Anekdoten von Sky du Mont zum Thema Älterwerden

„Ich will nicht die Spaßbremse sein“

Geschichten, die das Leben schreibt, verpackte Sky du Mont in Rotenburg mit seinem ihm eigenen Charme. - Foto: Heyne

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Die Karten waren seit Wochen ausverkauft, der jüngste Besucher noch kein Jahr alt, der älteste weit über 90: 200 Rotenburger fieberten am Donnerstagabend im Wachtelhof dem Auftritt von Sky du Mont förmlich entgegen. Thema der einstündigen Lesung: Das Älterwerden. Vorweg scherzte Gastgeber Heiko Kehrstephan gut gelaunt in Anspielung auf die Gaby-Hauptmann-Lesung: „Wir scheinen uns hier zu einer Ratgeber-Plattform zu entwickeln.“

Das Thema Alter scheint nicht nur Besucher und den Charakter-Darsteller umzutreiben – der Autor bemühte immer wieder „Kollegen“ wie Johann Wolfgang von Goethe, Ephraim Kishon oder Udo Jürgens. Vor allem aber ging es um um Alltagserzählungen, ob von du Mont selbst oder von Freunden erlebt, überspitzt oder fiktiv: Die kleinen Mogeleien bei Gewicht oder Größe, das Versenken des Schrittzählers (einem Geschenk der Tochter) in der Alster, die Erlebnisse im Fitnessstudio – nicht bahnbrechend, aber charmant. Die Faszination der Lesung lag indessen nicht in dem, was gesagt wurde, sondern wie: Der Schauspieler, der bereits mit Größen wie Tom Cruise und Nicole Kidman auf der Leinwand zu sehen war, zog mit Stimme und Intonation alle Register, und wenn er Dialoge sprach – etwa, als die Gemahlin ihn davon überzeugt, die Schwiegermutter auf einer Kaffeefahrt zu begleiten –, dann ist du Mont ganz in seinem Element. Unnötig zu sagen, dass er die legendäre Heizdecke kauft, und dass diese die Elektrik des ganzen Hauses lahmlegt.

Immer wieder bezieht er das Publikum ein; einen vorbeifliegenden Hubschrauber kommentiert er mit: „Da kommt der Heesters“. Für den, so berichtet er, sei er mal gehalten worden. Es ist nicht das einzige Mal, wo die Technik der Überhöhung gefährlich nah an Koketterie mit dem eigenen Alter schrammt. Denn Du Mont hat sich für seine 68 Lenze gut gehalten; so mag man den Ausführungen über „Jahresringe am Bauch“ eher der Kategorie „Jammern auf hohem Niveau“ zuordnen.

Absolut glaubwürdig ist du Mont allerdings, wenn er jenseits aller Anekdoten ernsthaft wurde: Bezüglich des großen Altersunterschied zu seiner Frau beispielsweise oder bei den Gedanken über eine Familiengründung. Sein Fazit: „Ich will nicht die Spaßbremse meines eigenen Lebens sein“, es kam beim Publikum an – ganz ohne Goethe.

Noch Fragen? Als keine aus dem Publikum kamen, erzählt er, wie er zu seinem Künstlernamen gekommen ist – auch wenn das viele im Publikum schon wussten. Nach exakt einer Stunde macht du Mont Schluss. Wer wollte, konnte beim Signieren des frisch erworbenen Buchs auf Tuchfühlung gehen. Und das wollten viele.

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