Rotenburgerin Anacary Azocar-Salazar will für zehn Monate in die USA

„Ich will die Welt bereisen“

Schulleiter Lühr Klee ist sichtlich stolz auf seine ehemalige Schülerin Anacary Azocar-Salazar. „Sie ist ein Vorbild für die Mitschüler und ein Vorzeigeobjekt der gesamten Theodor-Heuss-Schule“, freut er sich. - Foto: Ginter

Rotenburg - Von Jessica Ginter. Lernphase, Prüfungsstress, Nebenjob und Bewerbungen. Bei der 17-jährigen Anacary Azocar-Salazar ist mächtig was los. Die ehemalige Theodor-Heuss-Schülerin hat vergangene Woche ihren Realschulabschluss an der Rotenburger Hauptschule erworben – unüblich und was ganz besonderes, wie Schulleiter Lühr Klee und Klassenlehrerin Marita Vögler finden. Nun folgt das nächste große Ereignis: ein zehnmonatiger Aufenthalt in Amerika.

Im August soll es losgehen. „Ich möchte verschiedene Bräuche und Kulturen kennenlernen“, erklärt die 17-Jährige, warum es sie in die Staaten zieht.

Sie selbst kommt aus Venezuela und ist im Alter von sieben Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter und den zwei Geschwistern nach Deutschland gekommen. „Ich bin zweisprachig aufgewachsen.“ Zu Hause in Rotenburg wird weiterhin Spanisch gesprochen, erzählt sie.

„Ich will die Welt bereisen“, lautet Anacarys Ziel. Ein zehnmonatiger Aufenthalt in Amerika soll der Anfang ihres großen Traums sein. Mithilfe der gemeinnützigen Organisation „Youth for Understanding“ (YfU) erhofft die Rotenburgerin sich eine Gastfamilie und eine passende High School für die Zeit ihres Aufenthaltes.

„Ich möchte mein Englisch verbessern und die Kultur meiner Gastfamilie und die Bräuche der Umgebung kennen lernen.“ Allerdings steht dem großen Vorhaben noch etwas im Weg. Zwar erhält die 17-Jährige in Form von Teilstipendien finanzielle Hilfe durch YfU und der Kreuzberger Kinderstiftung, die ihren Sitz in Berlin hat, doch eine große Lücke muss noch gefüllt werden. 5 800 Euro trennen Anacary von ihrem großen Traum.

„Bis Mitte Juli gibt es eine Fristverlängerung. Bis dahin muss der gesamte Betrag von 10 300 Euro an die Organisation gezahlt werden“, erklärt Schulleiter Lühr Klee. Ansonsten würde der Traum der ehemaligen Schülerin platzen.

Während ihrer Lernphasen und der Vorbereitung für den Abschluss, jobbte die Rotenburgerin in einem Fast-Food- Restaurant und tut dies auch weiterhin, um Geld zu sparen.

„Es ist bewundernswert, wie Anacary das alles schafft“, freut sich ihre ehemalige Klassenlehrerin Marita Vögler. Sie bezeichnet die 17-Jährige als ihre „beste Englisch-Schülerin“ und wünscht sich, dass das Mädchen von Vereinen oder Einzelpersonen finanziell unterstützt wird.

Zudem sei sie Vorbild für all ihre Mitschüler, findet der Rektor. „Es ist erstmalig, dass eine Theodor-Heuss-Schülerin sich für einen Auslandsaufenthalt bewirbt“, freut sich Klee und ist sichtlich stolz. Anacary würde mit ihrem Ziel anderen Schülern zeigen, dass „es sich lohnt, sich anzustrengen“, wie der Schulleiter sagt und andere dazu motivieren, es auch zu tun.

Dass Anacary es überhaupt so weit geschafft hat, sei ein Wunder. „Hauptsächlich können nur Gymnasiasten nach dem Abitur ins Ausland gehen“, so Vögler. Während des Auswahlverfahrens musste die gebürtige Venezuelanerin sich gegen viele ehemalige Gymnasiasten beweisen. „Von der Haupt- oder Realschule war dort niemand“, erklärt sie.

Diese Tatsache hätte sie zwischenzeitlich an sich selbst zweifeln lassen. „Aber dann wurde ich immer wieder von meiner Familie und einer guten Freundin motiviert, nicht aufzugeben.“

Nach ihrem Amerika-Aufenthalt strebt Anacary eine Ausbildung zur Hotelfachfrau an. „Dort ist man ständig mit Menschen verschiedenster Herkunftsländer und Kulturen in Kontakt“, sagt sie. Da macht ein Amerika-Aufenthalt schon Sinn.

Aufgeregt und etwas nervös sei die 17-Jährige schon, gesteht sie. Wenn die finanziellen Mittel bis zur Fristverlängerung nicht vorhanden sein sollten, wäre die Rotenburger zwar gekränkt, würde jedoch weiterhin arbeiten und versuchen, an der BBS ihren erweiterten Realschulabschluss zu erwerben. „Dann spare ich eben ein weiteres Jahr und bewerbe mich nochmal!“ Komme also was wolle – aufgeben wird Anacary nicht.

Wer die Rotenburgerin Anacary Azocar-Salazar unterstützen möchte, kann auf folgendes Konto überweisen: Anacary Azocar Salazar, Bankinstitut: Volksbank eG Wümme Wieste, IBAN: DE31 2916 5681 0220 3189 00, BIC:GENODEF1SUM, Verwendungszweck: Auslandsjahr.

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