INTERVIEW Frank Holle will für die CDU Bürgermeister werden

„Ich setze alles auf Rotenburg“

Frank Holle peilt die Rathausspitze in der Kreisstadt an.
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Frank Holle peilt die Rathausspitze in der Kreisstadt an.

Rotenburg – Einen Gegenkandidaten gibt es nicht. Zumindest nicht am Donnerstagabend, wenn sich Frank Holle dem Votum des Rotenburger CDU-Gemeindeverbandes im Haus am Luhner Forst stellt. Holle soll am 12. September 2021 für die Christdemokraten die Rathausspitze zurückerobern. Amtsinhaber Andreas Weber (SPD) tritt nicht wieder an. Über den will der bisherige Tarmstedter Samtgemeindebürgermeister im Interview aber gar nicht so gerne sprechen. Über vieles andere schon – der Wahlkampf hat schließlich begonnen.

Sie waren vor ein paar Wochen Gast beim Kreisliga-Knüller Unterstedt- Tarmstedt. Bei welchem Treffer haben Sie mehr gejubelt? Es ging 1:1 aus.

Ich habe vor dem Spiel gesagt, mein Tipp ist das Bürgermeister-Wunschergebnis 1:1 oder 2:2. Insoweit war ich hochzufrieden, dass ich erhobenen Hauptes vom Platz gehen konnte. Die Nähe zum Tarmstedter Team ist aber nicht mehr wie früher, ich habe da selbst Jahrzehnte gespielt. Ich habe nachgezählt, ich kenne noch sechs Leute. Dieses Emotionale ist da nicht mehr. Aus der Nummer bin ich gut rausgekommen.

Mal ehrlich: Macht das Spaß – Stimmen sammeln auf dem Fußballplatz oder auf dem Schützenfest?

Das sind ja die angenehmsten Termine im Wahlkampf, wenn man als Fußballer auch noch irgendwo ein Fußballspiel sieht und bei Bratwurst oder Kaffee und Butterkuchen ein bisschen Stimmen sammeln kann. Das macht Spaß. Wer als Bürgermeister keine Lust auf Schützenfeste hat, der ist fehl am Platze.

Wo macht denn Wahlkampf keinen Spaß?

Es gibt sicherlich Termine, bei denen man weiß, dass man von einer Organisation eingeladen wird, die einen ganz anderen Hintergrund hat. Die hätten lieber nur ihren Kandidaten eingeladen, das geht aber nicht. Da ist klar: Hier kann ich nichts gewinnen, hier muss ich die eineinhalb Stunden ohne Blessuren rumbekommen. Da kann ich keinen überzeugen, auch wenn ich noch so gut bin. Man kann da nichts erreichen.

Ihr möglicher Vorgänger hat bei allem Ärger mit der Politik und der Presse immer betont, das Bürgermeisteramt sei sein Traumjob. Ihrer auch?

Das habe ich auch schon öfter gesagt. Im Vergleich zu meinem früheren Beruf Rechtsanwalt sind die Gestaltungsmöglichkeiten immens. Man schafft sichtbare Dinge, das kann ich als Anwalt nicht. Es gibt viele schöne Sachen als Bürgermeister, weil man viel mit Menschen zu tun hat – und das nicht nur in Belastungssituationen. Besuche auf Geburtstagen oder Goldenen Hochzeiten machen Spaß, weil man hört, wie die Leute ticken. Da kann man in Ruhe schnacken, es geht nicht um politische Themen. Der Beruf des Bürgermeisters ist ein Traumjob – auch wenn er anstrengend ist. Man ist 365 Tage im Jahr Bürgermeister, ich habe immer ein Handy mit im Urlaub. Meine Familie weiß das, die unterstützt es. Unsere Jüngste war zwei, als ich Bürgermeister geworden bin. Die kennt mich nur als Bürgermeister.

Die Gegenseite wird im Wahlkampf argumentieren: In Stuhr hat es nicht geklappt, jetzt probiert er es halt hier. Wie kann man dem begegnen?

