Neubau soll im März starten

Rotenburger Hospiz-Plan nimmt Form an

Nach dem Vorbild des Hospizes Zugvogel in Sulingen entsteht in Rotenburg ein Hospiz am Therkornsberg.

Rotenburg - Das evangelisch-lutherische Diakonissen-Mutterhaus baut am Therkornsberg in Rotenburg ein stationäres Hospiz. Pastor Matthias Richter als Vorstandsvorsitzender spricht gegenüber der Rotenburger Kreiszeitung von einer Investition in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro. Der Bau soll im März beginnen und etwa acht Monate dauern. Richter: „Anfang 2021 kann die Einrichtung ihren Betrieb aufnehmen.“ Der Name: Hospiz „Zum Guten Hirten“.

Das Mutterhaus will sich mit den Rotenburger Werken einen Partner ins Boot holen. Die Idee ist eine gemeinsame Betriebsgesellschaft. Für den Bau kauft das Mutterhaus ein 6 000 Quadratmeter großes Grundstück von den Rotenburger Werken. Der Abschluss des Kaufvertrages stehe bevor, erklärt Matthias Richter.

Das Diakonissen-Mutterhaus stellt sich bereits seit mehreren Jahren neu auf. Nach außen sichtbar wird genau das an mehreren Projekten. Seit 2015 spielt es eine entscheidende Rolle in der Rotenburger Flüchtlingsarbeit, im Mai dieses Jahres ist die Rotenburger Akademie auf dem Gelände der ehemaligen Lungenklinik in Unterstedt an den Start gegangen, und seit diesem Sommer betreibt es neben der Lindenburg einen zweiten Kindergarten an der Brockeler Straße. Und nun reiht sich der Bau eines stationären Hospizes in eben diese Liste neuer Projekte ein.

Sandra Köbe, Johannes Stephens und Matthias Richter informieren über das geplante Hospiz.

Vor diesem Hintergrund betont der Vorstandsvorsitzende des Mutterhauses die Zielrichtung des neuen Vorhabens: Es gehe um Menschen, die Zuwendung auf ihrem letzten Weg des Lebens brauchen. Als diakonische Einrichtung fühle sich das Mutterhaus verpflichtet, „auf gesellschaftliche Anforderungen eine Antwort zu geben“. Richter: „Wir müssen mehr tun für die Menschen am Lebensende.“ Überlegungen in diese Richtung hat es in den vergangenen Jahren mehrfach gegeben – in Rotenburg, aber auch in Verden. Doch wer soll, wer kann ein solches Projekt vor allem finanziell stemmen? „Wer, wenn nicht wir? Helfen ist unsere Tradition“, findet Matthias Richter. Man sehe den Bedarf und die Not vieler Menschen – darauf gelte es, sinnvolle Antworten zu geben. Und so hat man sich an die Arbeit gemacht. Zunächst habe es viele Gespräche gegeben, um den Bedarf beurteilen zu können. Es gab nicht nur Gespräche mit dem seit zehn Jahren in der Kreisstadt fest verankerten Hospizverein, sondern auch mit der Stadt, dem Landkreis, mit den Rotenburger Werken und dem Diakonieklinikum sowie mit den Nachbarn in der Stadt Verden. Richter: „Alle haben uns gesagt: Macht das!“

Und jetzt machen sie. Sehr zur Freude auch von Sandra Köbe. Die examinierte Krankenschwester und Sozialarbeiterin ist im Verein Hospizarbeit als Koordinatorin beschäftigt und sitzt nun auch im Mutterhaus beim Gespräch mit der Kreiszeitung am Tisch. Köbe ist eingebunden in die aktuelle Planung. Der Verein erkenne seit Beginn an den Bedarf. „Die Menschen wollen aber nicht weit außerhalb von Rotenburg in ein Hospiz. Viele Angehörige sind mit der Sterbebegleitung überfordert, und deshalb hören wir sehr oft den Wunsch nach einem stationären Hospiz.“

Die Architekten haben bei der Planung vor allem Wert auf reichlich Licht gelegt.

Das vorgesehene Hospiz mit einer Grundflächengröße von 1 012 Quadratmetern hat ein Vorbild in Sulingen. „Das haben wir uns angesehen, und wir finden es einfach gut“, sagt Richter. Daher übernehme man nun die Pläne und baue es nach. Ein eingeschossiger Bau, den Richter so beschreibt: „Eine Augenweide.“

Zunächst sind acht Gästezimmer à 30 Quadratmeter inklusive eigener Nasszelle geplant. „Es gibt aber auch noch eine Ausbaureserve“, berichtet Johannes Stephens, Referent des Vorstandes. Zwei weitere Gästezimmer können angefügt werden, sollte der Platz auf Dauer nicht reichen. Jedes Zimmer bekomme eine eigene Terrasse, und für Angehörige seien weitere Räume vorgesehen. Dazu sei ein Gemeinschaftsraum mit offener Küche geplant. Ein Innenhof, Büros, Diensträume, ein Vollbad sowie ein Raum der Stille runden das Angebot ab. „Luftig, leicht und sonnendurchflutet“ – so kennzeichnet Richter das, was dort am Therkornsberg entstehen soll und sich bestens in die Umgebung einfüge.

Das inhaltliche Konzept sei sehr individuell ausgelegt. Die Gäste würden im Schichtbetrieb von zwei bis drei Pflegekräften versorgt. „Das ist ein anderer Pflegeschlüssel als in einem Pflegeheim“, betont Stephens. Und anders als dort gebe es keine starren Abläufe. Die Einbindung von Ehrenamtlichen sei ebenfalls vorgesehen – ja sogar wünschenswert. Und auch bei der Finanzierung des Betriebes sei man auf Spenden angewiesen, weil die Krankenkassen dafür nur 95 Prozent des Bedarfs beisteuerten. Richter: „Das ist ganz bewusst so gemacht worden, um das Hospiz auch in die Gesellschaft zu integrieren.“ Die laufenden Kosten werden mit rund einer Million Euro pro Jahr veranschlagt, sagt der Vorstandschef.

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