Bienen-Pädagoge Niels Kruse begrüßt Initiative im Landtag

Imkerschein? „Überfällig!“

Die Honigbienen werden schon wieder aktiv. Sie krabbeln durch den Bienenkasten.
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Die Honigbienen werden schon wieder aktiv. Diesem Volk scheint es gut zu gehen.

Rotenburg – Es sieht so aus, als sollten die beiden Landtagsfraktionen von CDU und SPD im Niedersächsischen Landtag den Imkern im Land aus der Seele sprechen: Am Mittwoch nämlich kommt dort in Hannover ein Antrag auf den Tisch, den zum Beispiel der Rotenburger Bienen-Pädagoge und leidenschaftliche Imker Niels Kruse als „überfällig“ begrüßt. In dem Antrag bitten die Politiker die Landesregierung, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass für die Bienenhaltung künftig ein Imkerschein abgelegt werden muss, „der das notwendige Mindestmaß an Sachkunde der Bienenhaltung belegt“.

  • Ohne Hege und Pflege geht‘s den Honigbienen schlecht
  • Die Hobby-Imkerei ist kaum geregelt
  • Imker Niels Kruse: „Es geht um Verantwortung“

„Das ist eine absolut sinnvolle Initiative“, sagt der 58-jährige Niels Kruse. „Wir haben es hierbei schließlich mit Kreaturen zu tun, für die wir Verantwortung tragen.“ Die Honigbienen, fügt er hinzu, kämen ohne die Hege und Pflege der Imker in unserer Umwelt kaum mehr zurecht. Immer mehr Menschen begeistern sich für das Imkern und wollen aktiv zum Schutz und Erhalt der Bienen beitragen, stellen derweil die Landespolitiker fest. Der Trend zu kleineren Imkereien mit nur einem oder wenigen Bienenvölkern setze sich dabei weiter fort.

„Trotz dieser enorm wichtigen Bedeutung ist die Imkerei aber kaum geregelt und durch wenige Gesetze bestimmt. Jeder kann sich ein Bienenvolk kaufen und in den Garten stellen“, heißt es in dem Antragspapier. Der Hobbyimker benötige keinerlei Genehmigung, um Bienenstöcke auf seinem Grund aufzustellen, egal ob im Garten, auf der Garage, auf dem Dach eines Hochhauses oder auf dem Balkon. Er müsse die Imkerei nur anmelden. Bienenstöcke dürften überall stehen, wo Kleintierhaltung laut Bebauungsplan nicht verboten ist. Auch für einen Schutzabstand zum Nachbarn gebe es keine gesetzlichen Regelungen.

Durch einen Mangel an Fachwissen könne es jedoch zu unsachgemäßer Betreuung der Bienenvölker kommen. Infolgedessen könnten sich Krankheitserreger oder Schädlinge innerhalb der Bienenvölker schnell verbreiten, wie zum Beispiel im Fall der Varroa-Milbe. Durch erkrankte Bienenvölker würden die Bienenvölker anderer Imker bedroht, sie gefährdeten damit auch die Berufsimker Niedersachsens.

Niels Kruse kann diese Feststellungen nur unterstreichen. Er selbst sei als Kind vom Großvater an die Imkerei herangeführt worden. Die Weitergabe des besonderen Wissens von einer Generation zur nächsten sei nicht mehr so ausgeprägt wie früher. Eine Ausbildung mit dem Erwerb des jetzt politisch geforderten Sachkundenachweises könne der Imkerverein Rotenburg durchaus anbieten. Kruse: „Das wäre eine Frage der Organisation und natürlich auch der Finanzierung.“

Der Rotenburger Imker wisse, dass es vielerorts Menschen gebe, die ohne viel Fachwissen mit der Hobbyimkerei starten. Dabei setze dieses Vorhaben voraus, sich mehrmals im Jahr sehr intensiv mit dem Bienenvolk zu beschäftigen und aktiv daran zu arbeiten, um es zu schützen. Stehe den Bienen nicht genügend Nahrung zur Verfügung, seien sie geschwächt und anfällig – für Keime, Milben und Parasiten.

Der Imkerverein Rotenburg hat rund 160 Mitglieder im gesamten Altkreis, von denen mehr als 100 eigene Bienenvölker haben. Niels Kruse selbst hat vier – eines davon zu Hause, die anderen platziert er an unterschiedlichen Stellen. Zum Beispiel an landwirtschaftlichen Flächen. „Die Landwirte schreien nach uns“, sagt er. Und auch die Obstbauern im Alten Land melden Jahr für Jahr Bedarf an – und freuen sich für die Bestäubung über die Hilfe von rund 100 Bienenvölkern der Mitglieder aus dem Rotenburger Imkerverein.

Erfolgreiches Projekt an Grundschulen

Was aber verspricht sich ein Kenner von der Einführung eines Imkerscheins? Kruse: „Es geht um Verantwortung für die Tiere, es geht um die Wahrnehmung und um die Aufmerksamkeit, die es braucht.“ Nur so sei es möglich, aus Hobbyimkern am Ende auch Botschafter der Bienen zu machen. Der 58-Jährige zieht Vergleiche zum Jagdschein und spricht in diesem Zusammenhang von einem aktiven Naturschutz. „Dafür sind nun einmal viele Kenntnisse erforderlich.“ Kommt es zu einem Hype, bei dem die Leute dann meinen, es reiche aus, ein Buch dazu zu lesen, gerieten die zu erfüllenden Voraussetzungen unter die Räder.

Im Vergleich zur Jagd indes hätten die Bienen eine nicht so große Lobby. Im Gegenteil: Viele Menschen begegneten ihnen verunsichert, weil sie stechen können. Sie hätten Angst. Vor diesem Hintergrund tragen engagierte Imker ihr Wissen weiter – Kruse als Bienen-Pädagoge zum Beispiel auch an mehreren Grundschulen in Rotenburg, Scheeßel und Bothel. „Dabei ist zu spüren, wie sehr wir den Kindern damit die Angst vor den Bienen nehmen – und genau das ist das Ziel.“

Ähnlich laufe es im Verein ab. Es gebe Patenschaften für Bienenvölker, bei denen ein Neuling einen Fachmann an seiner Seite weiß. Jahr für Jahr gibt es Imkerschulungen – angeschoben in den vergangenen Jahren allen voran von der Vorsitzenden Elli Döbler in Kooperation mit der Biologischen Schutzgemeinschaft Wümme (BSW). Kruse sagt es deutlich: „Wir könnten noch viel mehr Imker gebrauchen.“ Aber eben solche, die dabei die Voraussetzungen erfüllen, auch wenn sie keinem Verein angehören. Kruse spricht von dem Wunsch, mit der Natur in Einklang zu leben. Imker, die sich dieser Verantwortung bewusst sind, kümmerten sich darum, dass es den Bienen gut geht.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Eike Holsten aus Rotenburg begrüßt das Vorhaben der Fraktionen: „Herbst- und Winterverluste an Bienenvölkern könnten bei mehr Sachkunde deutlich niedriger ausfallen. Das muss das Ziel sein. Ich werbe bei den Kollegen aber sehr dafür, diese Regelungen an der Seite der Fachverbände und in deren Interesse zu entwickeln.“ Mehr Sachkunde bedeute mehr Sicherheit für die Bienenvölker. Reglementierungen sollten seiner Ansicht nach aber nicht diejenigen abschrecken, die sich im Sinne der Natur in ihrer Freizeit den Bienen widmen wollen, fügt er auf Anfrage hinzu.

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