Aber auch die Kir muss weiterhin Geduld aufbringen

Ideen gibt es genug

Freut sich über die Weihnachtsüberraschung: Uwe Goldschmidt.
+
Freut sich über die Weihnachtsüberraschung: Uwe Goldschmidt.

Rotenburg – Uwe Goldschmidt ist immer noch schwer begeistert und glücklich. „Kurz vor Weihnachten ein derart dickes Geschenk – die Freude ist riesig.“ 3 000 Euro beträgt die Förderung, die auch die Kulturinitiative Rotenburg (Kir) von der Ippen-Stiftung erhalten hat. Geld, so Goldschmidt, das für zusätzlichen Spielraum in schweren Zeiten sorgt. Zeiten, die vor allem von einer zentralen Frage geprägt sind: Wann und vor allem wie kann es mit der Kultur weitergehen?

Rückblick: November 2018. Die Redaktion der Kreiszeitung erreicht eine E-Mail von Uwe Goldschmidt, Sprecher des Vorstandes in der Kulturinitiative Rotenburg. Darin teilt er mit, dass es im Jahr darauf kein La Strada in Rotenburg geben wird. „Die Kir braucht nach zehn Jahren ,große Straßenkunst für kleines Geld’ eine Verschnaufpause, sammelt aber jetzt schon neue, tolle Ideen für 2020“, heißt es in dem Schreiben. Später wird klar: Aus La Strada in Rotenburg soll „On The ROWd Again“ werden – doch im Sommer 2020 geht nichts. Die Pandemie macht auch der Kir einen Strich durch die Rechnung.

Aus der selbst verschriebenen „Verschnaufpause“ wird eine Hängeparte – und das betrifft das komplette Angebot des Vereins. „On The ROWd Again“ wird die Premiere erst im nächsten Jahr feiern – schließlich ist man sich in der Kir schon lange darin einig, dass eine derart aufwendige Veranstaltung nur noch alle zwei Jahre zu stemmen ist. Doch die Kir hat bekanntlich weitaus mehr zu bieten – Theater, Kino, „Jazz und Literatur“, Metal-Konzerte und Tanzveranstaltungen, aber auch Konzerte mit engagierten Künstlern. Die einst gewünschte Verschnaufpause ist mittlerweile viel zu lang geworden – es wird Zeit, dass was passiert.

Rund 150 Mitglieder gehören der Kir an. „Die Stimmung“, sagt Goldschmidt, „bewegt sich zwischen Resignation und Vorfreude“. Während sich in verschiedenen Abteilungen der ein oder andere verabschiedet und die Pandemie zum Anlass nimmt, sich auch mit Rücksicht auf die eigene Gesundheit zurückzunehmen, sprühen andere schon wieder vor Ideen und können es kaum abwarten, dass es wieder losgeht.

Hart getroffen hat es vor allem die Stimmbande. Der Chor leidet nicht nur unter den fehlenden Auftrittsmöglichkeiten, sondern auch unter den fehlenden Proben. „Ihnen fehlt die Gemeinschaft, das Gruppengefühl“, weiß Goldschmidt. Das Miteinander, für das der Gesang im Chor eben sorgt – auf Eis gelegt. Da ist es gut, wenn auch die Stimmbande sich an neue Wege des Miteinanders heranwagt. Mithilfe von verschickten Videos üben die Mitglieder ihre Parts zu Hause. „Die Rückmeldungen sind gut“, so der Kir-Sprecher.

Anders ist es beim Stadtkino. Da geht derzeit gar nichts. Die Hoffnung beruht darauf, dass es nach Ostern vielleicht wieder losgehen kann. Ein Neustart im Mai – so lautet das formulierte Ziel. Ähnlich unsicher ist auch die Situation für die Abteilung Rollentausch. Wann lässt sich ein Theaterstück wieder auf die Bretter bringen, die die Welt bedeuten? Die Schauspieler, der Regisseur – sie haben September und Oktober in den Blick genommen, peilen an, dann wieder in der Aula der IGS an der Gerberstraße mit den Proben für das ausgewählte, neue Stück starten zu können.

Es geht in diesen schweren Zeiten also vor allem um Planungen mit dem auf die Zeit nach der Pandemie gerichteten Blick. Das gilt auch für den Vorstand, in dem neben Uwe Goldschmidt auch Carsten Kahle, Dorothee Clüver, Linda Falkenberg sowie Ulrike Mattuscheck mit am Tisch sitzen. Mattuscheck, sagt Goldschmidt, entwickele zurzeit einen besonderen Elan. Sie möchte das Angebot der Kir um ein Spiele-Café nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene erweitern. Eine Idee, die den Grundsatz der Kir deutlich werden lässt: „Die Kir ist ein Mitmach-Verein, der darüber hinaus auch Veranstaltungen einkauft.“ Goldschmidt hält diese Mischung für ganz entscheidend, um die Menschen begeistern zu können. Ein reiner Veranstaltungsverein wäre nicht sein Ding.