Da kann man sagen: Das ist richtig. Ich verschweige das nicht. Der Unterschied zu einem anderen Beruf ist, wenn man sich verändern will und Bewerbungen schreibt, bekommt der Arbeitgeber das dort nicht mit. Eine Kandidatur als Bürgermeister bekommt jeder mit, dann muss man damit leben können, dass man verliert. Im April 2018 musste ich die Entscheidung treffen, ob ich in Stuhr kandidieren will – da war ich mit Rotenburg bereits in Kontakt. Die Ausgangsposition war damals nur hier eine völlig andere. Jetzt sehe ich die Entscheidung sehr positiv, ich habe viel gelernt im Wahlkampf in Stuhr und viel mitgenommen. Auch wenn man sich mal woanders beworben hat, kann man in Rotenburg ein guter und engagierter Bürgermeister sein.

Sie haben bei der Kandidatur in Stuhr gesagt, Sie hören in Tarmstedt so oder so auf.

Das habe ich bereits vor Stuhr gesagt. Meine CDU-Leute wussten es schon Ende 2017, dass ich mal etwas anderes machen will. 15 Jahre sind genug. Sonst wird man abgewählt, weil die Leute einfach nur ein anderes Gesicht sehen wollen. Ich wollte immer selbstbestimmt gehen.

Warum Rotenburg und nicht Sottrum?

Dort wird auch gesucht. Da kenne ich auch viele Leute, ich hatte auch noch ein anderes Angebot in einem anderen Landkreis. Die Kreisstadt Rotenburg ist sehr attraktiv, auch im Unterschied zu Stuhr. Hier gibt es eine Innenstadt mit einem Branchenmix, es gibt Grün und Wasser in der Stadt. Hier hat man einige Sachen vor in der Stadtentwicklung, und auch die finanzielle Situation ist interessant. Es lässt sich hier noch gestalten, weil die Verschuldung nicht so hoch ist wie zum Beispiel in Ottersberg, wo es nur um Mangelverwaltung geht. Das würde mir als Bürgermeister keinen Spaß machen. Rotenburg ist auch für meine berufliche Entwicklung eine Steigerung.

Welche Lehren haben Sie aus Ihrer Niederlage in Stuhr gezogen?

Kurz gesagt: Wenn man sich von außerhalb bewirbt, müssen alle Rahmenbedingungen stimmen, auch die politische Großwetterlage. Die stimmte damals nicht, auch weil es nebenan in Bremen plötzlich Rot-Rot-Grün gab. Das ist keine Entschuldigung, aber eine Erklärung. 43 Prozent im ersten Wahlgang waren ja auch kein schlechtes Ergebnis. Ich bin nicht gescheitert, sondern zweiter Sieger geworden.

Und wenn es in Rotenburg wieder nicht klappt? Wie sieht der Plan B aus?

Es gibt keinen. Ich verschwende daran keinen Gedanken. Ich setze alles auf Rotenburg. Ich habe im Gegensatz zu meinem Gegenkandidaten kein Rückkehrrecht in irgendeine Behörde. Alles auf eine Karte.

Welche Rolle spielt die Tarmstedt-Verbindung zum CDU-Gemeindeverbandsvorsitzenden Eike Holsten?

Das ist Zufall. Ich kenne ja auch andere aus dem Gemeindeverband.

Die CDU hatte am Ende zwei Kandidaten. Wer war der zweite?

Das ist nicht meine Baustelle. Da müssen Sie Eike Holsten fragen.

Was haben Sie besser gemacht als der andere?

Ich bringe die Rathauserfahrung mit, außerdem bin ich etwas älter. Vielleicht habe ich etwas mehr Berufs- und Lebenserfahrung.

22 Fragen hatte Ihnen der Gemeindeverband im Bewerbungsgespräch gestellt.

Mit Unterfragen waren es 41.

Mussten Sie bei einer passen?

Nein, das ist mir so nicht in Erinnerung. Natürlich wurde lange über das Schulthema gesprochen. Ich habe überall etwas zu gewusst, wir haben die Themen insgesamt lange besprochen.

