Zehn Flüchtlinge engagieren sich ehrenamtlich in der Stadt Rotenburg

„Ihm fiel die Decke auf den Kopf“

Gerlinde Wozniak muss ihren MEN-Schreibtisch räumen, aber auch mit der Freiwilligen-Initiative hat sie viel zu tun. Zurzeit befasst sie sich mit Flüchtlingen, die sich engagieren möchten. - Foto: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Angefangen hatte es im vergangenen Jahr mit einem Arzt aus Syrien, der als Flüchtling in Rotenburg gelandet ist. „Ihm fiel die Decke auf den Kopf – und deshalb wollte er unbedingt etwas tun“, sagt Gerlinde Wozniak von der Freiwilligen-Initiative Rotenburg. Es dauerte nicht lange, bis der junge Mann in einem Seniorenheim am Bahnhof ehrenamtlich tätig wurde. Er sprach bereits etwas Deutsch, unterhielt sich mit den Bewohnern, ging mit ihnen spazieren und spielte mit ihnen. Inzwischen hat die Freiwilligen-Initiative zehn Flüchtlinge in ein Ehrenamt vermittelt.

Gerlinde Wozniak spricht von einer Win-Win-Situation. Der Flüchtling findet eine sinnvolle Tätigkeit, die ihm auch noch hilft, unsere Sprache zu lernen und unseren Alltag zu erleben, und außerdem hilft er beim Helfen. „Jedes Ehrenamt ist wichtig, es füllt Lücken, die sonst nicht geschlossen werden können“, versichert Wozniak. Es mache das Leben für alle ein wenig leichter.

Aus der Vermittlung von Flüchtlingen in ein Ehrenamt ist inzwischen eines kleines Projekt geworden. Stück für Stück habe sich das in den vergangenen Monaten entwickelt. Die Zuwanderer engagieren sich freiwillig in Seniorenheimen, bei den Rotenburger Werken, im „Kaufhaus Rotenburg“, bei der Kulturinitiative Rotenburg (Kir) sowie im Verein Simbav. „Die Flüchtlinge werden von Anfang an betreut und können sich jederzeit an uns wenden, wenn es Nachfragen oder Probleme gibt“, sagt die Frau von der Freiwilligen-Initiative. Denn deren Anliegen ist es, für die Ehrenamtlichen grundsätzlich einen Platz zu finden, der zu ihnen passt. Und das beziehe sie nicht nur auf die Vermittlung von Flüchtlingen. Bislang, so Gerlinde Wozniak, sei die Erfolgsquote sehr hoch.

Das Projekt läuft übrigens weiter. Vielfach vermitteln die Mitarbeiter im städtischen Amt für Jugend und Soziales die interessierten Männer und Frauen an die Freiwilligen-Initiative. „Uns tut das auch gut“, erklärt Gerlinde Wozniak, „denn so können auch wir uns mit einbringen.“ Grundsätzlich gilt das Vermittlungsangebot aber für jeden, der sich freiwillig engagieren möchte, jedoch nicht weiß, an wen er sich wenden kann.

Immer donnerstags von 16 bis 18 Uhr bietet das fünfköpfige Team der Freiwilligen-Initiative in seinen Räumen an der Goethestraße eine Gesprächs- und Beratungszeit an.

Die Initiative gibt es inzwischen seit zwölf Jahren. In den ersten vier Jahren hat ein hauptamtlicher Mitarbeiter die organisatorischen Fäden gezogen, seit 2008 verwaltet sich die Initiative komplett ehrenamtlich. Und das mit Erfolg: „Unser Angebot wird nach wie vor sehr gut angenommen, allerdings beschränken wir uns ausschließlich auf die Stadt Rotenburg – mehr schaffen wir einfach nicht“, sagt Wozniak. Sie selbst ist parallel dazu auch als Ehrenamtskoordinatorin im Kirchenkreis Rotenburg tätig und besetzt noch bis Ende dieses Monats den Rotenburger Schreibtisch der Mobilen Engagementberatung Niedersachsen (MEN). Dahinter steckt ein auf drei Jahre angelegtes Projekt des Landes Niedersachsen. Eine Verlängerung habe es dafür aber nicht gegeben.

So gilt Wozniaks Konzentration wieder voll und ganz ihrer Rotenburger Arbeit. Und damit auch einem Projekt, das zusätzlich einige Zeit in Anspruch nimmt: Es geht dabei um Lernpaten für die Grundschulen. Diese kümmern sich gezielt um Kinder mit besonderem Betreuungsbedarf. Fünf solcher Patenschaften gibt es bereits – aber es sollen noch mehr werden. Und das gilt auch für das Vorhaben, Flüchtlinge ins Ehrenamt zu bringen.

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