Weitere Veränderungen soll es vor diesem Hintergrund auch bei der Veranstaltung „Jazz und Literatur“ geben, die bereits mehrere Male, aber immer mit derselben Band aus einem benachbarten Landkreis im Heimathaus über die Bühne gegangen ist. Der Plan: Künftig soll die musikalische Besetzung wechseln – und vor allem lokaler beziehungsweise regionaler werden. Man will also hiesigen Formationen die Bühne bereiten – das schafft Nähe und Identifikation.

Ausbauen möchte die Kir auch die Kooperation mit dem Biergarten am Heimathaus – einen ersten, allerdings leicht verregneten Anlauf hatte es im Sommer vergangenen Jahres gegeben. Trotz der schlechten Witterung spricht Goldschmidt von einem Erfolg.

Und dabei geht es der Kir ganz so, wie vielen anderen Vereinen und Initiativen, aber auch Einrichtungen: Die Pandemie kann einen Schnitt darstellen und Anlass sein, sich auf verschiedenen Ebenen neu aufzustellen. Der Kulturverein hat diese Gelegenheit genutzt und seinen Internetauftritt deutlich überarbeitet sowie um ein wichtiges Angebot ergänzt: „Wir können jetzt auch einen Online-Ticket-Service anbieten.“

Darüber hinaus haben Carsten Kahle und der Thorsten Glander interaktive Elemente mit eingebaut: Es gibt einen Podcast, und außerdem haben Kir-Freunde und Besucher von Veranstaltungen die Möglichkeit, im Nachgang von Konzerten beispielsweise eigene Fotos und Kommentare auf der Seite zu hinterlassen. Genau das war bislang nur auf der Facebook-Seite des Vereins möglich.

Ideen gibt es also reichlich, und mit dem überraschenden Weihnachtsgeschenk der Ippen-Stiftung hält Goldschmidt nun weitere Vorhaben für möglich, die bislang auch am Geld gescheitert sind. Aber: „Eine Entscheidung, wofür wir die 3 000 Euro verwenden, haben wir noch nicht getroffen.“ Ein Gedanke, der den Vorstandssprecher umtreibt: Die Kir erwägt, einen eigenen Online-Shop in die Internetpräsenz zu integrieren und darüber eine Art Merchandising aufzubauen. „Auch dafür bräuchten wir eine Anschubfinanzierung.“ So oder so: Goldschmidt wird in den kommenden Tagen eine E-Mail an Verleger Dirk Ippen verschicken und sich bedanken für die Zuwendung, die für die Kulturinitiative Rotenburg von großer Bedeutung sei in diesen schwierigen Zeiten der Pandemie.

Die Ippen-Stiftung

Dirk Ippen, Verleger der Mediengruppe Kreiszeitung und damit der Rotenburger Kreiszeitung, hat die gemeinnützige Stiftung 2000 ins Leben gerufen. Diese unterstützt bevorzugt lokale, gemeinnützige Initiativen zur Stärkung von Bürgersinn und bürgerschaftlichem Engagement.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Biathlon: Die besten Bilder zum Weltcup in Antholz

Biathlon: Die besten Bilder zum Weltcup in Antholz

Das Ruhrgebiet und seine Schlösser

Das Ruhrgebiet und seine Schlösser

Die richtige Pflege für Anemonen

Die richtige Pflege für Anemonen

Einsteiger-Rundreise durch Indonesien

Einsteiger-Rundreise durch Indonesien

Meistgelesene Artikel

Familie und Freunde in großer Sorge: Laura-Marie seit Montag verschwunden

Familie und Freunde in großer Sorge: Laura-Marie seit Montag verschwunden

Familie und Freunde in großer Sorge: Laura-Marie seit Montag verschwunden
Vier 19-Jährige nach Schießerei in U-Haft

Vier 19-Jährige nach Schießerei in U-Haft

Vier 19-Jährige nach Schießerei in U-Haft
Rotenburger Stadtwerke sanieren Ronolulu

Rotenburger Stadtwerke sanieren Ronolulu

Rotenburger Stadtwerke sanieren Ronolulu
Unbekannte bedrohen Bankkundin mit Messer

Unbekannte bedrohen Bankkundin mit Messer

Unbekannte bedrohen Bankkundin mit Messer

Kommentare