Über seine Anfänge

DJ Sven Stelter: „Ich bin kein Alleinunterhalter“

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Bei den großen Partys in der Region, wie hier die Westerescher Maisfeld-Fete, steht Sven Stelter immer wieder am Mischpult.

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Sven Stelter hat es sich auf dem Gartenstuhl auf seiner Terrasse gemütlich gemacht, während nur wenige Meter entfernt Hund Frodo auf dem grünen Rasen Platz genommen hat. Es herrscht Ruhe, nur den Wind hört man in den Bäumen. Wer Stelter nur oberflächlich kennt, der wird das vielleicht für ein merkwürdiges Bild halten.

Als DJ, der jedes Wochenende auf Partys in der Region für Musik sorgt, steht er mehr für Ausgelassenheit als für diese Ruhe. Mehr als 50 Auftritte hat er im Jahr. Viele kennen ihn, sein Name steht auf vielen Plakaten, und Fans des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 ist der 1972 geborene Rotenburger als Stadion-DJ ohnehin ein Begriff. 

Wie es dazu gekommen ist und wann es beim Auflegen nervig wird, darüber haben wir mit Stelter – der wochentags als Fluggerätemechaniker bei Airbus arbeitet – gesprochen.

Herr Stelter, Sie sind fast jedes Wochenende unterwegs und legen Musik auf Partys auf. Was sagt Ihre Familie eigentlich dazu?

Sven Stelter: Meine Frau kennt mich glücklicherweise ja nicht anders. Früher war das allerdings noch schlimmer, da war ich jeden Tag des Wochenendes oder vor jedem Feiertag unterwegs. Mit der Zeit habe ich das aber aufgeteilt: Jetzt lege ich nur noch an einem Freitag oder an einem Samstag auf. Alles andere schaffe ich nicht mehr, schließlich bin schon ein etwas älterer Jahrgang. Morgens um 6 Uhr noch im Club Musik zu machen, ist nicht mehr meins.

Wie haben Sie angefangen, als DJ zu arbeiten?

Stelter: Da war ich etwa 14 Jahre alt. Meine Großeltern hatten damals einen Partyraum, dort gab es Platten, Plattenspieler und Discolicht. Dann habe angefangen, mit Künstlern wie Boney M., Abba und Co.. Ich war immer begeistert von den Charts und habe sie im Radio mitgeschnitten. 

Beim Fußball-Bundesligisten Hannover 96 macht Sven Stelter im Stadion die Musik. „Einfacher als in Clubs“, sagt er.

Und so bin ich irgendwie reingerutscht: Man fängt an, auf einem 18. Geburtstag aufzulegen, dann wird man gefragt, ob man das auch woanders machen könnte, und so ging das immer weiter. Irgendwann kommt dann der Schützenverein und fragt für eine Zeltdisco an und man fängt man an, sich Licht- und Tontechnik zu kaufen. So wächst das.

War die Musik früher besser als heute?

Stelter: Sie war anders. Ich würde nicht sagen, dass sie besser war, aber es gab nicht so viele Genres wie heute. Früher gab es Discomusik, Rock, vielleicht auch deutsche Musik. Aber jetzt gibt es tausende Richtungen: Alleine, wenn man mal auf einem Elektro-Festival geht wie das Ferdinands Feld, da gibt es schon verschiedene Richtungen Musik. Ähnlich ist es bei einem Metal-Festival wie in Wacken. Da spielen sie Death-Metal, Hardcore-Metal und mehr. Das ist einfach viel zu viel.

Apropos zu viel: Wie viel Musik hören Sie am Tag?

Stelter: Auf der Arbeit haben wir immer Musik an, das sind schon etwa acht bis neun Stunden. Dazu kommen die Hin- und Rückfahrt mit dem Auto für jeweils eine Stunde. Zehn Stunden höre ich auf jeden Fall täglich Musik.

Informieren Sie sich hauptsächlich über das Radio über neue Musik?

Stelter: Nein, das mache ich viel mehr über das Internet. Man schaut sich die Charts an und konzentriert sich auf die Neueinsteiger. Ich höre mir dann alle an und sehe, was gut ist und was nicht. Dann kriegt man noch Tipps von DJ-Kollegen. Und wenn mir ein Tipp gefällt, kaufe ich ihn.

Mal unter uns und den Lesern: Gibt es einen Song, den Sie überhaupt nicht mehr hören können?

Stelter: Ganz schlimm ist der Pur-Partyhitmix. Aber der ist ein Muss, wenn man beispielsweise bei Feiern von Landjugenden auflegt. Das Problem ist: Das Publikum dort hört den Hitmix nur einmal im Jahr, ich höre ihn jedes Wochenende. Das ist dann schon sehr nervig. Ähnlich ist es bei „Atemlos“ von Helene Fischer. Wenn die Lieder auf Englisch sind, geht das in der Regel noch. Ed Sheerans „Shape of you“ ist so langsam an der Grenze, so ein Song ist halt irgendwann „durchgenudelt“.

