Probleme durch Astrazeneca-Stopp

Impfaktion für Über-80-Jährige in Rotenburg

Elly Ludwig erhält ihre Dosis des Vakzins vom Impfberechtigten Enno Bruns.
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Die 84-jährige Elly Ludwig erhält als eine der Ersten am Mittwoch ihre Dosis des Vakzins. Gut gelaunt scherzt sie mit Enno Bruns, der ihr den Impfstoff verabreicht.

Auch in Rotenburg wird nun dezentral geimpft: 600 der Über-80-Jährigen erhalten am Mittwoch und Donnerstag ihre erste Dosis. Ihre Termine mit dem Biontech/Pfizer-Vakzin sind gesichert, aber die Aussetzung von Astrazeneca verursacht Probleme.

  • 50 Helfer sorgen für einen reibungslosen Impfablauf in der Pestalozzihalle.
  • 95 Prozent aller Rotenburger über 80 Jahren sind nach Donnerstag erstmalig geimpft.
  • „Geänderte Spielregeln“ bei Astrazeneca: Neue Planung notwendig.

Rotenburg – Während draußen vor der Pestalozzihalle an der Gerberstraße die Schlange der Wartenden um kurz vor 9 Uhr am Mittwochmorgen immer länger wird, legen die Helfer im Inneren des Gebäudes an den drei Impfstraßen letzte Hand an. Alle sechs Minuten können jeweils sechs Menschen geimpft werden. Aufgebaut ist alles, gerade folgt die letzte Einweisung: An diesem Tag werden 360 Rotenburger über 80 Jahren geimpft, weitere 240 am Donnerstag. Ihre Termine sind gesichert, sie erhalten das Vakzin von Biontech/Pfizer. Der erneute Impfstopp mit Astrazeneca sorgt aber für Probleme, manche Termine wurden abgesagt.

Am Eingang erwartet die Über-80-Jährigen und ihre Begleiter die Überprüfung der Einladung, Fieber messen und die Zuweisung zur entsprechenden Impfstraße. Diese sind sowohl farbig markiert als auch mit Buchstaben versehen, damit Farbenblinde problemlos den Weg finden. In der Halle selbst registrieren sich die zu Impfenden dann und kommen kurz darauf ins erste Zelt zum Arztgespräch, danach ins zweite für die Impfung. Wer sein Vakzin erhalten hat, nimmt am anderen Ende für 15 Minuten Platz, für Notfälle stehen Sanitäter bereit.

Insgesamt sind gut 50 Helfer an beiden Tagen im Einsatz: aus dem Zevener Impfzentrum, der Stadtverwaltung, vom DRK Rotenburg und weitere Freiwillige. Zwei Impfstraßen stellt Zeven, eine hat die Stadt selbst organisiert. Alle Helfer machen vor dem Start einen Schnelltest. Wenn alle Eingeladenen zu ihrem Termin erscheinen, sind am Donnerstagabend 95 Prozent aller Rotenburger über 80 Jahren geimpft, so Bürgermeister Andreas Weber (SPD), der froh ist, dass es endlich losgeht. „Es ist nicht das erste Mal, dass wir dezentral impfen, und hoffentlich nicht das letzte Mal“, meint indes Rüdiger Krause, einer der vier Leiter des Zevener Impfzentrums, der die Rotenburger Impfaktion organisiert hat, bei der Begrüßung.

Ob es aber zu weiteren dezentralen Aktionen für die Menschen der nächsten Prioritätsstufe kommt, ist noch nicht entschieden. Die ersten Impfungen in dieser Stufe sind bereits gestartet, bislang aber nur in Zeven. Wie weiter verfahren wird, hänge auch davon ab, wie die Hausärzte mit eingebunden werden. 160 Praxen gibt es im Landkreis, ob jede mitmacht, ist unklar, heißt es im anschließenden Pressegespräch. Landrat Hermann Luttmann (CDU) zeigt sich skeptisch. Zurzeit hemme zwar nicht die Bürokratie das Impfen, sondern die mangelnde Verfügbarkeit, „aber die niedergelassenen Ärzte werden sich diesen bürokratischen Aufwand nicht oder nicht lange gefallen lassen“. Mehr Spielraum von der Landesregierung hätte er sich gewünscht.

Die wertvollste Kühlbox des Tages: Darin ist das Biontech-Vakzin.

