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Gemeinsam durch die Krise: IHK lädt nach Pandemie-Pause wieder zum Neujahrsempfang

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Von: Nina Baucke

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Auch Verwaltungschefs der Südkreis-Kommunen haben sich auf den Weg nach Stade gemacht: Dirk Eberle (Bothel, v.l.), Holger Bahrenburg (Sottrum) und Ulrike Jungemann (Scheeßel).
Auch Verwaltungschefs der Südkreis-Kommunen haben sich auf den Weg nach Stade gemacht: Dirk Eberle (Bothel, v.l.), Holger Bahrenburg (Sottrum) und Ulrike Jungemann (Scheeßel). © Baucke

Zwei Jahre Corona liegen hinter der IHK Stade. Am Mittwoch stand erstmals wieder der Neujahrsempfang im Stadeum auf dem Programm. Neben Vertretern aus Wirtschaft und Verwaltung – auch aus dem Rotenburger Südkreis – war Ministerpräsident Stephan Weil zu Gast.

Stade/Rotenburg – „#Gemeinsam für die Region“ leuchtet an den Seitenwänden des Stadeums in Stade, während hinter den dicken Saaltüren der Duft vom Catering durch das Foyer wabert. Unter den Nachwirkungen von mehr als zweieinhalb Jahren Corona-Pandemie stehend und angesichts der Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade zum Neujahrsempfang geladen. Rund 750 Gäste aus Wirtschaft, Verwaltung und – sehr stark vertreten – Politik sind der Einladung gefolgt.

„Wir sind fast beschlussfähig“, witzelt daher der Ehrengast, Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), von der Bühne. Denn neben ihm, Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) und Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) sind auch einige Vertreter des niedersächsischen Landtages und des Bundestages vor Ort. Das sieht auch der Kai Seefried (CDU), Landrat des Landkreises Stade bei seiner Begrüßung so: „Wenn der halbe Landtag hier ist, ist das ein gutes Signal.“

Stephan Weil sieht Niedersachsen als Energieland Nummer eins.
Stephan Weil sieht Niedersachsen als Energieland Nummer eins. © -

„Gemeinsam“, wie per Beamer an die Wände geworfen, ist offenbar das Schlagwort des Tages, denn Weil, Seefried und auch Matthias Kohlmann als IHK-Präsident betonen immer wieder die Bedeutung des Elbe-Weser-Dreiecks als Wirtschaftsraum. Wobei allerdings die Wortbeiträge immer wieder zwei Themenkomplexe aufgreifen.

Denn die aktuellen Umstände sind für die Wirtschaft nicht die einfachsten: „Was wir seit Beginn dieser Dekade erleben, hätten wir uns vor zehn Jahren nicht träumen lassen“, sagt Weil. Zum einen sind da die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die ganze Branchen in Richtung Aus getrieben hätten. „Aber die Insolvenzwelle ist nicht gekommen, die wirtschaftliche Substanz ist erhalten geblieben“, betont der Ministerpräsident. „Das ist von essenzieller Bedeutung: Ein gesunder Staat braucht eine gesunde Wirtschaft.“

Was wir seit Beginn dieser Dekade erleben, hätten wir uns vor zehn Jahren nicht träumen lassen.

Stephan Weil

Zum anderen ist da die Herausforderung, die der Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 mit sich brachte. „Wenn wir auf das vor uns liegende Jahr schauen, wird unsere gesamte Entwicklung von der Lage in der Ukraine abhängen“, sagt Seefried. „Am Ende ist das nichts dagegen, was die Menschen in der Ukraine aushalten müssen“, macht Weil deutlich. Dennoch werde es auch in Niedersachsen happig, was zum Beispiel die Energiepreise angeht. Aber der Sozialdemokrat sieht auch Zeichen der Zuversicht, so seien die Gasspeicher mitten in der Heizperiode auf einem guten Niveau. „Und in solch einer Phase die wirtschaftliche Substanz des Landes zu verteidigen, ist das Beste, was wir tun können“, betont Weil.

Doch gerade da steht aus Sicht der Wirtschaft die Bürokratie oft im Weg. „Wir verwalten uns zu Tode“, sagt auch Seefried. „Ich kann gar nicht so viele Mitarbeiter finden, die notwendig wären, um die Bürokratie dieses Staates abzuarbeiten.“ Auch Kohlmann fordert, angesichts der Bürokratielast auf den Unternehmen, das Prinzip „One in, one out“ zum Mindeststandard zu machen. Als Beschwerde will er das nicht verstanden wissen: „Ich möchte mir im Sinne unternehmerischer Freiheit und Verantwortung nicht nur die Rosinen der Förderungen herauspicken und über jegliche Regulierung klagen. Wir werden immer in diesem Spannungsfeld zwischen Ordnungspolitik und freiem Wettbewerb leben. So funktioniert soziale Marktwirtschaft, in der Solidarität und Leistung gelebt werden.“

IHK-Präsident Matthias Kohlmann begrüßt die Gäste.
IHK-Präsident Matthias Kohlmann begrüßt die Gäste. © -

Im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine, aber auch mit dem Nachhaltigkeitsgedanken im Rücken ist auch die Energiefrage ein wichtiger Punkt des Tages. „Wenn die Umwelt auch einen ökonomischen Wert erhält, wird eine marktgerechte Umweltpolitik ermöglicht“, sagt IHK-Präsident Kohlmann. „Klimaschutz, Nachhaltigkeit und der schonende Ressourceneinsatz werden für den unternehmerischen Erfolg immer wichtiger.“ Eine Rolle spielt dabei auch das LNG-Terminal, das derzeit in Stade entsteht. „Wie wir das als IHK-Nord sagen: ,Come to where the power is!‘“, so Kohlmann.

Weil wirbt dabei vor allem für ein Niedersachsen, das Energieland Nummer eins werden soll. „Der Westen hatte aus Energiesicht das Kapitel Kohle, der Süden die Atomkraft und jetzt beginnt das Kapitel Norddeutschlands“, so der Regierungschef aus Hannover. „Wir haben dafür die Fläche, wir haben den Wind und wir haben eine leistungsfähige Wirtschaft.“ Er plädiert deutlich dafür, Arbeit und Umwelt miteinander zu vereinen, „und das wollen wir mit Vehemenz vorantreiben“.

Weil, Seefried und Kohlmann enden mit Zuversichtsbekundungen für die kommenden zwölf Monate, während im Foyer am Catering-Stand die Deckel von den Wärmebehältern genommen werden. Die Herausforderungen können kommen – aber erst einmal geht es zum Büfett. Natürlich im Sinne des Mottos der Veranstaltung gemeinsam.

Von Nina Baucke

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