Was macht denn eigentlich einen guten Partysong aus? Wie kommt ein Lied auf Ihre Playlist?

Stelter: Zunächst einmal wähle ich gar keine Playlists mehr aus. Wenn ich beispielsweise auf einem Schützenfest auflege, weiß ich, dass da viele Ältere sind und ich keine Hardcore-Dance-Lieder mitbringen brauche. Das ist mehr etwas in Richtung Schlager oder Disco-Fox gefragt. Aber vorbereiten muss ich mich nicht mehr, das habe ich alles im Kopf.

Wo ist es schwieriger aufzulegen? Im Stadion, auf dem Erntefest oder im Club?

Stelter: Im Stadion ist das einfach, da wollen die Zuschauer Musik zum Anfeuern haben. Dafür muss man aber zunächst einmal die richtigen Lieder gefunden haben, schließlich will man ja nicht jedes zweite Wochenende das Gleiche spielen. Ich glaube, im Club ist es am schwierigsten. 

Die Arbeit dort ist mit der Zeit viel anstrengender geworden, weil man mehr Lieder zusammenmischen muss zu sogenannten Bootlegs und Mash-ups und noch mehr an der Zeit sein muss wie ein DJ wie ich, der auf Erntefesten Musik macht. Ich kann einfach mal moderieren oder den nächsten Song anmachen. Im Club ist der DJ ständig am Mixen, er muss von schnellen Liedern irgendwie gut auf langsame kommen. Das Problem habe ich nicht.

Wenn Sie jetzt auf mehreren Erntefesten spielen, spielen Sie dann immer das Gleiche?

Stelter: Nein. Es gibt allerdings manche Sachen, die kann man immer spielen, weil sie einfach immer gut ankommen.

Sehen Sie sich als der Alleinverantwortliche für die Stimmung, oder muss das Publikum auch seinen Teil beitragen?

Stelter: Ich denke, das Verhältnisse ist 50 zu 50. Wenn ich sage, dass alle im Takt klatschen sollen und es klappt beim vierten oder fünften Mal immer noch nicht, dann spiel ich halt auch nur noch Musik und moderiere ein bisschen. Ich sehe mich nicht als Alleinunterhalter; Hauptsache ist, alle haben ihren Spaß und ich habe alle Wünsche erfüllen können.

Dem Klischee zufolge spielen DJs nur ungern Musikwünsche.

Stelter: Also ich spiele gerne Musikwünsche, wenn sie passen. Aber es gibt aber auch Situationen, da wünscht sich ein Kunde ein Lied, man spielt ihn und eine halbe Stunde später steht er da und will, dass ich das Lied noch mal spiele, weil er gerade auf Toilette war. Das ist nervig. Ich finde es gut, wenn die Leute Wünsche haben, aber sie müssen auch respektvoll mit mir umgehen und nicht nerven. Dann habe ich auch kein Problem damit.

Kann eigentlich jeder DJ sein?

Stelter: Ich glaube, in der heutigen Zeit ist es einfacher geworden. Jeder kriegt die Musik überall her und muss nicht mehr so wie früher in andere Städte zu Plattenläden fahren, um sich die Lieder anzuhören und zu kaufen. Und das Equipment ist nicht mehr so teuer wie damals. Jeder kann also DJ werden, DJ sein allerdings nicht. Es muss sich über einen langen Zeitraum finden, ob man das Know-how, das Niveau bekommt oder nicht. Man ist kein DJ, nur weil man eine entsprechende Anlage hat.

Was ist noch wichtig? Muss man zum Beispiel immer gut gelaunt sein?

Stelter: Gute Laune ist ganz wichtig. Wenn ich auf der Bühne stehe, muss ich gut drauf sein. Ab und zu muss man schauspielern können, wenn man selbst bei Krankheit auf der Bühne steht. Denn einen Job absagen geht dann auch nicht, so schnell kriegt ein Veranstalter gar keinen neuen DJ her. Wenn du zum Publikum guckst, musst du den Job lieben, auch wenn es in dem Moment nicht so ist.

Wie pusht man sich in solchen Fällen?

Stelter: Mit dem Ziel, eine gute Party zu machen. Mein Anliegen ist immer, dass jeder mal getanzt hat – auch die Muffel. Wenn die Tanzfläche langsam voller wird, schaukelt sich das irgendwann von selbst hoch. Dann muss man auch nicht mehr pushen. Und man muss auch immer noch ein bisschen Lampenfieber haben. Wenn man allzu abgebrüht ist, nimmt dir das Ziel keiner mehr ab.

Alkohol: Ja oder nein?

Stelter: Ein oder zwei Bier sind in Ordnung, dann muss man aufhören. Besoffen auf einer Party Musik machen: ein absolutes No-Go.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Was hören Sie heimlich?

Stelter: Heimlich höre ich gerne Black-and-Soul aus den 80er- und 90er-Jahren. Das spiele ich als DJ auch eher wenig.

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