Auch Gerd Hachmöller, Landkreis-Sprecher und einer der Impfzentrums-Leiter, erwähnt „viele Unwägbarkeiten“. Alle paar Tage gebe es neue überraschende Nachrichten, sowohl positive, wenn mehr Impfstoff kommt als gedacht, als auch negative wie jetzt mit den „geänderten Spielregeln bei Astrazeneca“, so Luttmann.

So sollten am Donnerstag auch Erzieher und Lehrer in Rotenburg geimpft werden. 720 Impfdosen seien insgesamt eingeplant gewesen, 600 Anmeldungen von Über-80-Jährigen hatte es gegeben. Kapazitäten wären also vorhanden, doch die Aussetzung von Astrazeneca „verändert die Lage“, so Krause. Auch ein mobiler Termin in den Rotenburger Werken musste deswegen abgesagt werden.

Bereits der erste Impfstopp mit dem Vakzin hatte den Landkreis zurückgeworfen. Auch wenn der Rückstand aufgeholt werden konnte, müsse sich die nächsten Tage zeigen, wie es diesmal weitergeht. „Wir müssen unsere Planung nochmal überarbeiten“, erklärt Krause. Verlässlich sei diese ohnehin über eine, maximal zwei Wochen hinaus nicht möglich, merkt Hachmöller an.

Denn, und das wird immer wieder betont: Es gibt zu wenig Impfstoff, nach wie vor. Wäre dieser vorhanden, könnte, wenn erforderlich, an Sonn- oder sogar Feiertagen geimpft werden. Bislang sei das nicht der Fall, die Impfungen könnten problemlos auch von Montag bis Freitag erledigt werden. Der Samstag wird als zusätzlicher Tag genutzt, auch der zwischen den Osterfeiertagen.

Die Impfstraßen sind fertig, noch letzte Vorbereitungen, dann kann es losgehen.

In der vergangenen Woche wurden mehr als 5 000 Impfungen in Zeven verabreicht – ein Höchststand. Aber: „Noch ist das relativ weit weg von dem, was im normalen Betrieb möglich wäre“, sagt Luttmann. Er lässt auch nicht unerwähnt, dass das dezentrale Angebot spät in Gang gekommen ist, was zu Problemen bei der Abstimmung mit den Anmeldungen geführt hatte. Manch ein Bürger hatte sich gewundert, seinen Impftermin gleich doppelt zu erhalten – einen in Zeven, einen dezentral. Entgegen manchmal aufkommender Kritik werde aber alles verimpft, was verfügbar ist, es liegen „keine Berge an Impfstoff herum“, so Hachmöller.

Wichtig sei es nun, dass die niedergelassenen Ärzte kurzfristig eingebunden werden – sonst wird es mit der Einlösung des Versprechens der Bundeskanzlerin, bis zum Ende des Sommers jedem Bürger ein Impfangebot zu machen, mau. Dazu braucht es einen verringerten bürokratischen Aufwand. Dennoch überwiegt an diesem Tag die Freude, zum Beispiel bei Giesela Schmidt, die ihre erste Impfung erhalten hat, und ihrer Tochter Marion Cordes. Die 86-Jährige fühlt sich gut nach der Injektion, auch gut informiert. Und vor allem freut sie sich, nach der zweiten Impfdosis endlich ihren Enkel besuchen zu können, wenn es die Zahlen erlauben. Ein Stück mehr Normalität.

29 neue Coronafälle – Inzidenz bei 89 im Landkreis Rotenburg

Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Rotenburg bleibt weiter unter der 100er-Marke: 89 Neuinfektionen in Bezug auf 100 000 Einwohner sind es Stand Mittwochvormittag. 29 neue Coronafälle seien laut Angaben des Gesundheitsamts des Landkreises seit Dienstag gemeldet worden. Damit haben sich aktuell 293 Menschen im Landkreis mit Covid-19 infiziert, elf von ihnen befinden sich in stationärer Behandlung. Die meisten aktiven Fälle verzeichnet derzeit die Samtgemeinde Zeven mit 74, danach folgen mit etwas Abstand die Städte Bremervörde (49) und Rotenburg (34). Für 640 Kontaktpersonen ist häusliche Quarantäne angeordnet worden. 17 756 Menschen haben Stand Mittwoch ihre Erstimpfung erhalten, 8 847 Menschen auch die Zweitimpfung. Damit sind bislang etwa elf Prozent des Landkreises mindestens einmal geimpft.  

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