Ärzte und Krankenkassen empfehlen Impfung

Influenza erreicht Höchststand

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Wer noch keine Grippeimpfung hatte, sollte den Besuch beim Doktor nachholen, auch wenn sich die Saison dem Ende neigt. 

Rotenburg - Von Joris Ujen. Plötzlich auftauchendes Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen, gefolgt von einem trockenen Reizhusten. Das sind erste typische Symptome für eine Influenza-Infizierung. Die Grippewelle hat einen neuen Höchststand in Niedersachsen erreicht, berichtet das Landesgesundheitsamt.

Auch in Rotenburg merken die Arztpraxen einen Anstieg an Grippeerkrankten. „Von Januar bis März behandeln wir jedes Jahr immer die meisten Patienten mit dem Influenzavirus“, erzählt Dr. Hendrik Busse. Der Facharzt für Allgemeinmedizin und zweiter Vorstandsvorsitzender der Ärztevereinigung Kreis Rotenburg: „Das hält uns momentan ganz gut in Atem.“ Erfahrungsgemäß werde aber die Verbreitung des Virus’ in den kommenden Wochen abnehmen.

In den vergangenen zwei Wochen haben Busse und seine Mitarbeiter rund 20 Grippeerkrankte in ihrer Praxis an der Straße Hemphöfen 17a behandelt. Im Regelfall seien das während einer Grippesaison zwei bis acht Patienten, die sich mit der Infektionskrankheit angesteckt haben. Der grassierende Virus wird in drei Gattungen unterteilt, erklärt der Allgemeinmediziner: Influenza A, B und C. Erstere gelte als die gefährlichste Unterordnung, die sich durch einen „schlagartigen Beginn“ der Infektion bemerkbar mache und auch zum Tod führen kann. „Wesentlich milder fällt die Influenza B aus und tritt hauptsächlich bei Menschen mit einem schwachen oder noch nicht entwickelten Immunsystem auf.“ Sprich: junge sowie ältere Menschen. Noch unproblematischer sei die C-Variante.

Dreifach-Impfung reicht nicht immer aus

Busse empfiehlt, sich impfen zu lassen. „Auch wenn die Grippewelle in den nächsten vier Wochen stark abnehmen sollte und es bis zu zwei Wochen dauern kann, bis der Impfstoff seinen maximalen Schutz aufgebaut hat.“ Allerdings habe der Hausarzt auch schon Fälle gehabt, wo der Virus erst nach der Impfung aufgetreten ist. „Viele Grippeviren, die aktuell im Umlauf sind, werden durch die Dreifach-Impfung gar nicht abgedeckt“, bemängelt Busse und fordert eine Diskussion über die standardisierte Einführung des Vierfach-Impfstoffes bei Risikopatienten. Der ist jedoch teurer als der überwiegend angewandte Schutz, der von den Krankenkassen bezahlt wird.

Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) Rotenburg spricht sich in einer Pressemitteilung ebenfalls für die tetravalente Impfung aus und übernimmt die Kosten für Risikopatienten schon seit Anfang Dezember 2017. Der Vierfachschutz wird auch von oberster Stelle empfohlen: Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) mit Sitz in Berlin hatte am 11. Januar die aktuelle Grippewelle in ihre Impfempfehlung aufgenommen. Bis es durch Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zu einer Kassenleistung wird, kann es allerdings bis zu drei Monate dauern, bedauert Reiner Sterna, Leiter des Servicezentrums der DAK-Gesundheit in Rotenburg. „Wir können nicht warten, bis die Impfsaison vorüber ist. Deshalb haben wir uns schon jetzt für die neue Leistung entschieden.“

„Bei bakteriellen Infekten ist ein Arztbesuch zu empfehlen“

Die STIKO empfiehlt eine Grippeimpfung nur für Menschen, die ein hohes Risiko für einen schweren Grippeverlauf tragen: ältere Menschen, chronisch Kranke und Schwangere. Und auch die diejenigen, die im ständigen Kontakt mit Risikopatienten sind. Wer bereits den Dreifach-Schutz hat, benötigt prinzipiell keinen Vierfach-Impfstoff, es sei denn, auf Empfehlung des Arztes. „Bei bakteriellen Infekten, die sich beispielsweise durch eine Mandel- oder Lungenentzündung bemerkbar machen, ist ein Arztbesuch zu empfehlen“, rät Busse. Dann müssten auch Antibiotika verabreicht werden. Fällt der grippale Infekt nicht so akut aus, so der Allgemeinmediziner aus Rotenburg, ist Schonung für den Körper wichtig sowie „viel Flüssigkeit, Obst und Gemüse“.

Um das Risiko für eine Ansteckung zu minimieren, ist auch die Körperhygiene, speziell das Händewaschen, prophylaktisch sinnvoll. „Gut ist, sich im Winter häufiger als sonst die Hände zu waschen und zu desinfizieren“, lautet der Tipp von Reiner Sterna. Regelmäßiges Lüften senke zudem die Infektionsgefahr. Denn der Krankheitserreger kann sich besonders in geschlossenen Räumen mit trockener Luft lange halten.

Auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts stehen noch viele weitere nützliche Informationen zum aktuellen Influenza-Virus bereit.

www.rki.de

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