Honig – ein gutes Stück Natur

Rotenburger Imker sprechen über ihre Arbeit und Honig als gesundes Lebensmittel

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Der Kassenwart Herbert Klawitter (v.l.) und seine Ehefrau Irma (Honigobfrau) sowie die Vorsitzende des Rotenburger Imkervereins, Elli Döbler, sprechen über die Imkerei und Honig als Nahrungsmittel.

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. Elli Döbler liebt die Natur und hält sich am liebsten an der frischen Luft auf. Seit 40 Jahren ist sie Imkerin aus Leidenschaft. Der Erhalt der Artenvielfalt liegt ihr sehr am Herzen. Als Bienenzüchterin habe sie die Möglichkeit, darauf Einfluss zu nehmen.

„Bienen haben durch das Bestäuben von Zier-, Wild- und Nutzpflanzen maßgeblichen Anteil am Erhalt der Artenvielfalt der Flora“, stellt die Vorsitzende des Rotenburger Imkervereins fest. Das sei aber nicht der einzige Nutzen der Bienen. „Sie liefern Honig für die menschliche Ernährung.“ Die Rotenburger Kreiszeitung hat mit Mitgliedern des Vereins über die Aufgaben eines Imkers und die Bedeutung der Bienen für die menschliche Ernährung gesprochen.

„Ein Brot oder Brötchen mit Bienenhonig gehört bei vielen Menschen zum täglichen Frühstück. Nur wenige machen sich aber Gedanken, was alles passiert, bis der Honig auf dem Frühstückstisch landet“, so Döbler. Bei der Nutztierhaltung stehen die Bienen in Deutschland an dritter Stelle. „Nach Berechnungen des Imkerbundes verzehrt jeder Deutsche rund 1,1 Kilogramm Honig pro Jahr“, erklärt die Bienenzüchterin. In Deutschland werden rund 20 Honigsorten gewonnen. Die meisten von ihnen würden direkt ab der Imkerei auf dem Wochenmarkt oder im Fachhandel vermarktet.

„Ein unverfälschtes Naturprodukt“

Auch die 135 Mitglieder des Rotenburger Imkervereins seien mit ihren rund 1 500 Völkern an der Herstellung von Honig beteiligt. „Er ist ein unverfälschtes Naturprodukt“, hebt Döbler die Reinheit des süßen Brotaufstrichs hervor. Die Bienen fliegen bis zu fünf Millionen Blüten an, um Nektar für ein Kilogramm Honig zu sammeln.

Bis die süße Kostbarkeit in die Haushalte gelangt, passiert einiges: „Der Honig wird mittels einer Zentrifuge aus den Waben geschleudert, gesiebt und abgefüllt“, erklärt die Honigobfrau des Vereins, Irma Klawitter. „Für die Qualität des Honigs ist es entscheidend, dass entsprechend gesetzlicher Vorschriften nichts hinzugefügt beziehungsweise entzogen wird“, erklärt sie weiter. Echter deutscher Honig sei auf verschiedene Kriterien hin überprüft. Dazu zählten unter anderem der Wassergehalt, die Enzymaktivität, die Pollenanalyse zur Herkunftsbestimmung und ob der Honig kühl oder trocken gelagert worden ist. „Auf dem Honigglas wird auf dem Etikett eine Überwachungsnummer vermerkt, aus der sich die Herkunft des Produktes von der Gewinnung bis hin zum Verbraucher nachvollziehen lässt“, erklärt Klawitter und zeigt auf eine Nummer auf der rechten Seite des Etiketts.

Die Arbeitsbienen füllen den Nektar der Blüten in die Waben des Bienenstocks. 

„Damit der Honig auch lange gut schmeckt, sollte er zu Hause in der Küche immer verschlossen aufbewahrt werden“, rät der Ehemann der Obfrau, Herbert Klawitter. Auch er ist ein begeisterter Imker und gleichzeitig Kassenwart des Vereins. Der Honig würde sonst schnell Fremdgerüche annehmen. Außerdem verflüchtige sich das Aroma, Wasser würde einziehen und die Qualität sich mindern.

„Als Bienenzüchter kenne ich die biologischen Eigenheiten meines Bienenvolkes“, erklärt die Honigobfrau. Bienen überwintern als Volk. Bereits ab dem Spätsommer bis in den Herbst hinein sorgt Irma Klawitter dafür, dass ihr Bienenvolk mit vielen jungen Winterbienen und geeignetem Futter in die kalte Jahreszeit geht. „Für diese Zeit erhalten die Bienen als Ausgleich für die entnommenen Vorräte an Honig ballastarme Zuckerlösungen als Futterersatz“, so die Expertin. „Im Frühjahr, wenn die Königin dann wieder anfängt, Eier zu legen, und das Volk zu wachsen beginnt, sorge ich dafür, dass im Stock genügend Raum zum Wabenbau zur Verfügung steht“, erklärt sie weiter.

„Allen Imkern steht die Angst im Nacken“

„Allen Imkern steht die Angst im Nacken, Bienenstöcke durch die Varroamilbe zu verlieren“, spricht Döbler über die Gefahr für die Bienen. Es gebe noch keine Methoden den Brutschädling auszurotten. „Der Schädling lebt als Parasit bei den Bienen, vermehrt sich in der ,verdeckelten’ Brut im Bienenstock.“ Ein Milbenbefall schwächt die Bienen. „Damit der Stock nicht eingeht, schneide ich im Sommer regelmäßig während der Bauphase im Stock das Wachs aus den ,Drohnenbaurahmen’ heraus.“ Nach der Honigernte werden die Stöcke mit Ameisensäure oder Oxalsäure behandelt, um die Milben zu töten.

„Leider bleiben immer ein paar Schädlinge am Leben. Eine Horrorvorstellung für jeden Imker“, so die Vorsitzende. Die Bienenzüchter seien verpflichtet, Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Schädling durchzuführen. „Schlimmstenfalls verlassen die Bienen den Stock und sterben“, sagt Döbler. Der Vorstand hofft, dass die hiesigen Imker in der kommenden Honigsaison davon verschont bleiben und sie die Menschen der Region ausreichend mit regionalem Honig versorgen können.

Deutscher Bienenhonig wird überall gleich etikettiert.

„Die Haushalts- und Ernährungswissenschaftlerin Renate Frank hat unsere Vereinsmitglieder in einem Vortrag über die Bedeutung des Honigs für unsere Ernährung aufgeklärt“, erwähnt Döbler. So soll ein Frühstück mit Honig ideal sein, um Gehirn- und Nervenzellen in Schwung zu bringen, weil das Produkt alle dazu nötigen Stoffe enthalte. Das seien neben Kohlenhydraten, Chrom, B-Vitaminen und Cholin zahlreiche weitere Inhaltsstoffe, wie Eisen, Magnesium sowie pflanzliche Säuren und Farbstoffe. Zudem schütze das Cholin im Honig die Leber.

Auch die Darmflora eines Menschen würde verbessert. Die im Honig enthaltenen pflanzlichen Säuren erhöhten auch den Säurewert des Darmes und schafften den erwünschten Bakterien günstige Lebensbedingungen. Blütenpollen seien Nahrung für diese Bakterien und erhöhten die Durchblutung der Dünndarmschleimhaut. Voraussetzung für Leistungsfähigkeit, Antriebskraft und starke Abwehrkräfte bei einem Menschen sei unter anderem eine ausreichende Versorgung mit Eisen. „Honig trägt dazu bei, die Eisenaufnahme über die Nahrung zu steigern“, so die Ernährungsexpertin.

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