Hunderte Handys im Einsatz

Fast 1.000 Angehörige und Freunde von 308 Rekruten verfolgen Gelöbnis 

Jeweils sechs Rekruten treten stellvertretend für ihre Kollegen zum Gelöbnis nach vorne. - Fotos: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Zugegeben: So ein öffentliches Gelöbnis bietet jede Menge Motive. Und so ist es auch kein Wunder, wenn die Gäste, die am Mittwoch den Pferdemarkt säumen, ihre Handys zücken, filmen und fotografieren, was die Speicherkarte hergibt. Hunderte Smartphones sind zu sehen – eine Stunde lang. Alles wollen die Angehörigen und Freunde der 308 Rekruten festhalten. Dieser Tag ist schließlich ein besonderer.

So sieht es auch Landrat Hermann Luttmann (CDU), der sich in seiner Rede zunächst direkt an die jungen Rekruten des Panzergrenadierlehrbataillons 92 aus Munster, des Fallschirmjägerregiments 31 aus Seedorf sowie des Rotenburger Jägerbataillons 91 wendet, um anschließend seiner Freude darüber Ausdruck zu verleihen, dass eben auch so viele Gäste an diesem „wichtigen Tag im Leben der jungen Soldaten“ an die Wümme gekommen sind. Luttmann gebe dieses Gelöbnis die Möglichkeit, die Verbundenheit des Landkreises Rotenburg mit den Soldaten zum Ausdruck zu bringen. „Nach den vielen Strukturreformen in den letzten Jahrzehnten gibt es nur noch wenige Landkreise in Deutschland, in denen die Bundeswehr ähnlich stark vertreten ist“, so der Landrat. Er freue sich, dass nach den Heeresfliegern, Fernmeldern und Logistikern vor drei Jahren das neu aufgestellte Jägerbataillon 91 seine Heimat in der Lent-Kaserne gefunden hat.

Maik Münzner

„Wir Bürger im Landkreis Rotenburg stehen zu unserer Bundeswehr, gerade auch bei ihren gefährlichen Auslandseinsätzen“, sagt Luttmann. „Für mich als Landrat ist es gut zu wissen, dass ich im Katastrophenfall – wenn er denn einmal eintreten sollte – schnell die Hilfe von hier stationierten Soldaten in Anspruch nehmen kann.“ Als Kreisvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge dankt Luttmann auch für den Einsatz der jungen Soldaten bei den jährlichen Straßensammlungen und für die Unterstützung der Arbeit der Stiftung Lager Sandbostel im ehemaligen Kriegsgefangenenlager. Luttmann erinnerte zudem an seine Grundausbildung, die inzwischen 40 Jahre zurückliegt und eben unter ganz anderen Voraussetzungen stattfand. Der Landrat: „Damals gab es nach den schrecklichen Erfahrungen des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges in der deutschen Bevölkerung eine weit verbreitete, generelle Skepsis gegenüber allem Militärischen.“ So sollte die Bundeswehr in den Zeiten des Kalten Krieges ausschließlich eine Armee für den Frieden sein, eine reine Abschreckungsarmee, so Luttmann. Nach dem Fall der Mauer habe sich die Auftragslage der Bundeswehr grundlegend geändert.

308 Rekruten aus Rotenburg, Munster und Seedorf sind zum Gelöbnis auf dem Rotenburger Pferdemarkt angetreten.

Auslandseinsätze seien nach mehr als 20 Jahren zu einer Art Normalität geworden. „Kampfeinsätze weit weg von der Heimat können wir gegenüber den betroffenen Soldaten und ihren Familien meines Ermessens nach aber nur rechtfertigen, wenn wir ihnen eine bestmögliche Ausbildung, eine bestmögliche Ausrüstung und eine uneingeschränkte moralische und politische Unterstützung gewährleisten.“ Berichte über die nicht oder nur bedingte Einsatzbereitschaft der Bundeswehr sollten deshalb mehr als nur ein Weckruf für die Ministerin der Verteidigung, die Bundesregierung und den Bundestag sein.

Gelöbnis von 308 Rekruten auf dem Rotenburger Pferdemarkt

 © Guido Menker
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Das Gelöbnis auf dem Pferdemarkt unter Beteiligung des Heeresmusikkorps Hannover ist an diesem Mittwoch zugleich der erste öffentliche Auftritt von Oberstleutnant Maik Münzner als Kommandeur des Jägerbataillons 91. Es sei ihm eine Ehre, das Gelöbnis abzunehmen. „Ich darf Ihnen versichern: Sie entscheiden sich richtig, unser gemeinsames Vaterland und seine Bürger zu schützen. Denn wir dürfen in einem Deutschland leben, welches gemäß seiner Verfassung die größtmögliche Freiheit und Mitbestimmung jedes einzelnen Menschen garantiert.“

Weder Freiheit noch Wohlstand und Selbstbestimmung seien selbstverständlich. Und für unseren Staat wäre es naiv und geradezu arrogant, zu glauben, dass die Entwicklungen in der Welt freiwillig „einen Bogen um uns machten“, so Münzner. Nach dem Gelöbnis gratuliert er mit den Ehrengästen den Rekruten. Danach folgt ein Empfang im Rathaus – mit deutlich weniger Handys.

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