Wird das IGS-Oberstufenthema etwas sein, was auch Ihre mögliche Amtszeit weiter begleitet?

Ich hoffe, dass bis zum möglichen Dienstantritt am 1. November 2021 noch einiges passiert. Ich schaue mir das bis dahin aus der Distanz an.

„Mit Ferndiagnosen halte ich mich zurück“, haben Sie gesagt bei der ersten Vorstellungsrunde. Jetzt sind ein paar Monate vergangen. Also: Was läuft falsch in Rotenburg?

Dazu werde ich heute Abend bei der Nominierungsrede einiges sagen. Ein Punkt ist zum Beispiel, dass die Stadt einen Feuerschutzausschuss bekommen sollte. Die Themen der Feuerwehren müssen prominenter besprochen werden. Angesichts der anstehenden, großen Investitionen mit An- und Umbauten sowie neuen Fahrzeugen ergibt ein eigener Fachausschuss Sinn.

Und was noch?

Ohne ins Detail zu gehen, sind die Bereiche Wirtschaftsförderung und Öffentlichkeitsarbeit sicherlich ausbaubar. Da wird es nicht nur kleine Änderungen geben.

Macht Andreas Weber einen guten Job?

Ich beurteile keine Kollegen. Als Sprecher der Hauptverwaltungsbeamten im Kreis habe ich viele Kolleginnen und Kollegen kommen und gehen gesehen. Jeder hat seinen eigenen Stil und muss diesen verantworten.

Ihr Gegenkandidat ist Polizeichef Torsten Oestmann. Haben Sie Angst?

Ich habe keine Angst und nehme jeden Gegenkandidaten ernst. Ich war aber etwas überrascht, weil ich mich dunkel erinnere, dass er erst vor einem Jahr bei der Rückkehr zur Polizeiinspektion Rotenburg gesagt hatte, dass dies seine Altersstelle werden soll. Jetzt kandidiert er plötzlich als Bürgermeister. Für mich war immer der Traumjob Bürgermeister, er hat gesagt, das sei für ihn der Job des Polizisten.

Warum sind Sie immer noch Werder-Fan?

Ehrlich gesagt, bin ich seit 1975 Gladbach-Fan. Ich habe aber die Einstellung, dass man nur Fan einer Fußball-Bundesligamannschaft sein kann, wenn man einmal im Jahr im Stadion ist. Das habe ich bei Gladbach nicht mehr geschafft, ich gehe ins Weserstadion. Gladbach ist meine Ehefrau, Werder mein bester Freund. Wie das in Beziehungen und Freundschaften so ist: Es gibt gute und schlechte Zeiten. Ich würde mich bei Werder wieder mal über gute Zeiten freuen. Wenigstens der Saisonstart war ja schon mal überraschend gut.

Welche Fragen würden Sie gerne noch beantworten?

Für einen Aufgalopp ist das okay. Wir haben ja noch öfter miteinander zu tun.

Zur Person

Seit 14 Jahren grüßt Frank Holle als Samtgemeindebürgermeister und Gemeindedirektor in Tarmstedt. Zudem ist er Sprecher der 13 Hauptverwaltungsbeamten im Landkreis. Der CDU-Politiker ist darüber hinaus seit 2011 Geschäftsführer der Ausstellungs-GmbH in Tarmstedt. In seinem „ersten Leben“ hat der 1968 in Bremen Geborene eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann gemacht und nach wenigen Jahren im Beruf ein Jura-Studium in Kiel begonnen. Sieben Jahre lang arbeitete er als Fachanwalt für Familienrecht und Notarvertreter. Eines seiner Ehrenämter ist die Vizepräsidentschaft im „European Charter of Rural Communities“, in dem die Tarmstedter Gemeinde Hepstedt Mitglied ist. Holle ist verheiratet, mit seiner Frau hat er drei Kinder im Alter von 15, 18 und 22 Jahren. Die Familie lebt in Ottersberg.

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