mehr oder weniger festgefahrene Einschätzungen und Meinungen. Das zeigt sich auch in der Debatte, die sich nach einer Abstimmung im Stadtelternrat entwickelt hat. Wie dessen Vorsitzende Marje Grafe (SPD) mitgeteilt hatte, habe sich das Gremium einstimmig für die Einrichtung einer Oberstufe an der IGS ausgesprochen. Diese Nachricht hat die Elternvertreter der BBS und auch des Ratsgymnasiums gar nicht gefallen. In der dann folgenden Auseinandersetzung ging es aber weniger um die Sache an sich, als vielmehr um die Frage, warum denn nicht alle Elternvertreter zu dieser Versammlung eingeladen worden sind, sowie um Zweifel daran, dass es überhaupt eine solche Abstimmung gegeben habe.

Bei einigen der Beteiligten liegen die Nerven blank. Doch der Bürgermeister versichert: Diese Debatte, die vor allem über die Kreiszeitung geführt worden ist, sei nicht der Grund für die Einladung zur Informationsveranstaltung. Sie mache allerdings – ebenso wie die öffentlichen Stellungnahmen bis dahin – deutlich, wie wichtig es sei, für Aufklärung zu sorgen. Wie funktioniert die Oberstufe an einer IGS? Welche Auswirkungen hat sie auf die anderen Oberstufen in der Kreisstadt? Wie ist es um den Bedarf bestellt?

Auch Politik und Wirtschaft eingeladen

Antworten vor allem auch zum erforderlichen Verfahren verspricht sich Weber von der Teilnahme der schulfachlichen Dezernentin der Landesschulbehörde, Marianne Assenheimer. Eingeladen seien alle, die an dem Thema interessiert sind – also nicht nur Eltern und Lehrer, sondern auch Vertreter der Parteien sowie des Rotenburger Wirtschaftsforums.

Friedhelm Horn, Studiendirektor am Ratsgymnasium und stellvertretender Schulleiter, spricht indes von einer „Propaganda-Veranstaltung“ für den Fall, dass der BBS-Schulleiter Wolf Hertz-Kleptow sowie die Leiterin des Ratsgymnasiums, Ines Rehder, nicht mit auf dem Podium säßen, um einen inhaltlichen Beitrag zu leisten. BBS und Ratsgymnasium – in Trägerschaft des Landkreises – stehen einer dritten Oberstufe skeptisch gegenüber. Am Ratsgymnasium sorgen sich Lehrer und Eltern um die Aufrechterhaltung des breit gefächerten Kursangebotes.

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