Corona-Inzidenzwert in der Kreisstadt bei 259

Hotspot Rotenburg

Unter Polizeischutz hat das Gesundheitsamt Coronatests in einer Rotenburger Familie vorgenommen.
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Unter Polizeischutz hat das Gesundheitsamt Coronatests in einer Rotenburger Familie vorgenommen.

Rotenburg – Die Kreisstadt Rotenburg ist das Zentrum des Landkreises – leider mittlerweile auch zunehmend als Hotspot des Corona-Pandemiegeschehens. Aktuell gelten in Rotenburg 94 Menschen als erkrankt. Mit den Fällen der vergangenen Tage ergibt sich ein Inzidenzwert von 259 Neuinfektionen statistisch hochgerechnet auf 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Bundesweit gilt der thüringische Landkreis Hildburghausen mit einem Wert von 629,8 als am meisten betroffen. Welche Folgen die Zahl für die Kreisstadt hat, war am Freitagnachmittag allerdings noch offen.

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte am Donnerstag gesagt, dass in Orten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz ab 200 der automatische Wechsel in geteilte Lerngruppen für alle Schüler ab dem siebten Jahrgang verordnet werde. Das Szenario B, also der Unterricht im Wechselmodell, gelte ab dem 1. Dezember sofort und für mindestens 14 Tage für alle Schulen in einer betroffenen Stadt oder einem betroffenen Landkreis. Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) verwies auf das Gesundheitsamt beim Landkreis, das zentral die Maßnahmen im Landkreis koordiniere. Es sei gut, dass es diesbezüglich keine verteilten Zuständigkeiten gebe. Ausschlaggebend seien die Inzidenzwerte eines gesamten Landkreises, nicht einzelner Kommunen.

Dass gerade Rotenburg zuletzt so stark betroffen von neuen Coronafällen war, begründet Weber mit der großen Zahl an Menschen, die im Krankenhaus oder der Diakonie arbeiten und so sehr eng mit anderen Menschen zusammenarbeiten. Auch gebe es in der Kreisstadt mehr Schulen, Kitas und Seniorenheime. Allgemein gesprochen, gebe es in Städten größere Ansammlungen von Menschen als in Dörfern. Auch die große Zahl an Pendlern in die sehr betroffenen Gebiete des Landkreises Verden und nach Bremen könnten eine Rolle spielen, hieß es zuletzt. „Das Fallgeschehen ist über die ganze Stadt verstreut und kann keinem einzelnen Cluster zugeordnet werden“, sagt Kreissprecherin Christine Huchzermeier zur Frage, ob sich Muster erkennen lassen. Klar ist aber: Auch das Infektionsgeschehen innerhalb einer Rotenburger Großfamilie, deren eine Immobilie im Stadtkern mittlerweile rund um die Uhr von einem Sicherheitsdienst zur Einhaltung der Quarantäne-Verordnungen bewacht wird, spielt eine Rolle. Von den Tests, die am Dienstag bei den Familienmitgliedern unter Polizeischutz vorgenommen wurden, seien zehn positiv gewesen. 13 weitere Familienangehörige galten bereits zuvor als infiziert. Huchzermeier: „Es handelt sich, wenn man überhaupt von einem Cluster sprechen kann, um ein Mini-Cluster. In der Stadt Rotenburg ist das aber nur eines von vielen kleinen Clustern und Einzelfällen.“ Da das Infektionsgeschehen in Rotenburg so diffus und schwer zu verankern sei, gelte insbesondere hier: Kontakte einschränken, Abstand- und Hygieneregeln einhalten, Mund-Nasenschutz tragen und regelmäßig lüften.

Kreisweit sind beim Gesundheitsamt am Freitag 41 neue Coronafälle gezählt worden. Aktuell gebe es 193 Infizierte, 17 davon müssten im Krankenhaus behandelt werden. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt für das gesamte Kreisgebiet bei 80 Neuinfektionen in Bezug auf 100 000 Einwohner. Gemeldet wurden auch drei neue Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: ein 83-jähriger Mann aus der Samtgemeinde Bothel sowie eine 98-jährige Frau und ein 92-jähriger Mann aus Rotenburg. Damit ist die Zahl der Covid-Todesopfer im Landkreis nunmehr auf zehn gestiegen.

Für rund 690 Kontaktpersonen besteht aktuell die Pflicht zur häuslichen Quarantäne. Nach Rotenburg zählt die einwohnerstärkste Samtgemeinde im Kreisgebiet, Zeven, mit 21 die zweitmeisten Fälle. Im Altkreis Rotenburg sind es aktuell in Sottrum 14, in Visselhövede und Scheeßel jeweils fünf sowie in Bothel und Fintel jeweils ein Fall. Am Montag gibt der Landkreis neue Infektionszahlen bekannt.

Der Landkreis will in den ehemaligen Räumlichkeiten des Martin-Luther-Krankenhauses in Zeven ein Corona-Impfzentrum einrichten lassen. Das Land habe die Landkreises aufgefordert, mögliche Standorte für die landesweit geplanten 60 Einrichtungen dieser Art zu finden. Sobald ein Impfstoff gefunden und freigegeben ist, soll dort die Arbeit beginnen. „Nun bleibt abzuwarten, welche genauen Vorgaben das Land im Hinblick auf Personalschlüssel, Impfquote, zuerst zu impfende Personen oder Räume stellt und welcher Impfstoff zur Verfügung steht. Sobald diese bekannt gegeben werden, kann mit der konkreten Umsetzung begonnen werden“, teilte Kreissprecherin Christine Huchzermeier am Freitag mit. „Wir bereiten die Räumlichkeiten vor und stellen das Personal zur Verfügung, sodass wir sofort starten können, sobald der erste Impfstoff verteilt wird“, ergänzte Landrat Hermann Luttmann (CDU). „Wann das genau sein wird, ist noch nicht klar. Ich rechne Anfang kommenden Jahres damit.“ Noch müsse man aber um Geduld werben – der Landkreis werde auch über die Presse weiter kontinuierlich zur Sache informieren.

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