Tiere werden zu Maschinen

Freilaufende Hunde als Gefahr: Schäfer richtet Appell an Besitzer

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Marco Hörmann bereitet für seine Lämmer eine Kraftfutter-Mahlzeit vor. Sie warten schon darauf.

Borchel - Nicht wenige unserer Leser werden vor gut einer Woche geschmunzelt haben, als sie das Foto von den Schafen bei uns im Blatt gesehen haben, die von einer Weide ausgebrochen waren und die Tennisanlage des TC Grün-Weiß nahe der Bundesstraße 440 gestürmt haben.

Einer, der das absolut nicht lustig findet, ist Marco Hörmann. Der Schäfer aus der Rotenburger Ortschaft Borchel hatte nicht nur viel Arbeit damit, die Tiere einzusammeln und sie anschließend nach Borchel zu bringen, sondern befürchtet auch erheblichen Schaden. Denn: „Ein Hund hat die Flucht der Tiere ausgelöst.“

Die 101 Mutterschafe sind trächtig. Geraten sie in Panik, in diesem Fall also in Todesangst, ist die Gefahr groß, dass sie ihre Föten verlieren. „Kommt ein Hund in den eingezäunten Bereich auf der Weide, wollen die Schafe flüchten und durchbrechen den Zaun“, schildert Hörmann den Ablauf. Das dauere mehrere Minuten. Anschließend suchen die Schafe das Weite – eine Suche, die vor gut einer Woche auf der Tennisanlage endete. Wie viele der Tiere verworfen haben, lasse sich jetzt noch nicht sagen. „Aber das ist schon ein Verlust.“ Außerdem bringe es für ihn und die Tiere den Jahresplan durcheinander.

Bitte an Hundebesitzer: Bleibt auf den Wegen

Marco Hörmann richtet vor diesem Hintergrund einen deutlichen Appell an alle Hundehalter, die mit ihren Vierbeinern auch im Außenbereich unterwegs sind. „Sie sollten bitte auf den Wegen bleiben und die Hunde nur frei laufen lassen, wenn sie sie wirklich unter Kontrolle haben.“ Ist erkennbar, dass auf einer der Weiden Tiere gehalten werden, sollten die Hunde an die Leine. 

Denn: „Die sind nicht wirklich ausgelastet. Da werden Hunde dann zu Maschinen“, sagt Hörmann. Sie zu stoppen, wenn sie auf die Schafe zugehen, sei schwierig, oftmals unmöglich. So, wie im Fall von Hörmanns Herde in der Rodau-Wiedau-Niederung. Ein schwarzer Hund soll es gewesen sein. „Mehr weiß ich nicht. Er war schon weg, als ich kam.“ Ärgerlich für den 32-jährigen Schäfer, der insgesamt 250 Mutterschafe hat: „Diesen Bereich werde ich jetzt meiden.“ Das sei ärgerlich, aber sicherer, weil dort viele Hunde unterwegs sind.

Guckst Du? Schafe sind neugierig.

Ärgerlich sei es, weil er mit seinen Schafen dort eigentlich zu einer Win-Win-Situation gekommen sei. „Der Landwirt freut sich, dass meine Tiere den alten Bewuchs fressen, und ich freue mich, dass die Schafe gutes Futter bekommen und satt werden.“ Wenn potenziell gute Weiden verloren gehen, sei das existenzbedrohend. Daher der Appell an Frauchen und Herrchen mit Blick auf die nächsten Spaziergänge.

Seit sieben Jahren ist Marco Hörmann als Schäfer selbstständig. Für seine Tiere nimmt er Weideaufträge entgegen. Und so waren die Tiere zuletzt nicht nur in der Rodau-Wiedau-Niederung, sondern auch hinter dem Rotenburger Heimathaus oder im Bereich des Gewerbegebietes Hohenesch zu sehen. 

Schäfer zum Wolf: Noch gibt es kein Problem

„Die Leute wollen doch, dass Tiere auf der Weide sind. „Dafür stehen wir jeden Tag im Regen und setzen uns ein, das möglich zu machen“, sagt Hörmann. Mit dem Wolf, sagt er, gebe es (noch) kein Problem. Die machten sich an die Schafe noch nicht heran – vielleicht wegen entsprechender Einzäunung. Aber die Hunde stellten ein Risiko dar. Nicht nur, weil sie die Herde in Angst und Schrecken versetzen, sondern auch, weil sie die Weiden vollkoten. Werde Gras als Futter gemäht, gelange der Kot ins Futter „und überträgt Krankheiten“.

Achtung, Schafe. Das Schild steht an Hörmanns Hofeinfahrt in Borchel.

Geld verdient Hörmann allerdings nicht nur mit der Beweidung, sondern auch mit dem Verkauf der Lämmer. Da zählt jedes Tier. Futter sei schließlich nicht nur knapp, sondern auch teuer. Verluste können also schmerzhaft werden. Bereits seit längerer Zeit schon, plant der junge Schäfer, auch aus der Wolle seiner Schafe mehr zu machen. Er will eine Halle bauen, in der er die Wolle kardiert und kämmt, um daraus anschließend Decken und Kissen zu fertigen, die er selbst vertreiben möchte. „Der Bauantrag läuft“, sagt er. Hintergrund: Es sei schwer geworden, die Wolle zu vermarkten. Die Erlöse pro Schafe seien geringer, als ein eingekaufter Schaf-Friseur kostet.

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