Igelpflege Rotenburg veröffentlicht tierisches Tagebuch

Star mit Stacheln

Merwel Otto-Link und Autor Carsten Dickmann sind stolz auf das Ergebnis.
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Merwel Otto-Link und Autor Carsten Dickmann sind stolz auf das Ergebnis.

Valone, genannt Vlönchen, ist kein Igel wie jeder andere. Dreimal sollte das etwa ein Jahr alte Männchen ausgewildert werden – immer wieder klingelte kurze Zeit später das Telefon bei der Igelpflege Rotenburg. Einmal hatte es einer Frau ins Hosenbein gebissen, ein anderes Mal hatte es sich zum Schlafen in einen Wäschekorb gelegt. „Valone – mein Tagebuch“ erzählt auf 168 Seiten 75 humorvolle Geschichten eines einzigartigen Igels.

Rotenburg – Von dem Rummel um ihn bekommt Valone, genannt Vlönchen, nichts mit. Der Igel tut das, was für ihn das Beste ist, wenn es draußen kalt und das Futter in freier Wildbahn rar wird – er schläft. Nur noch hin und wieder steckt das ein Jahr alte Igelmännchen in diesen Tagen seine Stupsnase aus dem Blätternest, das es neben dem extra dafür aufgestellten Schlafhaus im Außengehege gebaut hat. Aber bald heißt es endgültig: Auf Wiedersehen im Frühjahr. „Typisch Vlönchen, er macht immer sein eigenes Ding“, sagt Merwel Otto-Link von der Igelpflege Rotenburg.

Ich kann im Nachhinein schon verstehen, dass ihn seine Mutter aus dem Nest geworfen hat. Er hat jede Menge Flausen im Kopf

Merwel Otto-Link, Vorsitzende der Igelpflege Rotenburg

Als Valone im September 2020 mit nur 46 Gramm Gewicht in Verden gefunden und danach in Rotenburg abgegeben worden war, war er unterkühlt, abgemagert und krank. „Ich hatte kaum Hoffnung darauf, dass er es übersteht“, erinnert sich Otto-Link.

Doch Valone kämpfte sich zurück ins Leben – und kostete dem Team der Igelpflege danach viel Zeit, Schlaf und Nerven. „Ich kann im Nachhinein schon verstehen, dass ihn seine Mutter aus dem Nest geworfen hat. Er hat jede Menge Flausen im Kopf“, sagt die Igelschützerin und lacht.

Hunderte Igel hat sie in den vergangenen Jahren aufgepäppelt und ausgewildert – Vlönchen ist eines ihrer größten Sorgenkinder und liegt ihr wohl auch deshalb besonders am Herzen: „Er ist in jeder Hinsicht ein einzigartiger Igel.“

Igelmännchen Valone ist mit seinem Erstlingswerk zufrieden.

Weil das so ist, hat Merwel Otto-Link in den vergangenen Monaten viele Fotos und Anekdoten aus dem Leben des Igels auf der Facebook-Seite des Vereins veröffentlicht – mit riesigem Erfolg: Valone hat inzwischen eine stattliche Fangemeinde und, wie es sich für einen Star gehört, sogar seine eigenen Fanartikel: Becher und ein Kissen mit einem Foto des Igels wurden zugunsten der Arbeit des Vereins für jeweils 100 Euro versteigert.

In dieser Woche ist nun ein Buch über den stacheligen Rabauken erschienen, der sein „Frauchen“ in den Fuß gezwickt und es auch ansonsten faustdick hinter den Öhrchen hat: „Valone – mein Tagebuch“ erzählt auf 168 Seiten 75 humorvolle Kurzgeschichten aus der Sicht des Igels.

Die Leser erfahren Wissenswertes über das geschützte Wildtier und erhalten Einblick in die Arbeit der Igelpflege Rotenburg, die ein Krankenhaus mit Intensivstation in der Nähe des Rotenburger Weichelsees betreibt. „Es ist leichte Kost für Erwachsene, die Wildtiere mögen und mehr über Igel erfahren möchten“, betont Merwel Otto-Link.

Ich möchte die wichtige Arbeit der Igelpflege unterstützen.

Autor Carsten Dickmann verzichtet dafür auf ein Honorar

Valones Ghostwriter ist Carsten Dickmann aus Oldenburg. Monatelang hat sich der ehemalige Rektor der Grundschule in Westerstede in die Igelseele hineingefühlt, um mit viel Witz dessen Erlebnisse niederzuschreiben. „Ich habe mich schon immer für Igel interessiert“, sagt der 61-Jährige, der in seiner Freizeit die Außenstelle der Igelpflege in Bremen unterstützt.

Der Autor verzichtet für den guten Zweck aufs Honorar. „Ich möchte damit die wichtige Arbeit der Igelpflege unterstützen“, so Dickmann. „Igelflüsterin“ Merwel Otto-Link ist von dem Ergebnis seiner Arbeit begeistert: „Es ist genau mein Humor und passt perfekt zu dem, was Vlönchen bisher getrieben hat.“

Drei Mal sollte der Igel ausgewildert werden – doch jedes Mal war er kurz darauf wieder bei ihr. „Wir hatten extra einen tollen Naturgarten in Eversen für ihn ausgewählt – aber anstatt dortzubleiben, ist Valone kilometerweit durch den Ort gelaufen und hat dort sein Unwesen getrieben. Einmal hat er einer Frau am Hosenbein gezerrt, ein anderes Mal wurde er zwischen Wäsche in einem Korb gefunden – die Menschen haben dann ganz verstört bei uns angerufen. Wir hatten schnell eine Ahnung, von wem die Rede ist“, berichtet Otto-Link amüsiert.

Als Valone gefunden wurde, wog er nur 47 Gramm.

Dass Valone aufgrund seines auffälligen Verhaltens gefunden wurde, war vermutlich dessen Rettung, denn nach nur sechs Wochen in Freiheit war er stark von Parasiten befallen. „Sein Immunsystem ist leider stark geschwächt – in freier Wildbahn wird er wahrscheinlich nicht überleben“, fürchtet Merwel Otto-Link, die ein weiteres Problem sieht: „Durch die aufwendige Pflege von Anfang an ist Valone sehr menschenbezogen. Er wird bei uns im Außengehege überwintern und dann in einem geschützten Naturgarten ausgewildert. Er muss regelmäßig begutachtet und gefüttert werden.“

Unser vorrangiges Ziel ist es, Igel gesund zu pflegen und dann wildbahntauglich zu entlassen

Merwel Otto-Link

So viele lustige Aspekte die Lebensgeschichte von Valone bietet, die in seinem Tagebuch erzählt wird, so sehr hofft Merwel Otto-Link darauf, dass sich ein ähnlicher Fall nicht wiederholen wird: „Bei Valone handelt es sich um die Fehlprägung eines Wildtieres. Unser vorrangiges Ziel ist es, Igel gesund zu pflegen und dann wildbahntauglich zu entlassen. Wir sind uns aber sicher, dass Vlönchen dennoch ein schönes Leben in Freiheit führen wird.“ Und wer weiß, vielleicht liefert er dort genug Stoff für einen zweiten Teil.

„Valone – mein Tagebuch“ ist bei Buch & Aktuelles sowie in der Buchhandlung Müller zum Preis von 19,95 Euro erhältlich – etwa acht Euro des Verkaufspreises kommen der Arbeit der Igelpflege zugute. Bestellungen sind auch per E-Mail an bestellung.igelpflege@t-online.de möglich.

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